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Sead Hasanefendic ist seit 2008 wieder Trainer beim VfL Gummersbach © imago

Gummersbachs Triumph im Pokalsieger-Cup verdrängt den möglichen Lizenzentzug kurzzeitig. Trainer Hasanefendic ist gezeichnet.

Köln - Trainer Sead Hasanefendic hat in seiner Zeit beim Handball-Traditionsklub VfL Gummersbach schon viel erlebt.

Doch das dramatische Final-Rückspiel im Europapokal der Pokalsieger (Spielbericht) mit Happy End am Tag nach der Nachricht vom drohenden Lizenzentzug ging selbst dem erfahrenen Kroaten an die Substanz.

"Das war das schwerste Spiel der letzten drei Jahre", erklärte der 62-Jährige, "ich bin leer und müde, aber stolz auf meine Mannschaft."

Trotz der existenziellen Ängste um die Zukunft des verschuldeten Vereins (NEWS: Gummersbach erhält Frist) drehte sein Team das nach sieben Toren Rückstand bereits verloren geglaubte Final-Rückspiel gegen Tremblay en France noch in ein 26:26 (10:15).

Nach dem 30:28 im Hinspiel reichte das zum dritten europäischen Titel in Folge.

Lücke von 2,2 Millionen Euro

Eine Serie, die ob der Schuldenlast umso höher zu bewerten sei, so Hasanefendic: "Jedes Jahr haben wir weniger Spieler, weil die Besten den Verein verlassen. Die Umstände sind nicht erfreulich - und das hat man der Mannschaft in der ersten Hälfte auch angemerkt."

Nach den Heldentaten auf dem Parkett müssen nun die Klub-Verantwortlichen wieder einmal fast schon übernatürliche Kräfte mobilisieren, um die von der Toyota HBL monierte Deckungslücke von 2,2 Millionen Euro zu schließen und damit den Verein vor dem Absturz in die Drittklassigkeit zu retten.

Mit "Gewaltaktion" aus der Krise

"Die Mannschaft lag am Boden und ist wieder aufgestanden. Das war eine Botschaft an den Aufsichtsrat, diesem Ausrufezeichen müssen wir folgen", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Götz Timmerbeil.

Der gelernte Steuerberater und Wirtschaftsprüfer versprühte Optimismus: "Wir sind zuversichtlich, dass wir das in einer Gewaltaktion stemmen können."

[kaltura id="0_mmc10bpt" class="full_size" title="Brand hat keinen Spa mehr"]

Verkauf von zwei Nationalspielern nötig?

Bis zum Ende der Woche hat der VfL Zeit, die Lizenzierungskommission von seiner Liquidität zu überzeugen. Als Notlösung steht unter anderem der Verkauf der Nationalspieler Adrian Pfahl und Patrick Wiencek im Raum.

Bislang sollen erst rund 800.000 Euro zusammengekratzt worden sein.

VfL-Geschäftsführer Axel Geerken nahm an diesem denkwürdigen Europapokal-Abend deshalb die Sponsoren in die Pflicht: "Die Region muss jetzt zeigen, ob sie erstklassigen Handball haben will, oder nicht."

Brand hofft auf die Rettung

Diesem Appell schloss sich auch Noch-Bundestrainer Heiner Brand an.

"Ich hoffe, dass dieser Triumph für Freunde und Gönner des VfL Gummersbach Motivation genug ist, den Verein in der schwierigen Situation zu unterstützen", sagte der gebürtige Gummersbacher, der seine gesamte aktive Laufbahn beim VfL verbrachte, am Rande der Sportpyramide (Bericht) in Berlin.

Partynacht nach Triumph

Gefeiert wurde trotz der Sorgen standesgemäß. Den Freudentänzen, Sektduschen und Ehrenrunden in der Halle mit anschließender Partynacht folgte am Vormittag der Rathausempfang mit anschließendem Fest vor rund 3000 Anhängern auf dem Bismarckplatz.

Trotz - oder gerade wegen - der ungewissen Zukunft: Die Fans ließen ihre Helden hochleben, als gäbe es kein Morgen mehr.

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