"Nicht weit weg von den Besten"
Von Julian Meißner
Innsbruck - Die Suche nach Gewinnern im deutschen EM-Team gestaltet sich nicht sonderlich ergiebig.
Einer jedoch ist definitiv dabei: Uwe Gensheimer.
Der 23-jährige Linksaußen von den Rhein-Neckar Löwen verdrängte in letzter Minute Weltmeister Dominik Klein aus dem Kader und überzeugte bei seinen - wenn auch kurzen - Auftritten in Österreich.
In 1:42:01 Stunden Spielzeit kam der Mannheimer auf zwölf Tore bei 17 Versuchen und damit auf die gleiche Erfolgsquote wie Hamburgs Routinier Torsten Jansen (71 Prozent).
Im Interview der Woche mit Sport1.de spricht Gensheimer über sein erstes großes Turnier, die Leiden eines Linksaußen und die anstehenden Aufgaben in Pokal und Liga.
Sport1.de: Herr Gensheimer, sie wurden im letzten EM-Spiel gegen Tschechien zum "Man of the Match" gekürt. Ein kleiner Trost?
Uwe Gensheimer: Natürlich freue ich mich darüber, dass meine persönliche Leistung anerkannt wird. Ich wollte im letzten Spiel noch einmal zeigen, dass ich zu Recht hier bei der EM bin und zur Nationalmannschaft dazugehöre. Gerade, weil es mein erstes Turnier ist. Ein Sieg wäre aber natürlich mehr wert gewesen.
Sport1.de: Hat die Mannschaft mit dem Unentschieden den erhofften versöhnlichen Abschluss geschafft?
Gensheimer: Einigermaßen, würde ich sagen. Wir wollten uns natürlich mit einem Sieg verabschieden. Wichtig war, dass wir eine bessere Leistung als gegen die Spanier gezeigt haben. Das war meiner Meinung nach ein Rückschritt.
Sport1.de: Inwiefern?
Gensheimer: Zuvor hatten wir uns immer wieder gesteigert und bessere Leistungen abgerufen. Wenn man sich die Ergebnisse anschaut, sind wir nicht so weit weg von den besten Mannschaften der Welt wie Frankreich oder Polen. Diese Teams sind seit langen Jahren eingespielt, das sind wir nicht. Aber wir sind auf dem richtigen Weg. Deswegen bin ich für die Zukunft auch guten Mutes.
Sport1.de: Dem deutschen Team hat vor allem die Konstanz gefehlt. Woran liegt das?
Gensheimer: Wir mussten oft viel investieren, haben uns mit Kampf und Emotionen zurück ins Spiel gebracht. Dann ist es schwierig, den Schalter umzulegen und den ruhigen Ball zu spielen, wenn man auf ein, zwei Tore dran ist. So entstehen individuelle Fehler. Das sind Dinge, die wir lernen müssen.
Sport1.de: Der Lerneffekt ist dem Bundestrainer bei dieser jungen Mannschaft besonders wichtig. Wie haben Sie sich als Neuling im Team zurechtgefunden?
Gensheimer: Die Aufregung der ersten Tage hat sich relativ schnell gelegt. Für mich war es sportlich gesehen etwas schwierig, ins Turnier zu kommen. Ich hatte am Anfang immer nur Einsatzzeiten von fünf Minuten, das war natürlich auch abzusehen. Toto Jansen hat gute Leistungen gezeigt. Deswegen war es nicht unbedingt notwendig, mich zu bringen. Da bin ich auch nicht böse.
Sport1.de: Aber Sie erhoffen sich mehr.
Gensheimer: Natürlich hoffe ich, dass ich in Zukunft mehr Spielminuten bekomme, wenn die Leistung stimmt. Deswegen habe ich mich gefreut, dass es in den letzten beiden Partien noch einmal ganz gut geklappt hat.
Sport1.de: Also fällt ihr persönliches Fazit des Turniers positiv aus?
Gensheimer: Sagen wir es so: Ich habe mich gefreut, endlich auf der großen Bühne dabei zu sein. Auch wenn ich mit Jugend- und Juniorennationalmannschaften schon viele Turniere erlebt habe. Ich habe die Atmosphäre hier richtig aufgesaugt und hoffe, dass es nicht das letzte Mal war.
Sport1.de: Der deutsche Spielaufbau wurde viel kritisiert. Ist es manchmal nicht frustrierend, wenn man als Außen an die Linie gefesselt ist und einfach keine Bälle bekommt?
Gensheimer: Ein wenig schon. Aber da habe ich nun mal keinen großen Einfluss drauf. Wir müssen das weiter trainieren und verbessern. Man sieht ja bei anderen Teams, wie es funktionieren kann. Mehr Spiel über die Außen würde uns sicher weniger ausrechenbar machen. Wenn zu viel über den Rückraum geht, ist das für die gegnerische Deckung natürlich einfacher.
Heimpleite! Meistertitel für Kiel futsch?
Sport1.de: Wie geht es jetzt für Sie weiter - ist etwas Erholung drin?
Gensheimer (lacht): Also von Urlaub kann keine Rede sein. Anfang nächster Woche starten wir mit dem Mannschaftstraining bei den Löwen. Am 7. Februar spielen wir schließlich im Pokal in Göppingen.
Sport1.de: Die Löwen waren in den letzten Jahren immer Stammgast beim Final Four in Hamburg. Wie sieht es dieses Jahr aus?
Gensheimer: Wir waren zwar immer dabei, haben es aber noch nie geschafft, das Ding zu holen. Schon allein der überragenden Stimmung wegen ist das Final Four etwas Besonderes. Auch unsere Fans freuen sich sehr darauf. Dieses Jahr wollen wir natürlich wieder dabei sein. Schauen wir mal, wie es im Halbfinale aussieht - irgendwann wollen wir einmal die Hand am Pott haben.
Sport1.de: Zum Auftakt in der Bundesliga kommt der THW Kiel nach Mannheim…
Gensheimer: Zuhause sind wir nur schwer zu schlagen. Wir gehen optimistisch ins Spiel und wollen die Punkte natürlich bei uns behalten.
Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!
Zurück zur Startseite