SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar hat im Zuge der verletzungsbedingten WM-Absagen von Holger Glandorf und Lars Kaufmann die Einstellung vieler Spieler zur Nationalmannschaft kritisiert.
"Die Nationalmannschaft abzusagen, weil es ihnen nicht so gut geht, aber jedes Wochenende in der Bundesliga volle Pulle zu geben und dabei mehr als zu überzeugen. Das geht nicht", stellte Kretzschmar im Gespräch mit SPORT1 klar: "Das verstehe ich nicht, ich vermute, dass da der Verein bisschen Druck ausübt."
Vor allem das Fehlen von Glandorf, dem "alles überragenden deutsche Linkshänder in der Liga" ärgert Kretzschmar.
Ihm gehe es um die Sportart und die Wichtigkeit der Nationalmannschaft. Diese sei das Aushängeschild des deutschen Handballs. "Das verstehen offenbar die Vereine nicht, aber auch einzelne Spieler nicht. Und das kotzt mich an."
Mit Blick auf Glandorf sagte "Kretzsche": "Solche Befindlichkeiten (Infektion im April, Anm. d. Red) können ja im Raum stehen, aber es wäre doch genug Zeit gewesen, das zu klären. Ein Spieler hat ja die Möglichkeit zu sagen, ich spiele nur unter bestimmten Bedingungen in der Nationalmannschaft."
Auch auf Twitter machte er seinem Ärger Luft: "Nationalmannschaft absagen aus gesundheitlichen Gründen, aber jedes Wochenende im Verein 100 Prozent geben. Bedenklich und charakterlos!"
Kretzschmar glaubt auch, dass die scheinbar schwindende Wirkung des Trikots mit dem Bundesadler ein Generationsproblem ist. "Zu meiner Zeit", sagt der 39-Jährige, "konntest du uns aufs Spielfeld tragen, und wir haben gespielt, wenn es für Deutschland ging."
Die Flensburger Rückraumspieler Glandorf und Kaufmann hatten ihre Teilnahme an der WM in Spanien (11. bis 27. Januar 2013) wegen Verletzungsproblemen abgesagt und stehen somit nicht im erweiterten 28-köpfigen Kader.
Kretzschmar sieht in Sachen Nationalmannschafts-Absagen eine Dimension erreicht, die ihm missfällt. Dafür verantwortlich sind nach Meinung des früheren Weltklasse-Linksaußen unter anderem die Vereine und deren wirtschaftliche Zwänge.
"Sie haben natürlich Einfluss auf die angeschlagenen Spieler und legen ihnen nahe, nicht zu spielen, sondern sich auszukurieren", sagte "Kretzsche".
Den Handlungsspielraum von Bundestrainer Martin Heuberger sieht er als begrenzt an: "Er macht schon alles und steht in Kommunikation mit den Klubs. Schade, dass es manche Spieler nicht als das Größte ansehen, für Deutschland zu spielen."
