Schritt für Schritt zu alter Stärke
Rostock - Oliver Roggisch war völlig entspannt.
Am Ende des wechselhaften Testspiel-Wochenendes der deutschen Handballer schlich sich ein zufriedenes Lächeln in das Gesicht des Kapitäns.
Eben noch hatte der Mann für die grobe Abwehrarbeit beherzt zugepackt und mit seiner Mannschaft erfolgreich Revanche an Serbien genommen. Nun widmete er sich nach dem 32:23 (19:13) in Rostock in aller Seelenruhe den kleinen Autogrammjägern. ( Bericht: Revanche geglückt, viel Arbeit bleibt)
"Wir sind auf einem guten Weg", sagte er rund fünf Wochen vor dem ersten Spiel in der EM-Qualifikation gegen Montenegro. Roggisch war daher in gelöster Stimmung - bis ihm einfiel, dass er am Abend noch einen gemeinsamen Termin mit Rafael van der Vaart hatte.
Roggisch zuversichtlich
Die 34 Jahre alte Abwehrkante und der Fußballer des HSV traten als Stargäste in einer Fernseh-Show auf. Also musste sich Roggisch sputen.
Die Fahrt über die Autobahn nach Hamburg trat der Profi von den Rhein-Neckar-Löwen mit viel Zuversicht für die Quali zur EM 2014 in Dänemark und die WM im Januar in Spanien an. Für diese ist die deutsche Mannschaft bereits qualifiziert.
"Wir haben in den letzten Monaten gezeigt, dass es aufwärts geht", sagte Roggisch: "Wir wollen am 1. November gegen Montenegro einen vorlegen und hoffen dann auf eine gute WM. Das ist extrem wichtig."
Drei Monate der Wahrheit
Damit blickte der Kapitän schon viel weiter als sein Trainer.
Martin Heuberger will sich Schritt für Schritt an die großen Aufgaben herantasten - mit gutem Grund, denn der Pflichtspiel-Auftakt gegen die Südosteuropäer ist ein scharfer Start. Montenegro räumte auf dem Weg zur WM in Spanien Vize-Olympiasieger Schweden beiseite. Und gleichzeitig gilt es für die DHB-Auswahl, möglichst gut in die drei Monate der Wahrheit zu starten.
Bis zur Weltmeisterschaft (11. bis 27. Januar 2013) will Heuberger mit seinem Team nicht nur die Weichen für eine erfolgreiche EM-Quali stellen, sondern langsam, aber sicher den Kontakt zur Weltspitze intensivieren.
"In der Breite gut aufgestellt"
Der war bei den vergangenen Turnieren verloren gegangen, die Olympischen Spielen in London fanden sogar ohne die deutschen Handballer statt.
Heuberger glaubt an einen Aufwärtstrend. "Ich habe gesehen, dass wir in der Breite sehr gut aufgestellt sind. Nun müssen wir schauen, dass wir mit dieser Mannschaft in die Spitze kommen", sagte der 48-Jährige nach dem Sieg gegen eine blutjunge Serbien-Auswahl ohne Stars.
Einen Tag zuvor, bei der 31:33-Pleite am Samstag in Schwerin gegen denselben Gegner, war genauso deutlich geworden, dass sich die DHB-Auswahl keine Nachlässigkeiten leisten kann.
Roggisch: Lorbeer verspielt
Und dass die Rückkehr der diesmal abwesenden Routiniers Michael Haaß und Holger Glandorf dringend erforderlich ist. "Wie wichtig Führung innerhalb einer Mannschaft sein kann, hat man genau dann im Spiel gesehen, wenn es mal nicht so lief", stellte Heuberger fest.
Und so gilt es, alle Kräfte zu bündeln, damit die deutschen Handballer in den kommenden Monaten den nächsten Schritt machen. Denn, so befand Oliver Roggisch: "Wir haben zuletzt viel von unseren Lorbeeren verspielt."