Den Anschluss verloren
Platz zehn, nur ein Sieg aus sechs Spielen - schon rein zahlenmäßig kann Heiner Brand mit der Bilanz der EM in Österreich nicht zufrieden sein.
Doch frappierender als die nackten Ergebnisse war die Qualität der Vorstellungen des deutschen Teams. Nur selten kam die DHB-Auswahl in den Bereich ihrer Leistungsgrenze.
Genau das wäre jedoch dauerhaft nötig gewesen, um der Weltspitze Paroli bieten zu können. Brand musste zugeben, dass er erwarte habe, seine Mannschaft sei schon weiter.
Wenn nun die Diskussion um die Einsatzzeiten deutscher Spieler in der Bundesliga neu entflammt, ist das richtig.
Die Leistungsträger der Nationalmannschaft spielen zwar alle regelmäßig in ihren Vereinen. Doch die Liga-Platzhirsche Kiel und Hamburg sind auf den Schlüsselpositionen fast ausschließlich mit Ausländern besetzt - Pascal Hens fehlte bekanntlich.
Die Rückraumachse, das Herz des im deutschen Falle lahmenden Angriffs, kommt von den Klubs der zweiten Garde: Lemgo, Göppingen, Rhein-Neckar Löwen.
Lars Kaufmann, in der Liga in Höchstform, blieb den Beweis seiner Tauglichkeit auf internationalem Top-Level schuldig. Holger Glandorf hat die nötigen Fähigkeiten, konnte sie aber nur punktuell abrufen. (Noch-)Kapitän Michael Kraus war als Führungskraft hoffnungslos überfordert.
Noch schlimmer sieht es bei der zweiten Reihe aus: Michael Müller bekommt bei den Löwen hinter dem Weltstar Olafur Stefansson nicht die nötige Spielpraxis. Sven-Sören Christophersen von der HSG Wetzlar mag ein guter Bundesliga-Spieler sein, aber andere Nationen bieten auf der Königsposition eben Kaliber wie Nikola Karabatic, Filip Jicha oder Karol Bielecki auf.
Fest steht: Der Weltmeister von 2007 hat den Anschluss an die Weltspitze verloren. Es liegt nun an Brand, die nötigen Maßnahmen zu ergreifen, damit sich dies in Hinblick auf die kommenden Großereignisse - WM in Schweden 2011 und Olympia in London 2012 - ändert.
Doch auch die HBL sollte ihre Lehren aus dem Gesehenen ziehen. Denn wie einst die Triumphe des Aushängeschildes Nationalmannschaft strahlt nun der Misserfolg auf die Liga ab.
Und man kann Brand wahrlich nicht vorwerfen, er habe nicht die besten Spieler nominiert. Die Besten waren einfach nicht gut genug.
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