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Viktor Szilagyi (r.) und Österreich verloren in der Vorbereitung gegen Polen 26:32 (11:14) © imago

Der EM-Gastgeber geht als krasser Außenseiter ins Turnier. Coach Sigurdsson ist optimistisch, doch es gibt auch kritische Stimmen.

Von Julian Meißner

München - Die "Mission Impossible" beginnt ausgerechnet gegen den Titelverteidiger.

Wenn EM-Gastgeber Österreich im Eröffnungsspiel am Dienstag (18 Uhr LIVESCORES) auf Dänemark trifft, sind die Rollen klar verteilt.

Die hoch favorisierten Dänen tummeln sich seit Jahren an der Weltspitze und holten nach dreimal EM-Bronze in Folge 2008 in Norwegen endlich ihren ersten großen Titel.

Die Österreicher nehmen zum ersten Mal überhaupt an einer Europameisterschaft teil.

Dennoch hat sich die ÖHB-Auswahl, die acht Bundesliga-Legionäre in ihren Reihen hat, eine Menge vorgenommen. In der Vorrunde will man sich auf keinen Fall verabschieden.

Sigurdsson guter Dinge

Dass die Skifahrernation auch mit dem Handball umgehen kann, hat die deutsche Nationalmannschaft noch vor kurzem zu spüren bekommen: In Innsbruck schrammte das DHB-Team am 5. Januar zum Auftakt der EM-Vorbereitung bei 30:29 nur haarscharf an einer Blamage vorbei.

"Das Spiel gegen Deutschland hat uns sicher einen Schub für die letzte Vorbereitungsphase gegeben", sagte Österreichs Coach Dagur Sigurdsson gegenüber Sport1.de. Der Isländer, hauptamtlich Coach der Füchse Berlin, hofft: "Wir werden jetzt ernst genommen."

Man habe phasenweise sogar besser gespielt als beim viel besungenen Sieg über Deutschland 2008.

Kritik wegen Härte

Patrick Fölser, Kreisläufer bei der HSG Düsseldorf, erklärte im Gespräch mit Sport1.de: "Für uns ist diese Europameisterschaft etwas ganz Großes. Wir wollen den Leuten zeigen, dass wir in Österreich auch Handball spielen können."

Bisweilen fiel Sigurdssons Team, in dem Gummersbachs Viktor Szilagyi und Berlins Konrad Wilczynski zu den Leistungsträgern zählen, jedoch in der Vorbereitung eher durch übertriebene Härte als durch spielerische Klasse auf.

Fölser handelte sich mit einer übermotivierten Aktion gegen Holger Glandorf eine ziemlich ernst gemeinte Unterredung mit Heiner Brand ein. Und auch Polens Trainer Bogdan Wenta, der gegen Österreich testen ließ, beklagte die Härte der ÖHB-Auswahl. Fölser will die Vorwürfe nicht so stehen lassen: "Wir können hart zur Sachen gehen, aber auch schönen Handball spielen."

Harte Brocken in Gruppe B

Ob es reicht, um die Vorrunde zu überstehen, erscheint jedoch fraglich. Neben den Dänen warten in Gruppe B der Olympia-Zweite Island und die starken Serben um Kiels Rückraum-Ass Momir Ilic. "Für uns zählt nur die Hauptrunde. Das ist unser großer Traum. Es wird sehr schwer, aber wir arbeiten hart, um dieses Ziel zu erreichen", so Fölser.

"Es fehlt bei uns noch am Feintuning, aber alle Teams haben ihre Baustellen", ist Sigurdsson sicher: "Das Publikum kann sich auf eine tolle EM freuen."

Magdeburgs Flügelflitzer Robert Weber ist ebenfalls optimistisch: "Die Chancen sind da. Wenn sich niemand verletzt und wir einen guten Tag erwischen, können wir gegen jeden Gegner eine Überraschung schaffen. Leicht wird es nicht, es ist aber möglich."

Szlezak: "Nachhaltigkeit wird nicht da sein"

Große Hoffnungen hegen die Verantwortlichen auch für die Entwicklung des Handballs durch das Event in der Alpenrepublik. Momentan fristet der Sport ein Schattendasein, und Skeptikern zufolge wird das auch so bleiben.

"Ich habe Angst davor, was nach dem Turnier passiert": sagte etwa Ex-ÖHB-Kapitän David Szlezak gegenüber "sportschau.de": "Es wurde alles auf die Karte EM gesetzt und nicht geschaut, was danach kommt. In den vergangenen Jahren haben sich immerhin drei oder vier Juniorenmannschaften für die jeweiligen Großereignisse qualifiziert. Seit zwei Jahren gehen die österreichischen Nachwuchsteams mit Bomben und Granaten unter. Die Nachhaltigkeit wird einfach nicht da sein."

Mangelnde Popularität

Der frühere Rechtsaußen der Rhein-Neckar Löwen ist mittlerweile in der Marketingabteilung der Badener tätig, kennt sich also aus mit den (erhofften) Auswirkungen einer derartigen Veranstaltung.

"Es wird ein Super-Turnier, alle sind top-gerüstet", sagt Szlezak, fürchtet aber: "Nur eine Minderheit in Österreich wird von dem Turnier etwas mitbekommen. Es wird wohl nicht möglich sein, so eine Art Wintermärchen wie bei der WM 2007 in Deutschland zu entfachen, selbst wenn die Österreicher erfolgreich wären. Handball ist einfach nicht populär genug."

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