Nach Quali-Blamage: DHB-Team will lernen
Von Annette Bachert
München - Unkonzentriert, kraft- und kopflos: Mit diesen Worten kann man versuchen die Leistung der deutschen Handballer gegen Bosnien-Herzegowina zu beschreiben.
Fahrig im Angriff, schwach in der Defensive und langsam in der Rückwärtsbewegung - vor allem in der zweiten Halbzeit des WM-Qualifikations-Rückspiels (24:33) zeigte die Auswahl von Bundestrainer Martin Heuberger eine desolate Leistung ( SPIELBERICHT: WM-Ticket trotz Fiasko).
Dass der Weltmeister von 2007 dennoch bei den Titelkämpfen 2013 in Spanien (13. Bis 27. Januar) dabei ist, hat er einzig dem Zwölf-Tore-Polster aus dem Hinspiel (36:24) zu verdanken.
Deutliche Worte vom Kapitän
"Ich kann das auch nicht so ganz erklären, offensichtlich war die Mannschaft gehemmt. Wir müssen daraus die richtigen Lehren ziehen. Meine Spieler hatten wohl im Kopf, dass die zwölf Tore Vorsprung reichen werden, dann passiert so etwas", mutmaßte Heuberger.
DHB-Kapitän Oliver Roggisch fand direkt nach dem Fiasko deutliche Worte: "Schwein gehabt. In der ersten Halbzeit haben wir konzentriert gespielt und die Sache unter Kontrolle gehabt."
Und: "In der zweiten Halbzeit haben wir den Kopf verloren. So etwas darf uns nie wieder passieren. Jetzt ist es wichtig, dass unsere junge Mannschaft daraus lernt."
Hexenkessel bleibt aus
Nach dem souveränen Hinspiel-Sieg vor acht Tagen ( Bericht) war sich das Team wohl etwas zu sicher. Selbst für die bosnischen Fans war der WM-Zug für Bosnien-Herzegowina bereits abgefahren, der befürchtete Hexenkessel mit knapp 15.000 frenetischen Zuschauern blieb aus.
Im Gegenteil: Mit nur rund 1.700 Zuschauern war die Olympic Zetra Arena in Sarajevo bei weitem nicht ausverkauft, die Stimmung eher mau. Möglicherweise kostete auch eben dieses Desinteresse dem deutschen Team einiges an Motivation.
"Ehrlich gesagt, ich hätte lieber vor 12.000 als vor 2.000 Zuschauern gespielt", gab Dominik Klein zu.
Klein: Es geht nur mit Vollgas
Der Kieler Linksaußen gewann der Pleite dennoch etwas Positives ab: "Etwas Gutes hat dieses Aufeinandertreffen hier auch gehabt, nämlich die Erfahrung zu machen, dass es bei uns nur mit Vollgas geht."
Wichtig ist nun, dass das Team die Sommerpause nutzt, sich von diesem Schock erholt und tatsächlich seine Lehren daraus zieht.
Potenzial eindeutig vorhanden
Nach der unglücklichen EM im Januar hatte das zumindest kurzfristig schon ganz gut funktioniert: Vor der Bosnien-Pleite hatte sich das DHB-Team mit Erfolgen wie unter anderem einem Remis und einem Sieg gegen Europameister Dänemark Selbstbewusstsein geholt.
Das Potential, bei der WM wieder ganz vorne mitzuspielen, ist also ohne Zweifel da - es muss nur abgerufen werden.
Doch erst im Herbst kann das Heuberger-Team dann Wiedergutmachung betreiben, wenn es in Vorbereitung auf die Welt-Titelkämpfe einige Länderspiele absolviert.