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Grit Jurack spielt seit 2004 in Dänemark für Viborg HK © imago

Die deutsche Hoffnungsträgerin ist in ihrer Wahlheimat eine Prominente. Osmann setzt auf sie - eine Auszeichnung steht bevor.

Larvik - An einer Tankstelle in Dänemark bekam Grit Jurack das Dilemma des deutschen Frauenhandballs vor Augen geführt:

Als die Rekordnationalspielerin nach einer Partie ihres Klubs Viborg HK mit dem Auto in Richtung Grenze fuhr und in ihrer Wahlheimat noch einmal tankte, erkannte sie fast jeder. Neugierige Blicke, anerkennendes Nicken, einfach ein schönes Gefühl.

Nur wenige Kilometer weiter in Deutschland taucht Jurack jedes Mal in die komplette Anonymität ab. Nicht ganz freiwillig.

"Es wäre schon schön, etwas Anerkennung zu bekommen. Ich habe ja immerhin fast 300 Länderspiele", sagt die 33 Jahre alte Rückraumspielerin, der bei der Europameisterschaft in Norwegen und Dänemark (ab 19.40 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) eine Schlüsselrolle im DHB-Team zukommt.

Erstmals als Mutter in ein Turnier

Für die zur Wahl der Welthandballerin nominierte Jurack ist es bereits die sechste EM-Teilnahme, doch die Vorzeichen sind diesmal andere.

Erstmals geht die Champions-League-Siegerin als Mutter in ein wichtiges Turnier, im Februar kam Sohn Lukas zur Welt.

Im September noch war der Filius beim World Cup im dänischen Aarhus mit Juracks Mutter Gundel im deutschen Mannschaftsquartier untergebracht.

Diesmal fehlt der Dreikäsehoch im DHB-Tross. "Lukas macht Urlaub bei der Oma in Leipzig", erzählt die stolze Mama.

"Welt bricht nach drei Fehlwürfen nicht zusammen"

Die Mutterrolle hat die 1,86 Meter große Grit Jurack verändert. Sie ist entspannter, nicht mehr so verbissen wie einst.

"Meine Welt bricht nach drei Fehlwürfen nicht zusammen. Egal, wie ein Spiel gelaufen ist, wenn Lukas mich nach dem Abpfiff anlächelt, ist alles vergessen", sagt sie.

[kaltura id="0_7cfd4fct" class="full_size" title="Deutschland verliert Auftakt"]

Der alte Ehrgeiz tritt dann aber doch noch gelegentlich zu Tage - wenn auch mit Verzögerung:

"Ich ärgere mich erst schwarz, nachdem ich meinen Sohn ins Bett gebracht habe", sagte Jurack der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Leistungsniveau wieder erreicht

Da in ihrem Klub in Viborg, bei dem die Linkshänderin seit 2004 unter Vertrag steht, gleich fünf Spielerinnen in einer Saison schwanger wurden, sind im Team des Champions-League-Siegers die Auswärtsspiele besonders beliebt.

Jurack: "Da können wir Mütter im Hotel bis acht Uhr ausschlafen." Ihr altes Leistungsniveau hat die Ex-Leipzigerin und viermalige deutsche Handballerin des Jahres fast schon wieder erreicht.

Kein Wunder, nur sechs Wochen nach der Geburt von Lukas fing Jurack schon wieder an zu joggen und zu trainieren.

Drei Wochen später führte sie Viborg ins Finale der Champions League, in dem sie wenig später gegen Oltchim Valcea/Rumänien ihren dritten Titel in der Königsklasse gewann.

Osmann setzt auf Jurack

Und der Erfolgshunger ist noch immer groß: In einer Begegnung gegen Wolgograd gelangen Jurack kürzlich 17 Tore.

Im September folgte das Comeback in der Nationalmannschaft, in deren Reihen es für Jurack bislang nur bei Weltmeisterschaften Medaillen zu feiern gab: 1997 und 2007 - jeweils Bronze.

Bundestrainer Rainer Osmann setzt jedenfalls große Hoffnungen in die "Mutter der Kompanie".

"Grit ist eine große Spielerin. Mit der Erfahrung aus ihren sportlichen Erfolgen kann sie der Mannschaft helfen", sagt der Coach.

Nominiert als Welthandballerin

Eine besondere Motivation dürfte für Jurack die Nominierung zur Welthandballerin des Jahres 2010 sein.

Neben der Deutschen stehen Bojana Popovic (Montenegro), Katrine Lunde-Haraldsen (Norwegen), Ljudmila Postnowa (Russland) und Cristina Neagu (Rumänien) zur Wahl.

Aber egal, ob Jurack sich auch noch diese Auszeichung sichert: Ein Lächeln von Lukas zählt bekanntlich mehr als jeder Titel.

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