WM-Kader: Heuberger lässt Kraus zu Hause
Von Andreas Kloo
München - Bundestrainer Martin Heuberger hat seinen 17-köpfigen Kader für die Weltmeisterschaft im Januar in Spanien (11. bis 27. Januar LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) bekannt gegeben.
Nicht dabei ist Mittelmann Michael Kraus vom HSV Hamburg, der 2007 mit Deutschland den WM-Titel holte.
"Ich weiß um Mimis Möglichkeiten, aber ich vertraue auf der Position Rückraum Mitte auf die in der aktuellen Formation eingespielten Michael Haaß und Martin Strobel", sagte Heuberger zur Begründung.
Der Ärger des Spielmachers über die Nichtberücksichtigung hält sich offenbar in Grenzen.
"Ich bin enttäuscht, aber nicht sauer", sagte der 29-Jährige der "Hamburger Morgenpost", "ich wünsche den Jungs auf jeden Fall den größtmöglichen Erfolg."
Kretzschmars Prophezeiung tritt ein
Für SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar stellt das Fehlen von Kraus ohnehin keine große Überraschung dar.
"Mimi Kraus bringt eine Qualität mit, die dem deutschen Team gut zu Gesicht stehen würde. Ob er die in der Konstanz auf die Platte bringt, die unserer Mannschaft hilft, ist aber die Frage", sagte er in seiner Kolumne.
Und prohezeite: "Sollten Stefan Kneer und Sven-Sören Christophersen rechtzeitig für die WM fit werden, wird Heuberger wohl nicht auf Mimi zurückgreifen."
So ist es nun auch gekommen ( KOLUMNE: Trauer und Enttäuschung über Glandorf).
Heuberger nimmt es positiv
Heuberger fehlen bei der WM mit Uwe Gensheimer, Lars Kaufmann und Holger Glandorf weitere Routiniers.
Doch der Bundestrainer sieht es positiv: "Ich bin im Sommer 2011 angetreten, um einen Umbruch einzuleiten. Was ich da begonnen habe, führe ich nun systematisch fort", begründete Heuberger seine Nominierungen.
Er verteidigt seine Jugendwelle: "Aufgrund des Verzichts auf Stammkräfte wie Glandorf und Kaufmann hat dieser Prozess jedoch mehr Dynamik bekommen. Ich freue mich auf die sich daraus ergebenden Möglichkeiten."
Sechs Debütanten im Kader
Neben Kreisläufer Oliver Roggisch und Haaß sind Dominik Klein und Carsten Lichtlein die letzten verbliebenen Spieler der Weltmeister-Mannschaft von 2007.
Stattdessen berief Heuberger sechs Spieler, die zum ersten Mal an einem großen Turnier teilnehmen werden. Zu den Debütanten gehören die Wetzlarer Tobias Reichmann, Kevin Schmidt und Steffen Fäth, der Magdeburger Stefan Kneer sowie Torwart Martin Ziemer von Hannover-Burgdorf und der Flensburger Steffen Weinhold.
"Ich weiß um die Stärken dieser jungen Garde", sagt Heuberger.
Als Junioren-Bundestrainer hat er einige der Debütanten bereits in früheren Jahren betreut.
Seitenhieb Richtung Flensburg
Zu dem Kader mit zahlreichen Turnier-Neulingen zählt auch der erfahrene linke Rückraum Sven-Sören Christophersen, der seine Knieverletzung rechtzeitig überwunden hat.
"Die Zusammenarbeit mit den Füchsen Berlin ist eng und gut", lobte Heuberger den Klub Christophersens. Was gleichzeitig als Seitenhieb in Richtung Flensburg verstanden werden kann.
Auch mit Glandorf hatte Heuberger ähnlich wie mit Christophersen nach einer Verletzungspause einen sanften Wiedereinstieg geplant.
Doch das klappte nicht, der Rückraumspieler sagte für die WM ab.
"In den vergangenen Wochen habe ich einige Versuche unternommen, ihm nach seinen gesundheitlichen Problemen Brücken zu bauen, sodass er uns im Rahmen seiner Möglichkeiten hätte helfen können. Auch habe ich bei Holger leider das nötige Feuer für die Nationalmannschaft vermisst", hatte der Bundestrainer zuletzt geunkt.
Flensburg wehrt sich
Den Vorwurf der mangelnden Motivation Glandorfs wollte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke allerdings nicht stehen lassen:
"Holger ist wirklich der Letzte, der nicht mit Herz und Feuer für die Nationalmannschaft spielt", verteidigte Schmäschke bei SPORT1 seinen Spieler.
"Aber ab einem gewissen Punkt gibt es gesundheitliche Grenzen", fügte er hinzu.
Der Entschluss, auf die WM zu verzichten, sei außerdem ohne Druck von Seiten des Vereins gefallen, wie der Manager betont: "Wir haben ihm die Entscheidung überlassen."
Glandorf bittet um Verständnis
Glandorf selbst bat nach der Bundesliga-Partie gegen Lübbecke nochmals um Verständnis.
"Ich habe frühzeitig und regelmäßig mit dem Bundestrainer Kontakt gehabt und meine Beweggründe dargelegt - auch der Öffentlichkeit. Ich denke, man kann nachvollziehen, dass ich mit so einem Krankheitsbild die WM absage", erklärte er bei SPORT1.
Und ergänzte: "Ich brauche die Pause im Januar, auch von den Ärzten verschrieben."
Glandorf betonte die Ernsthaftigkeit seine gesundheitlichen Probleme: "Das ist jetzt kein Knochenbruch, das ist etwas mit dem Herzen. Und dafür sollte man Verständnis aufbringen."
Als Folge einer Viruserkrankung hat Glandorf mit Herz-Kreislaufproblemen zu kämpfen.
Das Aufgebot für die Weltmeisterschaft:
Tor: Martin Ziemer (TSV Hannover-Burgdorf), Silvio Heinevetter (Füchse Berlin), Carsten Lichtlein (TBV Lemgo)
Rückraum Mitte: Michael Haaß (Frisch Auf Göppingen), Martin Strobel (TBV Lemgo)
Rückraum links: Sven-Sören Christophersen (Füchse Berlin), Steffen Fäth (HSG Wetzlar), Stefan Kneer (SC Magdeburg)
Rückraum rechts: Steffen Weinhold (SG Flensburg-Handewitt), Adrian Pfahl (VfL Gummersbach)
Linksaußen: Dominik Klein (THW Kiel), Kevin Schmidt (HSG Wetzlar)
Rechtsaußen: Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen) Tobias Reichmann (HSG Wetzlar)
Kreis: Oliver Roggisch (Rhein-Neckar Löwen), Patrick Wiencek (THW Kiel) Christoph Theuerkauf (HBW Balingen-Weilstetten)