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Sead Hasanefendic trainiert seit 2009 auch Serbiens Nationalteam © imago

Nach Gummersbachs erneutem Europacup-Triumph wird der Coach weich, der Manager schwärmt. Ein Rückraum-Routinier ragt heraus.

Granollers/Köln - Beim nächtlichen Bankett nach dem zweiten Europacup-Triumph binnen zwölf Monaten wurde sogar Sead Hasanefendic ganz weich.

"Ich bin stolz auf diese Mannschaft und bedanke mich bei jedem einzelnen Spieler", sagte der sonst oft bärbeißig wirkende Coach des VfL Gummersbach mit feuchten Augen.

Die 33:37 (16:18)-Niederlage im Final-Rückspiel des Pokalsieger-Wettbewerbs beim spanischen Vertreter Fraikin BM Granollers genügte den Gummersbachern zum Titelgewinn - dank des Neun-Punkte-Polsters aus dem Hinspiel.

"Meine Jungs leben für den Sport und werfen alles in die Waagschale. Mit dieser Einstellung können sie noch Großes erreichen."

Eine neue goldene Generation

Hasanefendic selbst hat mit dem Altmeister schon jetzt Großes erreicht: 26 Jahre lang musste der VfL nach 1983 und dem Ende der goldenen Generation um Heiner Brand und Erhard Wunderlich auf einen internationalen Titel warten, ehe der Trainerfuchs die Oberbergischen in seiner zweiten Amtszeit wieder zu europäischem Ruhm führte.

Im Vorjahr gelang auf Anhieb der Sieg im EHF-Pokal, nun folgte der Europapokal der Pokalsieger. (DATENCENTER: Pokal der Pokalsieger)

"Was Sead Hasanefendic trotz teilweise schwieriger Bedingungen mit dieser Mannschaft geleistet hat, davor kann man nur ganz tief den Hut ziehen", sagte Gummersbachs Geschäftsführer Axel Geerken.

"Trainer des Jahres"

Die Würdigung aus der Bundesliga ließ auch nicht lang auf sich warten:

Einen Tag nach dem Triumph im Cup der Pokalsieger wählten die Geschäftsführer und Manager der 18 Erstligisten den Bosnier mit großer Mehrheit zum "Trainer des Jahres".

"Die Wahl ist eine besondere Ehre für mich, weil es in Deutschland eine Vielzahl von Weltklassetrainern gibt", sagte der 61-Jährige.

Hadern mit den berüchtigten Refs

Tags zuvor hatten die Gummersbacher In der aufgeheizten Atmosphäre im nicht ganz ausverkauften Palau D'Esports de Granollers nach dem glatten 34:25-Hinspielsieg nur in der ersten Halbzeit einige heikle Momente zu überstehen.

Die Spanier, bei denen Hasanefendic selbst von 2000 bis 2002 unter Vertrag stand, hatten mehrmals die Chance zur Vier-Tore-Führung, die Gummersbacher haderten zunehmend mit den Entscheidungen der Schiedsrichter Nenad Krstic und Peter Ljubic.

Unvergessen ist das Bild, als sich Bundestrainer Heiner Brand bei der WM 2009 nach der Niederlage gegen Dänemark den beiden Slowenen mit erhobener Faust genähert hatte.

Zehn Tore von Szilagyi

Im zweiten Durchgang fand der VfL dann immer besser zu seinem Spiel und ging in der 39. Minute erstmals mit zwei Toren in Führung (39.).

Dass Granollers in der Schlussphase noch einmal die Oberhand gewann, brachte den zwölften internationalen Titel der Gummersbacher nicht mehr ernsthaft in Gefahr, die Niederlage war nicht mehr als ein Schönheitsfehler.

Überragend auf Gummersbacher Seite waren der Österreicher Viktor Szilagyi mit zehn Treffern und Torwart Goran Stojanovic mit 19 Paraden.

Eine Saison wie ein schöner Traum

Geerken wollte niemanden herausheben: "Die Jungs sind ein Team geworden, das seinesgleichen sucht, und haben auch angesichts der finanziellen Probleme nie den Kopf hängen lassen."

Trotz des EHF-Cup-Sieges 2009 war der ehemalige Rekordmeister zu Saisonbeginn in eine angespannte wirtschaftliche Lage geraten, die Spieler verzichteten zum Teil auf Gehälter, Geschäftsführer Francois-Xavier Houlet musste Platz für Geerken machen.

Und so kam der Erfolg selbst für den routinierten Hasanefendic überraschend. "Wenn mir vor der Saison jemand gesagt hätte, dass der VfL eine gute Rolle in der Liga spielt, durch einen Sieg gegen Kiel ins Final Four in Hamburg einzieht und wieder ein europäisches Finale gewinnt, hätte ich gesagt: 'Schöne Träume haben Sie'."

Partymarathon bis zum Bismarckplatz

Eine solidere Zukunft ist durchaus realistisch: Kurz vor dem Endspiel gab die Stadt Gummersbach grünes Licht für den Bau einer neuen Halle mit 4000 Plätzen, die zur Saison 2012/'13 bezugsfertig sein soll.

"Das wird noch einmal einen richtigen Schub für den Handball geben", sagte Geerken und verabschiedete sich in den Partymarathon: "Ich freue mich schon sehr auf Samstag, wenn wir in Gummersbach auf dem Bismarckplatz mit unseren Fans feiern."

Die sind drauf und dran, Erfolgscoach Hasanefendic ein Denkmal zu setzen.

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