Bitter: "Nicht jeder hat alles gegeben"
Innsbruck - Torwart Johannes Bitter ist nach dem enttäuschenden zehnten Platz der deutschen Handballer bei der Europameisterschaft in Österreich hart mit seinen Nationalmannschaftskollegen ins Gericht gegangen.
"Ich hatte bei dieser EM nicht das Gefühl, dass jeder alles gibt, wirklich alles versucht, um weiterzukommen", sagte er der "Hamburger Morgenpost".
Einige seien nach Niederlagen viel zu schnell zur Tagesordnung übergegangen und hätten Konzentration und Fokussierung vermissen lassen.
Ähnlich hatte sich der Hamburger bereits nach dem Vorrunden-Aus bei den Olympischen Spielen in Peking geäußert.
Mangelnde Erfahrung keine Ausrede
Laut Bitter, einer der wenigen Lichtblicke im deutschen Team bei der Europameisterschaft, fehle es einigen Mitspielern an "grundlegenden Dingen".
Bitter: "Da sind teilweise Dinge passiert, die einem Nationalspieler nicht passieren dürfen. Das hat nichts mit mangelnder Erfahrung zu tun."
Führungsspieler fehlen
Zum gleichen Schluss kommt der frühere Nationalspieler Stefan Kretzschmar. Die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) müsse "spielerisch das Grundlegende neu erlernen. Die elementarsten Sachen sind dieser Mannschaft abhanden gekommen", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".
Er habe ein Angriffsspiel gesehen, das überhaupt nicht funktioniert hat. Zwar habe die aktuelle deutsche Mannschaft Talent, "aber den Rest muss sie sich antrainieren".
Zudem fehle es dem Team an Führungsspielern wie zu seiner Zeit Christian Schwarzer, Markus Baur oder Daniel Stephan. "Unsere Mannschaft hat angefangen, sich selbst zu übernehmen und selbst zu regulieren", berichtet Kretzschmar aus Zeiten der "Goldenen Generation".
Brand ist nun gefragt
Heute fehle es an Anführern. Kretzschmar: "Jeder vergräbt sich ein bisschen und kocht sein eigenes Süppchen." Der nominelle Kapitän Michael Kraus sei zwar "der vielleicht talentierteste Spieler der Welt", aber er habe das Spiel noch nicht so ganz verstanden und stehe sich teilweise selbst im Weg.
Um das Führungsvakuum auszufüllen, sei nun vor allem Heiner Brand gefragt. "Das spürt er ganz genau", sagte Kretzschmar.
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