Haben unseren Trumpf aus der Hand gegeben
Liebe Handball-Freunde,
das war der Super-GAU.
Ich bin vor dem Turnier dafür kritisiert worden, dass ich einen Umbruch gefordert habe und dass wir selbst ein Verpassen der Olympischen Spiele in Betracht ziehen müssten, wenn es der Sache dient.
Jetzt ist das Turnier vorbei und ich könnte sagen: Seht ihr, ich habe Recht gehabt. Doch ich sage stattdessen ganz bewusst: Ich habe mich ein Stück weit geirrt.
Von der kämpferischen Einstellung und der Bereitschaft, Handball zu spielen, muss man der Mannschaft ein großes Kompliment machen.
Unabhängig davon, dass es viele kritische Ansätze gab, die man auch analysieren muss, war das Ausscheiden einer der bittersten Tage.
Ich sage es ganz offen, ich denke, wir sind in der Schlussphase gegen Polen bei den Zeitstrafen benachteiligt worden. Da wurden in einigen Situationen mit zweierlei Maß gemessen.
Wir haben es allerdings auch nicht geschafft, die nötige Beinarbeit und Grundaggressivität zu zeigen, um diese schlagbaren Polen zu besiegen.
Auf der Torhüterposition hatten wir ein klares Plus, leider haben Silvio Heinevetter und Carsten Lichtlein allerdings nicht ihre Weltklasseform der ersten fünf Spiele bestätigen können.
Sowas kann passieren und soll auch gar kein Vorwurf sein. Somit ist dann das Torhüterduell mit den Polen nur unentschieden ausgegangen und wir haben unseren größten Trumpf aus der Hand gegeben.
Ansonsten hatten wir über den Rückraum zu wenig Durchschlagskraft und haben es nicht geschafft, die Manndeckung gegen Holger Glandorf zu lösen. Das hätte zum Beispiel durch Hinterlaufen von Christoph Theuerkauf passieren können. In der Abwehr haben wir dafür zu viele Tore über Außen kassiert.
Dennoch: Martin Heuberger hat es geschafft, ein sehr emotionales Team zusammenzustellen. Er wird jetzt Zeit haben, um gut zu überlegen, wie es weiter geht.
Der deutsche Handball ist da, wo er von Heiner Brand 1997 übernommen wurde. Damals durfte ich ja die ersten Jahre aktiv als Co-Trainer an der Entwicklung mitarbeiten.
Ich sage, der Handball hat große Perspektiven, weil wir heute viel weiter sind, als wir es damals waren.
Jetzt gilt es, das Turnier brutal zu analysieren und gemeinsam mit dem DHB, der Toyota HBL und den Landesverbänden konstruktiv den Olympia-Sieg 2016 anzugehen.
Bis zum nächsten Mal,
Ihr Bob Hanning
Bob Hanning, 43, nimmt während der EM bei SPORT1 kein Blatt vor den Mund. Hanning führte die Füchse Berlin als Geschäftsführer in die Handball-Bundesliga. Er war unter Heiner Brand Assistent bei der Nationalmannschaft und trainierte unter anderem den HSV in der Bundesliga. Für SPORT1 ist er als Co-Kommentator während der EM 2012 im Einsatz. Weitere Informationen zum SPORT1-Experten finden Sie unter www.bob-hanning.de.
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