DHB-Team gelingt erfolgreiche PR-Tour
Chicago - Die deutsche Nationalmannschaft hat ihre ungewöhnliche Pionierarbeit im Land der unbegrenzten Möglichkeiten mit einem Erfolg begonnen.
Im Rahmen einer Promotiontour in Chicago besiegte das Team von Bundestrainer Heiner Brand die polnische Auswahl mit 27:26 (15:11).
Vor 6000 Zuschauern war der Lemgoer Michael Kraus mit fünf Toren der beste deutscher Werfer in der "Battle of Chicago".
Die Euphorie bei den Organisatoren kannte nach der Neuauflage des WM-Finals von 2007 kaum Grenzen.
Wegweisendes Spiel
"Wir haben viel erreicht. Das Spiel war wegweisend", sagte Ralf Uhding. Das Aufsichtsratsmitglied der Handball-Bundesliga (HBL) sieht die Aktion gar als Startschuss für die "größte Revolution im US-Sport seit Jahrzehnten".
Ganz so weit mochte Brand nicht gehen. "Der Anfang ist gemacht. Es ist auf jeden Fall eine Chance", sagte der Gummersbacher mit Blick auf die Zukunftsaussichten seiner Sportart in den USA.
Die Begegnung war als erstes Handballspiel seit den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta live im US-Fernsehen übertragen worden.
Kritik aus Kiel
Mit dem Promotionsspiel, das auf Wunsch der HBL und in Zusammenarbeit mit dem US-Verband stattfand, soll der Handball im Land der Football- und Baseball-Heroen populärer gemacht werden.
Allerdings hatten etliche Bundesligaklubs wie der deutsche Meister THW Kiel den Zeitpunkt der Reise mitten in der Sommerpause harsch kritisiert.
Welthandballer bleibt skeptisch
Auch die polnischen Nationalspieler waren wenig begeistert und zeigten sich bezüglich der Auswirkungen skeptisch.
"Ich glaube nicht, dass es dem US-Handball etwas bringt. Man braucht mehr als ein Spiel und sehr viel Zeit und Geduld, um hier etwas zu bewegen", meinte Welthandballer Slawomir Szmal von den Rhein-Neckar Löwen.
Turnier mit vier Teams 2011 geplant
Der "Battle of Chicago", so das offizielle Motto, soll im nächsten Jahr ein Turnier mit vier Nationalmannschaften folgen.
Zudem hofft der deutsche US-Verbandsboss Horst-Dieter Esch, demnächst einen hauptamtlichen europäischen Auswahltrainer präsentieren zu können.
Randsportart Handball
Derzeit spielen in den USA rund 2500 Personen regelmäßig Handball. Knapp 50 Klubs und 120 Spielgemeinschaften sind offiziell beim Verband gemeldet.
Finanziert wird dieser zur Hälfte durch den Modelagentur-Besitzer Esch. Die restlichen 500.000 Dollar pro Jahr bringen das Nationale Olympische Komitee sowie Sponsoren auf.
HBL will auf amerikanischen Markt
Die Motivation der HBL ist es, den lukrativen amerikanischen Sportmarkt zu erobern und im besten Fall sogar Fernseh- und Lizenzrechte dorthin zu verkaufen. Seit Anfang 2009 gibt es eine Kooperation zwischen der HBL und dem US-Verband. (Handball im SPORT1-Shop).
Diese umfasst einen kontinuierlichen Transfer von "Know-how" in Bereichen wie Marketing und Marken-Kommunikation, Organisation sowie die Ausbildung von Trainern, Schiedsrichtern und Nachwuchsspielern.
DHB-Team frischer
Die deutschen Spieler, die zum Teil aus ihren Urlaubsorten direkt nach Chicago gereist waren, wirkten gegen die mit neun Bundesliga-Legionären angetretenen Polen etwas frischer.
Beim 21:14 in der 42. Minute schien schon eine Vorentscheidung gefallen. Doch das polnische Team kämpfte sich bis sechs Minuten vor dem Ende noch einmal heran (23:25).
Bundestrainer Brand nutzte das Spiel bereits, um seine Mannschaft langsam auf die WM 2011 in Schweden (13. bis 30. Januar) vorzubereiten.
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