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Frauen-Bundestrainer Rainer Osmann folgte im April 2009 audf Armin Emrich © imago

Nach dem blamablen EM-Aus fordern Liga-Funktionäre den Rücktritt des Bundestrainers. Die Kritik am Team ist vernichtend.

München - Nach dem EM-Debakel haben Vertreter der Frauenhandball-Bundesliga die Zukunft von Bundestrainer Rainer Osmann in Frage gestellt und einen weitreichenden personellen Umbruch gefordert.

Vor allem die Zusammenstellung des Kaders lässt Osmann nach dem ersten EM-Vorrundenaus überhaupt ins Kreuzfeuer der Kritik geraten.

"Ein Trainer trägt immer die Verantwortung, er steht an der Spitze. Wenn mir so etwas passieren würde, würde ich Konsequenzen ziehen. Ich für meine Person würde zurücktreten", sagt Renate Wolf, Trainerin und Managerin des Pokalsiegers Bayer Leverkusen.

Die Ex-Nationalspielerin bezeichnet den historischen K.o. als "große Katastrophe" für den Frauenhandball und mahnt zum Umdenken:

"Es muss jetzt ein Verjüngungsprozess eingeleitet werden. Personelle Veränderungen sind nötig", fordert Wolf.

Treueschwur in der Kritik

Auch Kay-Sven Hähner fordert als stellvertretender Vorsitzender der Handball-Bundesliga der Frauen (HBF) eine umfassende Aufarbeitung des desolaten EM-Auftritts.

Der Manager des HC Leipzig ist deshalb von dem frühen Treueschwur von DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier ("Es gibt keine Trainerdiskussion um Osmann") überrascht.

"Es muss alles und jeder auf den Prüfstand. Osmann muss sich hinterfragen. Die Spielerinnen waren ja Lichtjahre von ihrem Klubniveau entfernt", sagte Hähner.

"Ansammlung von Individualistinnen

Zudem müsse die Frage erlaubt sein, warum aus den Spielerinnen keine Einheit geworden sei.

"Das waren vielleicht die nominell besten Einzelspielerinnen. Aber das war keine Mannschaft", meinte Hähner, "das war eine Ansammlung von Individualistinnen."

Besonders die zur Welthandballerin nominierte Grit Jurack und Spielmacherin Nina Wörz sowie Anja Althaus enttäuschten in Norwegen.

Warnung schon im Vorfeld

Der offenbar fehlende Teamgeist und der Egoismus einzelner Spielerinnen war zumindest der Konkurrenz schon vor Monaten nicht verborgen geblieben.

Bereits beim World Cup in Dänemark im Spätsommer hatte Karl-Erik Bohn, Trainer des norwegischen Spitzenklubs Larvik HK, ein vernichtendes Urteil über die DHB-Auswahl gefällt.

"Er hat damals gesagt, wenn einigen deutschen Spielerinnen der eigene Treffer weiterhin wichtiger ist als der mannschaftliche Erfolg, dann kann dieses Team Mannschaften wie Norwegen und Dänemark nicht gefährlich werden", berichtete Hähner.

Nach seiner Meinung trifft diese Aussage "den Nagel auf den Kopf".

[kaltura id="0_59g6dh77" class="full_size" title="Debakel für DHB-Frauen"]

Osmann will offenen Diskurs

Osmann hatte am Sonntag beteuert, "keine Rücktrittsgedanken" zu hegen.

Allerdings hatte der 60 Jahre alte Eisenacher, der noch einen Vertrag bis Ende 2012 besitzt, kurz darauf angekündigt, seine Position in den nächsten Wochen überdenken zu wollen.

Osmann scheut sich nicht vor einem "offenen Diskurs" mit Liga und Verband.

Bereits im Juni beginnt die Qualifikation für die WM 2011 in Brasilien, bei der die Tickets für die Olympischen Spiele 2012 in London vergeben werden.

Unrealistische Ziele

Schleierhaft ist es wohl nicht nur Renate Wolf, warum in Reihen des WM-Siebten vor dem Turnier mit dem Gewinn einer Medaille geliebäugelt wurde: "Man muss sich doch realistische Ziele setzen, auch mal Teilziele."

Erschrocken war die frühere Weltklasse-Kreisläuferin auch darüber, dass vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen die Ukraine (23:33) die tabellarische Ausgangsspoition im Vorfeld offenbar kaum erörtert worden war.

Die deutsche Mannschaft hätte sich sogar eine Niederlage mit sieben Toren leisten können, um in die Hauptrunde einzuziehen.

Wichtige Chance vertan

Auch für die Liga ist das Scheitern der Osmann-Sieben ein herber Schlag.

"Ein Sport definiert sich nun mal über die Nationalmannschaft. Für den deutschen Frauenhandball wurde in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine Chance vertan", sagt Wolf.

Hähner wertet die TV-Liveübertragungen der deutschen Spiele im Hinblick auf das Thema Eigenwerbung als schlichtweg "kontraproduktiv".

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