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Schiri Canbro schickt Sigurdsson (M.) auf die Trribüne, Wilczynski applaudiert höhnisch © imago

Die Österreicher wittern nach der knappen Niederlage gegen Kroatien eine Verschwörung. Die EHF reagiert und sperrt den ÖHB-Coach.

Von Julian Meißner

München - Helle Aufregung im Lager des EM-Gastgebers: Die Österreicher fühlten sich bei der 23:26 (10:11)-Niederlage gegen den hohen Favoriten Kroatien am Dienstag von den Schiedsrichtern verschaukelt.

"Ich habe über 2000 Spiele miterlebt, daher weiß ich, wenn man verarscht wird", sagte der erboste ÖHB-Coach Dagur Sigurdsson nach der Partie.

Der Isländer, hauptberuflich Trainer der Füchse Berlin, hatte in der 57. Minute die Rote Karte gesehen - nach eigener Auskunft die erste seiner Karriere.

"Dagur ist ein ruhiger Mensch. Der kriegt nicht einfach so eine Rote Karte wegen Nichts", kommentierte Kreisläufer Patrick Fölser, der für die HSG Düsseldorf ebenfalls in der Bundesliga aktiv ist.

Sperre auf Bewährung

Die EHF sah dies anders und verhängte gegen Sigurdsson eine sechsmonatige Sperre auf Bewährung. Zudem muss er eine Geldstrafe von 2000 Euro zahlen.

Falls sich Sigurdsson in den kommenden drei Jahren etwas zuschulden kommen lässt, tritt die Sperre für alle EHF-Wettbewerbe in Kraft.

Turbulente Schlussphase

Was war passiert? Die Hausherren hielten in der Wiener Stadthalle bis zum 21:22 (54.) gut mit, ehe die Partie zugunsten der Stars um Ivano Balic und Igor Vori kippte, auch aufgrund einiger strittiger Entscheidungen der schwedischen Referees Rickard Canbro und Mikael Claesson.

So pfiff das Schweden-Duo Viktor Szilagyi im Tempogegenstoß zurück und ließ den Freiwurf am eigenen Kreis erneut ausführen. Was folgte war Sigurdssons Wutausbruch und der Platzverweis für den Isländer.

Linksaußen Konrad Wilczynski sagte: "Man kann diese Niederlage an zwei Leuten in Schwarz festmachen. So eine Schiedsrichter-Leistung ist eine Frechheit und muss auch Konsequenzen haben. Wir erwarten eine faire Schiedsrichter-Leistung, aber gegen neun Mann hat man keine Chance."

Halbfinale kein Thema

Die Chance aufs Halbfinale hatten die Österreicher jedoch schon beim 27:30 gegen Norwegen am Montag verspielt.

Immerhin haben die im Vorfeld des Turniers als zweitklassig eingestuften Österreicher mit ihren Leistungen bewiesen, dass sie oben mithalten können. Gegen Vize-Weltmeister Kroatien lieferte das Team laut Sigurdsson sogar "das beste Spiel in der Geschichte Österreichs".

Szilagyi stinksauer

Kapitän Viktor Szilagyi meinte: "Wir sind 60 Minuten durchgehend provoziert worden. Sie haben eine Fehlentscheidung nach der anderen gepfiffen und haben uns dabei ins Gesicht gelacht."

Auch Sigurdsson warf den Unparteiischen "Arroganz" vor.

Er sagte: "Die wollten unbedingt für die große Nation pfeifen. Wir hätten mindestens einen Punkt verdient, denn wir waren sicher nicht die schlechtere Mannschaft. Doch wir haben heute sieben gegen neun gespielt."

Sigurdsson bekannte jedoch später, als sich sein Gemüt etwas abgekühlt hatte: "Wir waren zu laut, zu emotional. Das muss ich auf meine Kappe nehmen." Schon fünf Minuten vor der Roten Karte hatte es aufgrund des wilden Gebarens von Sigurdsson eine Zeitstrafe gegen die Bank der Österreicher gegeben.

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