Heinevetter fordert Rücktritt des DHB-Präsidenten
München - Silvio Heinevetter bläst erneut zur Attacke gegen Ulrich Strombach.
Nach dem folgenschweren Aus bei der Europameisterschaft in Serbien fordert der Nationaltorhüter nun sogar offen den Rücktritt des Präsidenten des Deutschen Handball-Bundes.
"Es gibt andere Leute, die das besser können, weil sie mehr Ausstrahlung und Charisma haben", sagte Heinevetter der "Bild" und der "Berliner Morgenpost" und ergänzte: "Ich stehe zu dem, was ich sage und hoffe, dass ich den Stein ein bisschen ins Rollen gebracht habe. Ich werde mich nicht entschuldigen."
Bredemeier glaubt nicht an Rücktritt
DHB-"Vize" Horst Bredemeier nahm den neuerlichen Verbalangriff des Weltklassekeepers gelassen und appellierte an die Vernunft der Beteiligten: "Ich hoffe und glaube, dass sie Manns genug sind, die Angelegenheit am Wochenende in Leipzig unter vier Augen zu klären."
Mit einem Schneeballeffekt und womöglich einem Ende der Amtszeit von Strombach rechnet Bredemeier nicht: "Das kann ich mir nicht vorstellen."
Heinevetter, Keeper der Füchse Berlin, hatte Strombach bereits vor dem Abflug aus Belgrad verbal angegriffen ("Ahnung vom Handball hat der nicht, wenn wir ganz ehrlich sind"), nachdem die deutsche Mannschaft mit der Niederlage gegen Polen (32:33) im letzten Hauptrundenspiel die noch mögliche Qualifikation für die Olympischen Spiele in London verspielt hatte.
Strombach äußert sich nicht
Strombach hatte Heinevetters erste Kritik als "spontane Aussagen eines jungen, unerfahrenen Spielers" abgetan und noch nicht einmal eine Entschuldigung verlangt ( Strombach sieht "Heines" Kritik gelassen).
Nach den neuerlichen Angriffen auf seine Person dürfte der 68-jährige nun wohl nicht mehr so generös sein. Für eine Stellungnahme war der Chef des größten Handball-Verbandes der Welt am Mittwoch nicht zu erreichen.
"Wenn die Leute in den entscheidenden Positionen über Jahrzehnte so zusammensitzen und sich vor niemandem rechtfertigen müssen, dann ist das echt ein geiler und sicherer Job", lautete eine weitere kühne Aussage von Heinevetter.
Gelder der Spieler gestrichen
Der Thüringer prangert vor allem die verheerenden Zustände innerhalb des Verbandes an. "Es ging doch schon vor dem Turnier los. Ohne dass die Spieler etwas erfahren haben, wurden unsere Tagesgelder gestrichen. Und da geht es nicht um die Kohle, sondern um das Signal", so Heinevetter.
Und einmal in Wallung, wütete der Füchse-Star weiter gegen den DHB: "Die Wahrheit ist, dass sich selbst nach dem Turnier keiner um uns Spieler gekümmert hat. Kein Offizieller hat sich blicken lassen. Mit einem wie Strombach wird das auch nicht passieren."
Heinevetter fordert nach dem Olympia-Aus endlich ein Umdenken im Verband. "Genau jetzt, nach so einer EM muss etwas passieren", sagte der Nationalspieler und hofft auf personelle und strukturelle Veränderungen.
Unterstützung von Roggisch
Angst, dass seine Verbal-Attacken Konsequenzen haben könnten, hat der 27-jährige nicht. "Ich habe für meine Äußerungen sehr viel Zuspruch und Respektsbekundungen bekommen, nicht nur aus der Mannschaft. Es muss ja einen geben, der so eine Kritik auch mal öffentlich vorbringt", so Heinevetter.
So hatte er von Nationalmannschaftsroutinier Oliver Roggisch Unterstützung erhalten, der ebenfalls dünnhäutig auf Strombachs Aussage nach dem Serbien-Spiel - "Der Titelgewinn ist möglich" - reagiert hatte.
"Wenn er das wirklich so gesagt hat, spricht das voll gegen die Einstellung der Mannschaft. Unser Ziel ist die Olympia-Quali, und das sollte er auch mitbekommen haben", hatte Roggisch bei SPORT1 klar gestellt. "Gewissermaßen gehört er ja auch zu unserem Team und sollte auch unsere Ziele mit verfolgen und nicht irgendwelche Alleingänge machen."
Hanning hält sich raus
Rückdeckung erhält die deutsche Nummer eins auch von Füchse-Manager Bob Hanning. "Silvio ist sehr feinfühlig, es muss etwas vorgefallen sein, das ihn zu diesen Aussagen veranlasst hat. Ich denke, beide sollten sich mal unterhalten", sagte Hanning.
Der Manager machte auch deutlich, dass man Heinevetter keinen Maulkorb verpassen werde. "Für mich ist das ein Thema der Nationalmannschaft. Solange mich niemand drum bittet, werde ich von meiner Seite aus nichts machen."
Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!
Zurück zur Startseite