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Kreisläufer Rastko Stojkovic, seit 2006 bei der HSG, wurde in Belgrad ausgebildet © getty

Nach der bitteren Niederlage im Europapokalfinale steht Nordhorn vor einer ungewissen Zukunft. Der Kader fällt auseinander.

Valencia - Beim Abschied von der großen Handball-Bühne fehlte ein einziges Tor.

Die Handballer der insolventen HSG Nordhorn müssen nach einem 23:24 (10:15) am Samstagabend im Final-Rückspiel des Europapokals der Pokalsieger bei Pevafersa Valladolid ohne den zweiten Titel der Vereinsgeschichte den Gang in die Zweitklassigkeit antreten (DATENCENTER: Alle Wettbewerbe).

Nach dem 31:30-Erfolg im Hinspiel hätte der Mannschaft von Trainer Ola Lindgren ein Unentschieden in Spanien gereicht, nun aber standen der überragende Torhüter Peter Gentzel und seine Kollegen mit leeren Händen da (SPIELBERICHT: Nordhorn fehlt nur ein Tor).

Kompletter Umbruch

Der Sieg im EHF-Pokal im vergangenen Jahr bleibt wohl auf lange Sicht der einzige internationale Erfolg der Niedersachsen (Nordhorn will letzte große Party).

Denn nach Eröffnung eines Insolvenzverfahrens muss die HSG nach der Saison in die 2. Liga zwangsabsteigen, fast alle Spieler sowie Trainer Ola Lindgren (zu den Rhein-Neckar Löwen) verlassen den Klub.

Enttäuschung und Stolz

Die Enttäuschung in Spanien war deshalb umso größer. "Ich bin stolz, Teil dieser Mannschaft zu sein. Niemand wird jemals wieder so eine Mannschaft aufbauen", sagte Kreisläufer Rastko Stojkovic, mit acht Toren mal wieder bester Werfer seines Teams.

Der 40 Jahre alte Gentzel, der seine Karriere im kommenden Jahr bei Meister THW Kiel ausklingen lässt, sprach ebenfalls von einer Riesenenttäuschung: "Wir haben gut gekämpft und alles gegeben, aber das war leider nicht genug."

Kraft und Glück fehlen

Nach dem hohen Rückstand zur Halbzeit lag die HSG vor 7000 Zuschauern vor allem dank des eingewechselten Gentzels zwischenzeitlich sogar in Führung (19:18/48.), doch am Ende fehlten dem kleinen Kader Kraft und Glück.

Nachdem Jung-Nationalspieler Steffen Weinhold, auf Halbrechts Nachfolger des bereits zum TBV Lemgo abgewanderten Nordhorner Helden Holger Glandorf, das 23:24 erzielt hatte und Gentzel den nächsten Angriff der Gastgeber abwehrte, blieben der HSG noch 12 Sekunden, um den Ausgleich zu erzielen. Es reichte aber nicht.

Lizenz nur unter Bedingungen

Ob es in Nordhorn in der kommenden Saison überhaupt zu Zweitliga-Handball reicht, ist auch noch nicht sicher.

Die Lizenz gab es von der Handball-Bundesliga (HBL) nur unter Bedingungen - und die müssen bis zum 4. Juni erfüllt sein. Ob das gelingt, scheint derzeit allerdings unklar.

Zudem muss die HSG die letzten beiden Bundesliga-Spiele bis zum 6. Juni mit einer kurzfristigen Konstruktion über die Bühne bringen: Die Verträge der Spieler liefen nur bis 31. Mai. Da fast alle den Verein verlassen, müssen für die letzte Woche Bundesliga der HSG noch extra neue Miniverträge abgeschlossen werden.

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