Erfolgserlebnis dringend erwünscht
Innsbruck - Das Bild hatte Symbolcharakter. Während Michael Kraus nach der 20:25 (9:14)-Niederlage der deutschen Handball-Nationalmannschaft gegen Spanien in den Katakomben der Innsbrucker Olympiahalle nach Erklärungen für die enttäuschende Vorstellung suchte, glaubten andere ein paar Meter entfernt die Gründe schon gefunden zu haben.
Mangelde Führungsqualitäten, fehlende Spielerpersönlichkeiten und ein alles in allem kopfloses Team, so die Kritik, seien Schuld am schwachen Abschneiden der DHB-Auswahl bei der EM in Österreich.
Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht dabei Kraus, der als Kapitän und Spielmacher seiner Führungsrolle in der deutschen Mannschaft nicht gerecht werden konnte.
"Ich bin selbst enttäuscht von meiner Leistung, aber ich weiß auch, dass es dafür Gründe gibt. Es gibt durch Verletzungen im Moment einfach zu viele Baustellen in meinem Körper", rechtfertigt sich der 26-Jährige.
Er weist die Kritik von außen zurück: "Darauf gebe ich nichts. Meistens kommen solche Aussagen von Leuten, die dir, wenn sie dir gegenüber stehen, auf die Schulter klopfen."
Hens als Kapitän?
Zuvor hatte sich Ex-Nationalspieler Daniel Stephan in verschiedenen Medien zu Wort gemeldet und die Kapitänsfrage offen gestellt. "Mimi hat als Handballer alle Fähigkeiten, aber nicht die, eine Mannschaft zu lenken oder zu leiten", sagte der frühere Welthandballer der "Hamburger Morgenpost".
Auch andere sehen in der internen Mannschaftshierarchie offenbar Handlungsbedarf. So bringt der ehemalige Handballstar Stefan Kretzschmar den derzeit verletzten Pascal "Pommes" Hens vom HSV Hamburg ins Gespräch: "Pommes könnte die Kapitänsrolle ausüben."
Bitter: "Kapitänsbinde eine Bürde"
Auch innerhalb des aktuellen Teams mehren sich offenbar die Stimmen, Kraus könnte mit der herausgehobenen Position überfordert sein.
"Die Kapitänsrolle ist für Mimi derzeit eher eine Bürde", erklärt Torhüter Johannes Bitter (Hamburg).
Dagegen stärkt Bundestrainer Heiner Brand seinem Mittelmann weiterhin den Rücken: "Er hat mein volles Vertrauen. Die Mannschaft ist trotz einiger Defizite ein funktionierendes Gebilde", so der Coach.
DHB-Team gegen Tschechien auf dem Prüfstand
Dennoch will der 57-Jährige sein Team nach dem letzten EM-Spiel am Donnerstag (16.15 Uhr LIVE) gegen Tschechien auf den Prüfstand stellen.
"Ich sehe zwar, dass die Mannschaft begeisterungsfähig und lernwillig ist, aber das heißt nicht, dass irgendjemand einen Freibrief erhält. Der Konkurrenzkampf wird auf einigen Positionen nach der EM wieder aufflammen."
"In die Rolle hineinwachsen"
Kraus ist bereit, sich dem zu stellen. "Der Trainer hat die Kapitänsbinde ja auch mit Blick auf die Zukunft vergeben. Mir ist klar, dass ich weiter in die Rolle hineinwachsen muss. Aber dazu bin ich bereit, und dafür werde ich alles tun", sagt der Lemgoer.
Schon im abschließenden Spiel gegen die Tschechen will er damit beginnen: "Es wäre für die nächsten Herausforderungen einfach gut, mit einem Erfolgserlebnis aus dem Turnier zu gehen."
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