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Stolze Europameister (v.l.): Bosquet, Joli, Narcisse, Dinart, G. Gille © getty

Nach dem verdienten Finalsieg bei der Europameisterschaft über Kroatien nehmen die Franzosen schon das nächste Ziel ins Visier.

Von Julian Meißner

München/Wien - Thierry Omeyer konnte es auch Minuten nach dem Abpfiff noch nicht fassen.

"Das ist für die Ewigkeit. Ich habe es noch gar nicht richtig realisiert", strahlte der Torhüter des Weltmeisters, Olympiasiegers und nun auch Europameisters Frankreich: "Drei große Titel bei drei großen Turnieren ist einfach Wahnsinn."

Mit dem verdienten 25:21 (12:12) im faszinierenden Endspiel der EM über Kroatien wischten die Franzosen am Sonntag die letzten Zweifel beiseite, es könne sich bei der Auswahl von Claude Onesta nicht um die beste Handballmannschaft des Planeten handeln.

Selbst nach zwei Wochen Höchstbelastung und keinesfalls an der oberen Leistungsgrenze spielend bewiesen die Franzosen in den entscheidenden Momenten ihre Ausnahmestellung.

Kein Aufbäumen

Es klang fast ein wenig trotzig, was Vedran Zrnic sagte: "Irgendwann gewinnen wir auch mal gegen Frankreich", so der Rechtsaußen vom VfL Gummersbach, der schon im vergangenen Jahr bei der WM im eigenen Land den Franzosen im Endspiel unterlegen war.

In Wien hatte das gleichsam prächtig besetzte kroatische Team, in dem Zrnic mit sieben Treffern bester Werfer war, wenige Minuten vor Schluss gezwungenermaßen aufgegeben.

Keine Bewegung war mehr auf der Bank, keine Anfeuerung zu hören - sie wussten, dass sie gescheitert waren (198897Bilder des Spiels).

Hoher Aufwand gegen harte Deckung

Wo sich zuvor Ivano Balic, Domagoj Duvnjak und ihre Mannschaftskollegen in langen Angriffen abmühten und dabei haufenweise blaue Flecken kassierten, betrieben die Franzosen dank der überragenden individuellen Klasse von Nikola Karabatic, Daniel Narcisse oder Luc Abalo weit weniger Aufwand.

"Frankreich hat leichte Tore gemacht, da konnten wir nicht mehr mithalten", meinte Kreisläufer Igor Vori.

Und immer wenn die Kroaten nahe dem Ausgleich waren, legte die französische Dampfwalze einen Zahn zu.

Kroatien mit besserem Start

Dabei hatten die Kroaten den besseren Start erwischt. Sie lagen mit 12:9 in Führung und hatten mit Mirko Alilovic zunächst den besseren zweier bärenstarker Torhüter auf ihrer Seite.

Doch die Franzosen ließen sich überhaupt nicht beeindrucken und glichen mit einem Zwischenspurt vor der Pause kurzerhand aus.

Überhaupt hatte man den Eindruck, als müsse man die "Equipe Tricolore" nur genug anstacheln, damit sie auf Trab kommt.

Onesta: "Höheres körperliches Potenzial"

Erfolgstrainer Onesta sagte angesichts zweier Unentschieden seines Teams im Turnierverlauf: "Die EM war sehr schwierig für uns, das Level sehr hoch. Wir hatten Probleme am Anfang, haben uns aber von Match zu Match gesteigert."

Im Finale habe man gegenüber den Kroaten "das höhere körperliche Potenzial" gehabt.

Schiedsrichterleistung diskutabel

Das Team von Lino Cervar, der während des Turniers schon seinen Rücktritt erklärt hatte, um dann wieder zurückzurudern, hatte noch mit etwas anderem zu kämpfen: Es wurde in einigen Szenen von den deutschen Schiedsrichtern Bernd und Reiner Methe nicht gerade bevorteilt.

"Das ist der absolute Höhepunkt in unserer Karriere", hatten die beiden vorher unisono erklärt, das Spiel dann aber leider nicht über die volle Dauer dem Anlass angemessen geleitet.

So ging beispielsweise bei der Roten Karte für Vedran Mataija beim Stande von 18:19 (49.) aus kroatischer Sicht der falsche Mann vom Platz. Defensiv-Allstar Jakov Gojun hatte Karabatic mit voller Wucht im Gesicht getroffen.

Karabatic nicht aufzuhalten

In der folgenden Überzahl traf Frankreich dreimal in Folge und setzte sich vorentscheidend ab - vor allem, weil Karabatic sich wie in besten Kieler Zeiten immer wieder ohne Rücksicht auf Verluste in die gegnerische Abwehr warf.

Dem Welthandballer von 2007 war es auch vorbehalten, mit dem Tor zum 24:20 das Spiel vorzeitig zu entscheiden.

WM 2011 im Visier

"Die Ära der Unbesiegbaren" titelte die Online-Ausgabe von "L'Equipe" noch am späten Sonntagabend, und es sieht nicht aus, als würde sich an dieser nahezu realistischen Einschätzung in näherer Zukunft etwas ändern.

Joel Delplanque, Präsident des französischen Handball-Verbandes berichtete am Sonntagabend in Wien: "Unser Kapitän Jerome Fernandez kam eben zu mir. Es sagte: Ab morgen konzentrieren wir uns auf die Weltmeisterschaft in Schweden."

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