"Körperliches Problem" stärker als der Wille
Von Julian Meißner
München/Innsbruck - Heiner Brand schwankte irgendwo zwischen Ernüchterung und Ratlosigkeit.
Seine Spieler hatten es mit der völlig verdienten 20:25 (9:14)-Niederlage gegen Spanien gerade verpasst, der aus deutscher Sicht bislang ziemlich verkorksten EM-Endrunde eine letzte Wendung zum Guten zu geben.
"Die Mannschaft wollte, aber es war ein körperliches Problem", sagte der Bundestrainer zur Leistung seiner überforderten Schützlinge: "Ich habe vielleicht auch gedacht, dass sie schon einen Schritt weiter wäre."
Weil sie es nicht ist, hat der DHB mit der schwachen Vorstellung gegen die Iberer nun auch das nach dem Verpassen der Halbfinals neu gesteckte Ziel, Platz fünf, aus den Augen verloren.
Anfangsphase erneut verschlafen
Stattdessen findet sich der Weltmeister von 2007 am Tabellenende der Hauptrundengruppe II wieder. In der abschließenden Partie geht es jetzt nur noch darum, die Rote Laterne irgendwie Gegner Tschechien zuzuschieben.
Die Erkenntnis des Abends ist, dass die deutschen Handballer nur in absoluter Top-Verfassung und unter günstigen Umständen mit der Weltspitze mithalten können.
"Wir haben uns in den ersten Minuten von der Härte der Spanier den Schneid abkaufen lassen", bekannte Kapitän Michael Kraus, dessen Team schnell mit 2:5 (9.) ins Hintertreffen geriet und fortan einen Rückstand hinterher rannte. In der Folge habe man es dem Gegner "zu einfach gemacht", so Kraus - Gesamturteil mangelhaft, also.
Lücken klaffen in der Abwehr
Auch Brand sah den Knackpunkt in der Anfangsphase: "Unser größtes Problem waren einfache und unnötige Gegentore in den ersten Minuten."
Doch über die gesamte Spielzeit durfte der Gegner sich die teilweise erschreckend großen Lücken in der deutschen Abwehr aussuchen. Vom Kreis, von Außen, aus dem Rückraum? Nie bekam die DHB-Auswahl die Spanier um Julen Aguinagalde (4), Tomas Victor (6) und Alberto Entrerrios (4) in den Griff.
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Todesstoß nach der Pause
Im Angriff, dem Lars Kaufmann über weite Strecken von der Bank zusah, wurde aus unmöglichen Lagen geworfen und ins Niemandsland gepasst.
Auch ein echtes Aufbäumen wie gegen die Slowenen blieb aus. Stattdessen setzte es direkt nach der Pause wie schon im Frankreich-Spiel den Todesstoß: Beim 10:17 (34.) durch Linkshänder Cristian Malmagro war die Partie entschieden, auch dank der erneut zahlreichen technischen Fehler der Deutschen.
Der Kick fehlt
"Ich habe mich sehr geärgert, aber mit ein bisschen Abstand habe ich für einiges Verständnis, weil ich weiß, dass die Mannschaft alles gibt", nahm Brand sein Team in Schutz. Der 57-Jährige erklärte: "Wenn man in die Gesichter geschaut hat, fehlte bei einigen der letzte Kick, weil sie einfach müde waren."
Die einzigen Lichtblicke an diesem trüben Abend waren Füchse-Torhüter Silvio Heinevetter, aufgrund dessen Paraden in der zweiten Halbzeit noch einmal Hoffnung für das deutsche Team aufkeimte, und Uwe Gensheimer.
Letzte Chance gegen Tschechien
Als die Partie zugunsten des Gegners entschieden war, so schien es, konnte der 23-Jährige von den Rhein-Neckar Löwen vom Druck befreit seine Klasse aufblitzen lassen.
Schnell avancierte er mit fünf Treffern und makelloser Wurfausbeute zum besten deutschen Werfer.
Ihm und seinen Teamkollegen bietet sich im abschließenden deutschen EM-Spiel gegen Tschechien am Donnerstag (16.15 Uhr LIVE) die letzte Gelegenheit, bei der Mission Europameisterschaft einen positiven Eindruck zu hinterlassen.
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