Heinevetter-Attacken spalten DHB-Lager
Leipzig/München - Die Kritik von Nationalmannschafts-Torhüter Silvio Heinevetter an DHB-Präsident Ulrich Strombach schlägt weiter hohe Wellen.
Am Rande des All Star Games in Leipzig stellte sich Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar auf die Seite von Heinevetter.
"Die Kritik ist berechtigt", sagte Kretzschmar bei SPORT1. Allerdings betonte er: "Ob sich ein Silvio Heinevetter hinstellen kann und den Rücktritt eines Präsidenten fordern kann, das ist eine andere Sache."
In der Sache liege "Heine" jedoch nicht daneben. "Wir reden immer von Umbruch und Verjüngung der Mannschaft, aber wir sprechen im Prinzip nicht darüber, dass die Verantwortlichen in vorderster Front ebenfalls einen Verjüngungsprozess mit sich lassen machen müssen", sagte Kretzschmar.
Brand pro Strombach
Der ehemalige Bundestrainer Heiner Brand ist allerdings völlig anderer Meinung.
"Es steht ihm nicht zu, so über den Präsidenten zu urteilen", sagte er am Rande des "Ball des Sports" in Wiesbaden über die Verbalattacken des 27-jährigen Heinevetter.
Brand stellte sich hinter Strombach und forderte vom DHB-Keeper mehr Respekt und Selbstreflexion: "Er hat schon zehn Jahre vor Heinevetters Geburt Spitzenspiele gesehen. Vor Kritik kommt immer Selbstkritik."
Heuberger und Roggisch uneins
Bundestrainer Martin Heuberger schlägt in die gleiche Kerbe. Im Rahmen des All Star Games rief er zur Räson auf.
"Ein Spieler sollte sich auf das Sportliche konzentrieren. Nebenkriegsschauplätze können wir nicht gebrauchen, das bringt uns nicht weiter", mahnte er bei SPORT1.
Oliver Roggisch, der beim All Star Game als Kapitän des DHB-Teams auflief, zeigte dagegen Verständnis für die deutlichen Worte seines Mannschaftskollegen.
"Silvio hat formuliert, was in der Mannschaft drin steckt. Manchmal tut er dies etwas direkter als andere. Silvio ist manchmal sehr extrem. Aber die Kritik, so wie er sie formuliert hat, ist richtig", schlug er sich bei SPORT1 auf die Seite des Torhüters.
Heinevetter sieht sich bestätigt
Heinevetter selbst zeigte sich überrascht, keinerlei negative Kritik auf seine deutlichen Worte bekommen zu haben, was er als Zeichen deutete: "Ich habe keinen Gegenwind bekommen. Von gar keinem. Das ist extrem merkwürdig und auch traurig. Aber vielleicht war das ein Eingeständnis", erklärte er bei SPORT1.
Für die Zukunft hofft er, "dass man eine Lösung des Problems findet." ( EXKLUSIV: Heinevetter erläutert Attacke)
Heinevetter hatte nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der EM in Serbien und der dadurch verpassten Chance zur Olympia-Qualifikation indirekt den Rücktritt des DHB-Präsidenten gefordert.
Kretzschmar nennt Alternativen
Die Amtszeit des Gummersbachers Strombach endet 2013, und Kretzschmar hat sich schon Gedanken über einen passenden Nachfolger gemacht.
"Heiner Brand wäre so ein Gesicht für den deutschen Handball", sagte "Kretzsche": "Aber auch Bob Hanning, der 24 Stunden für den Handball da ist. Solche Leute brauchen wir im Zuge der Professionalisierung. Und da ist noch ein Andreas Thiel. Der ist unkorrumpierbar, was ja nicht unwichtig ist."
Hanning fordert Professionalisierung
Hanning, Manager der Füchse Berlin, forderte seinerseits in einem Thesen- und Positionspapier gravierende strukturelle Änderungen im DHB.
Heinevetter will DHB-Boss entmachten
"Die Strukturen des DHB müssen professionalisiert werden. Der Verband muss nach innen und nach außen ein modernes Profil erhalten", lautet eine Aussage von Hanning.
Der Vize-Präsident der Toyota HBL hofft vor allem auf personelle Weichenstellungen.
"Innerhalb des DHB müssen kompetente Personen die Verantwortung übernehmen. Die Umsetzung muss in der laufenden Legislaturperiode erfolgen", so Hanning.
Zu Diskussion um Strombach meinte der 43-jährige: "Präsident Strombach hat beim letzten Bundestag seine Bereitschaft für eine verkürzte Legislaturperiode bis 2013 erklärt. Die Suche nach einem Nachfolger muss harmonisch und gemeinsam mit den Landesverbänden erfolgen."
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