Dänische Achterbahn-Fahrer auf dem Gipfel
Aus Serbien berichtet Julian Meißner
Belgrad - Zwei Würfe, null Treffer. Es war nicht das Spiel von Lars Christiansen, und es war ihm völlig egal.
"Das ist einer der schönsten Tage in meiner Karriere", sagte der Kapitän der dänischen Nationalmannschaft nach dem gewonnenen EM-Finale gegen Gastgeber Serbien ( Spielbericht) freudestrahlend. ( DATENCENTER: Die EM in Serbien)
"Die Trophäe in die Höhe zu strecken, ist etwas ganz Besonderes", fügte er hinzu.
Souverän hatten die Dänen den Endspielgegner beherrscht, früh die Führung übernommen und nicht mehr aus der Hand gegeben.
"Habe keinen Moment gezweifelt"
"Ich habe heute aber zu keinem Moment daran gezweifelt, dass wir gewinnen", sagte Christiansen und kündigte eine standesgemäße Party an.
Anders Eggert, Christiansens Nachfolger auf Flensburgs linkem Flügel, wirkte nicht weniger glücklich: "Es ist ein Traum. Wir waren schon am Boden, haben uns dann aber zurück gekämpft."
Die Dänen hatten einen Katastrophenstart ins Turnier hingelegt und waren schon so gut wie abgeschrieben. Mit fünf Siegen in Folge machte das Team von Ulrik Wilbek dann aber den zweiten EM-Titel nach 2008 perfekt.
"Das war eine Achterbahnfahrt"
"Das war eine Achterbahnfahrt", sagte der Trainer und analysierte die Gründe des Finalsieges: "Ich denke, unsere Abwehr und Mikkel Hansen waren die entscheidenden Faktoren."
Ohne falsch zu liegen, hatte er dabei allerdings seinen Torhüter vergessen. Niklas Landin zeigte wie sein Gegenüber Darko Stanic eine absolute Weltklasseleistung und zog den Serben mit insgesamt 19 Paraden den Zahn. "Niklas war überragend", lobte Flensburgs Rechtsaußen Lasse Svan Hansen. ( STATISTIK: Die Besten der EM 2012)
Der Halblinke Mikkel Hansen freilich hatte eine besondere Erwähnung ebenfalls verdient. Kopenhagens Rückraumspieler war einmal mehr in der spielentscheidenden Phase der Mann, der das Heft in die Hand nahm.
Hansen schlägt spät zu
Vier seiner insgesamt neun Treffer erzielte der 24-jährige Shooter mit der langen Mähne in der Schlussviertelstunde.
Immer, wenn die Serben leise Hoffnung schöpften, landete Hansen einen seiner gefürchteten Würfe. Schon im Halbfinale gegen Spanien war der entscheidende Treffer auf sein Konto gegangen.
Eggert von Younster-Duo beeindruckt
Bereits vor dem Endspiel stand fest, dass er das EM-Allstar-Team auf der Königsposition vertreten würde - was für ihn aber keine größere Bedeutung hat, wie er beteuerte.
"Es geht nur um den Sieg der Mannschaft", sagte Hansen im Gespräch mit SPORT1. Mit der Schale in der Hand fügte er aber fast andächtig hinzu: "Es gibt nichts besseres, als ein Champion zu sein."
Eggert, mit 29 Jahren einer der Erfahreneren im Team, zeigte sich beeindruckt von Hansens und Landins Turnierleistung: "Auf ihren Schultern lastet alles. Dass zwei so junge Spieler diesem Druck standhalten, ist unglaublich. Hoffentlich spielen sie noch lange für Dänemark."
MVP Ilic stolz über Silber
Auch bei den unterlegenen Serben war die Welt weitgehend in Ordnung. "Es war nicht unser Spiel, aber ich bin stolz auf Silber", meinte Momir Ilic: "Keiner hätte erwartet, das wir soweit kommen."
Dem Kapitän, der zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählt wurde, war der Kräfteverschleiß der letzten zwei Wochen deutlich anzumerken.
"Physisch und mental leer"
Serbiens Trainer Veselin Vukovic sagte: "Nach dem harten Halbfinale gegen Kroatien waren wir physisch und mental leer. Aber wir haben ein tolles Turnier gespielt."
Selbst Zarko Sesum konnte wieder lachen. Der Rückraumspieler der Rhein-Neckar Löwen war nach dem hitzigen Halbfinale von einer Flasche am Auge getroffen worden und verpasste das Endspiel ( News).
Trotz eines dicken Verbandes über dem Auge ließ er es sich aber nicht nehmen, zumindest die Siegerehrung mitzumachen.
Nächstes Ziel Olympia
Die Siegerehrung, die Christiansen so nahe gegangen war. Für den Oldie im dänischen Team steht jetzt nur noch ein großes Ziel an: Olympia im Sommer.
Mit dem Titelgewinn von Belgrad hat die Mannschaft das Ticket nach London sicher. Christiansen muss also nicht torlos abtreten.
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