Brand: Beim DFB wäre das nicht toleriert worden
München - Die Kritik nimmt kein Ende:
Seit der EM in Serbien, als Nationalmannschaftstorhüter Silvio Heinevetter zum ersten Mal über den Verband und DHB-Präsident Ulrich Strombach geklagt hatte, scheint es im deutschen Handball kaum ein anderes Thema zu geben ( EXKLUSIV: Heinevetter erläutert Attacke).
Und die Diskussionen reißen nicht ab ( DHB-Debatte: Heuberger fordert mehr Sachlichkeit).
Allerdings nur die Diskussionen. Denn Maßnahmen blieben bisher aus. Sehr zur Verwunderung des ehemaligen Bundestrainer Heiner Brand ( BERICHT: Von Behren: DHB gibt "erbärmliches Bild" ab).
Den Weltmeister-Trainer von 2007 überrascht, dass Heinevetter mit seinen Äußerungen ungeschoren davonkommt. "Das sind Äußerungen, die nicht zu tolerieren sind", sagt Brand im SPORT1-Interview.
"Ich kann mir einen solchen Vorgang zum Beispiel beim DFB nicht vorstellen. Da wäre sicher mit einer drastischen Maßnahme gegen vorgegangen worden."
Bei SPORT1 spricht Heiner Brand über
• die Kritik von Silvio Heinevetter an DHB-Präsident Ulrich Strombach:
"Ich fasse das nicht als Kritik auf, was Silvio gesagt hat. Das sind einfach Äußerungen, die nicht zu tolerieren sind. Vielleicht müsste man sich äußern, denn ich kann mir einen solchen Vorgang zum Beispiel beim DFB nicht vorstellen. Da wäre sicher mit einer drastischen Maßnahme gegen vorgegangen worden.
Die erste Reaktion von Uli Strombach war sicher korrekt, dem nicht so viel beizumessen. Auf die zweite hätte man vielleicht reagieren müssen, wobei ich nicht meine, dass das inhaltlich notwendig ist. Inhaltlich war sowieso nichts dahinter. Aber es geht eben nicht, dass ein Spieler so wenig Respekt vor einem Präsidenten zeigt."
• DHB-Präsident Ulrich Strombach:
"Der Präsident ist im September auf zwei weitere Jahre gewählt worden und danach wird ein neuer Präsident kommen. Die Verhältnisse sind klar geregelt. Dem Präsidenten die Schuld am Abschneiden bei der EM zu geben, halte ich für lächerlich.
Das müssen alle mal kapieren: Dass es nicht um eigene Interessen geht. Es geht nicht nur um die Nationalmannschaft, es geht nicht nur um die Bundesliga, sondern es geht um die Sportart Handball - die eine tolle Sportart ist und die nach vorne gebracht werden muss!"
• die Kritik von SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar:
"Das ist Freund Kretzsche - mit ihm werde ich sicher auch noch sprechen und ihm ein paar Dinge erklären.
Er ist sicher Handball-Fachmann und ein sehr guter Co-Kommentator und wir haben ein sehr gutes Verhältnis.
Ich habe damit nicht angefangen ( BERICHT: "Stinkstiefel ist wenig konstruktiv").
Ich bin derjenige gewesen, der nach der EM immer wieder darauf hingewiesen hat, dass die Kooperation mit der Liga inzwischen wesentlich besser ist und man begonnen hat, besser zusammenzuarbeiten. Ich habe keinerlei Schuldzuweisungen gemacht. Dann sind von anderer Seite Angriffe gegen den DHB gekommen."
• die angestrebten Veränderungen des DHB:
"Wir sind seit dem vergangenen Jahr dabei, zu kooperieren. Wir haben Veränderungen in Gang gesetzt, die die Nationalmannschaft betreffen - unter anderem ist ein neuer Bundestrainer gekommen. In einem Verband Strukturen zu ändern, ist nicht so einfach. Da sind Dinge am Laufen, die andere gar nicht wissen oder die sie negiert haben. Wenn wir darüber sprechen, sprechen wir intern und nicht in den Medien."
• das Positionspapier von Bob Hanning:
"Da kann ein Positionspapier von Bob (Bob Hanning, Anm. d. Red.) kommen - er kann aber mit mir zu jeder Tages- und Nachtzeit reden. Wir sind uns ja in vielen Dingen einig ( BERICHT: Brand watscht Heinevetter und Hanning ab).
Bob hat sicherlich ein Recht, Dinge zu äußern, weil er jemand ist, dessen Herz am Handball hängt und der gute Ideen hat. Man muss nur diese Dinge nicht nach außen tragen und auf einmal Forderungen an den DHB stellen, wo man weiß, dass einige Dinge angeleiert sind."