"Die Mannschaft lebt" - Wehmut bleibt
München/Danzig - Martin Heuberger hat derzeit viel Grund zur Freude.
Im Länderspiel gegen Polen feierte die Auswahl des Deutschen Handballbundes den zweiten Sieg im zweiten Spiel nach der folgenschweren EM in Serbien - die Schockstarre nach dem Olympia-Aus löst sich allmählich.
"Die Mannschaft lebt, hat mit Herz und Leidenschaft gespielt. Das war der Schlüssel zum Erfolg", sagte Heuberger nach dem 28:26 (15:15) ( BERICHT: DHB-Team setzt Aufwärtstrend fort).
Für die deutsche Mannschaft war der Überraschungserfolg gegen Polen am Dienstagabend in Danzig nicht nur irgendein Sieg.
Es war ein prestigeträchtiger Erfolg gegen jenes Team, das Deutschland den Weg zu den Sommerspielen in London verbaut hatte.
"Heine" versus Strombach
Bei der EM im Januar in Serbien hatte Deutschland das entscheidende Hauptrundenspiel gegen die polnische Auswahl mit 32:33 verloren - nicht nur das Halbfinale, auch Olympia war passe.
Anschließend folgte der große Rundumschlag mit öffentlichen Scharmützeln und Schuldzuweisungen zwischen Verband und Liga, Silvio Heinevetter forderte sogar den Rücktritt von DHB-Präsident Ulrich Strombach.
Drei Debütanten im Team
Zwei Monate später scheinen Deutschlands Handballer konstant den Weg der Besserung eingeschlagen zu haben, auch weil Heuberger unbeirrt seine Arbeit macht.
Im ersten Länderspiel nach der EM nutzte der 47 Jahre alte Schutterwälder das Island-Spiel (33:22) für Experimente, nominierte in Johannes Sellin, Maximilian Holst und Hendrik Pekeler drei Debütanten.
Heuberger setzt seinen Plan, jungen Spielern eine Chance zu geben, konsequent in die Tat um.
Heuberger ohne Quintett
Gegen Polen wagte der Bundestrainer zwar keine neuen personellen Experimente, war aber dennoch zum Umbauen gezwungen.
Torhüter Heinevetter sowie die Rückraumspieler Sven-Sören Christophersen und Adrian Pfahl bekamen aufgrund der hohen Belastungen eine Pause verordnet, Andreas Rojewski (Fußentzündung) und Patrick Groetzki (Knieprobleme) fielen verletzungsbedingt aus ( Bericht).
"Kämpferisch" überzeugt
Die deutsche Auswahl behielt aber dennoch vor 10.500 Zuschauern in der ausverkauften Ergo-Arena die Nerven und überzeugte bei der Neuauflage des WM-Finales von 2007 mit Spielwitz, Kampfgeist und mannschaftlicher Geschlossenheit.
"Das war eine tolle Leistung unserer Mannschaft, nicht nur spielerisch, sondern auch kämpferisch", sagte Heuberger und ergänzte: "Ich freue mich sehr, dass wir uns als eine gute Mannschaft präsentiert haben. Es ist ein tolles Ergebnis für uns."
Zwei Duelle gegen Dänemark
Aber trotz des Prestigeerfolgs bleibt die DHB-Auswahl auf dem Boden, zu sehr schmerzt die verpasste Olympia-Qualifikation noch.
Der Weg zurück in die Weltspitze, das wissen alle Beteiligten, ist lang und mit vielen Stolpersteinen gepflastert. Wie weit das Team wirklich ist, wird schon Ende der Woche wieder etwas deutlicher geworden sein.
Am Karfreitag im dänischen Herning und einen Tag später in Flensburg ist Europameister Dänemark der Gegner.
Der Anspruch ist groß
In den letzten beiden Tests vor den WM-Playoffs im Juni gegen Bosnien-Herzegowina erhofft sich auch Heuberger aus diesen Duellen entscheidende Erkenntnisse.
"Nur wenn wir uns mit den besten Mannschaften messen, können wir lernen und uns weiterentwickeln", sagte Heuberger, der wohl doch mit etwas Wehmut ab Freitag Richtung Spanien, Schweden und Kroatien schauen wird.
Dort finden über das Osterwochenende die drei Olympia-Qualifikationsturniere statt, ohne deutsche Beteiligung.