DSF-Experte Bob Hanning zieht nach dem schlechtesten Abschneiden eines DHB-Teams in der Sport1.de-Analyse seine Schlüsse.

Liebe Handball-Freunde,

die Europameisterschaft war ein wichtiger Baustein für den zukünftigen Erfolg dieser DHB-Auswahl. Wir sollten uns von den Ergebnissen lösen und vielmehr analysieren, was mit dieser Mannschaft möglich, und viel wichtiger, was nicht.

Ich habe in der Hinsicht ungern Recht behalten, aber ich habe vor Beginn des Turniers nichts Anderes erwartet. Das Abschneiden spiegelt das jetzige Leistungsbild der Mannschaft wider.

Ich bin der Meinung, dass der Rückraum mit Kraus, Kaufmann und Glandorf nicht funktioniert, weil es drei gleiche Spielertypen sind.

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Außerdem müssen wir in der Abwehr etwas ändern. Nicht nur am Deckungsverbund, sondern auch im System. In der Hinsicht sind wir hintendran. Die taktische Maßnahme mit der Manndeckung gegen Tschechiens Filip Jicha war schon einmal eine, aber wir benötigen sicherlich eine Alternative zu der 6:0-Deckung.

Viele Kleinigkeiten sind bei dieser EM deutlich geworden, die gilt es jetzt in Ruhe und ohne Stress aufzuarbeiten und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, damit diese in Schweden dann nicht mehr vorkommen.

Aber es zeigt auch, dass wir mit manchen Spielern Geduld haben sollten, weil es nun mal ihr erstes großes Turnier war. Andererseits sollten wir - ohne Namen zu nennen - uns überlegen, ob wir in der Zukunft auf bestimmte Spieler vertrauen sollten.

Zu ein paar Namen möchte ich mich dann doch noch äußern. Die positive Überraschung des Turniers aus deutscher Sicht war für mich Uwe Gensheimer. Er hat seine Nominierung vollauf gerechtfertigt und auch Sven-Sören Christophersen hat mir sehr gut gefallen.

Zu Michael Kraus muss ich auch ein paar Worte verlieren: Man muss in Ruhe analysieren, welche Erwartungen man an einen Spieler hat, und ob diese zu dem Typ Spieler auch passen.

Es gibt Dinge, die man hinterfragen muss. Die Frage ist, ob er als Kapitän und Führungsspieler der richtige ist. Oder ist er ohne diese beiden Aufgaben nicht viel besser einzusetzen?

Darüber muss man in Ruhe diskutieren. Da macht ein Schnellschuss jetzt keinen Sinn. Aber ich bin mir sicher, dass der Bundestrainer die richtigen Schlüsse ziehen wird, denn er hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er das kann. Er hat das vollste Vertrauen aller.

Ihr Bob Hanning

Bob Hanning, 41, nimmt während der EM bei Sport1.de kein Blatt vor den Mund. Hanning führte die Füchse Berlin als Geschäftsführer in die Handball-Bundesliga. Er war unter Heiner Brand Assistent bei der Nationalmannschaft und trainierte unter anderem den HSV in der Bundesliga. Für das DSF ist er als Co-Kommentator während der EM 2010 im Einsatz. Weitere Informationen zum Sport1.de-Experten finden Sie unter www.bob-hanning.de.

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