Brands Verdacht: Glandorf zu Verzicht gedrängt
München - Klare Worte des DHB-Sportdirektors: Heiner Brand hat sich in die Debatte über die Absagen mehrerer Nationalspieler wie Holger Glandorf für die WM (11. bis 27. Januar LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) in Spanien eingeschaltet. ( DATENCENTER: Die WM)
Der 60-Jährige bezeichnete als "Vermutung jedenfalls zulässig", dass Glandorf nach längerer Zwangspause wegen einer Infektion von seinem Klub, der SG Flensburg-Handewitt, zum WM-Verzicht gedrängt worden sein könnte. ( Kader komplett: Heuberger setzt auf Lichtlein)
"Verein und Spieler stehen in der Pflicht, die richtige Einstellung für die Nationalmannschaft mitzubringen. Aber manche Vereine drängen aus eigenen Interessen ihre Spieler auch in eine Rolle, anstatt ihnen die Rolle der Nationalmannschaft zu vermitteln. Nationalspieler zu sein bedeutet auch, Verantwortung für die Sportart zu haben", sagte Brand. ( KOLUMNE: Trauer und Enttäuschung über Glandorf)
Zurückhaltende Zielsetzung
Während seiner 14-jährigen Amtszeit als Bundestrainer hatte er häufig die mangelnde Wertschätzung für das Nationalteam beklagt.
"Einige geben immer noch nicht das zurück, was nötig wäre, da sind Egoismen weiterhin erkennbar", stellte Brand nun fest: "Ich verallgemeinere das nicht, denn viele Vereine sind stolz, Nationalspieler abstellen zu können. Aber diese Haltung ist noch nicht flächendeckend."
Brands Zielsetzung für das WM-Turnier fiel zurückhaltend aus. "Vom Erreichen des Achtelfinales gehe ich fest aus." Abhängig vom gesamten Turnierverlauf sei "auch das Viertelfinale drin".
Keine Strombach-Nachfolge
Als Nachfolger für den scheidenden Handball-Präsidenten Ulrich Strombach steht Brand nicht zur Verfügung.
"Da würde ich wahnsinnig. Von daher steht ein solcher Posten trotz einer hoffentlich anstehenden Strukturreform für mich nicht zur Debatte", sagte er im Interview mit dem "kicker".
Deutschlands Weltmeister-Trainer von 2007 gab seinen Entschluss nach längeren Überlegungen bekannt.
"Ich habe wirklich darüber nachgedacht. Aber nachdem ich sah, wie die Arbeit des Präsidiums beeinträchtigt wird und welchen Diskussionen und Einmischungen man sich stellen muss, war ich regelrecht geschockt", beschrieb Brand seinen Entscheidungsfindungsprozess.