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Wurde bislang bei noch keiner Handball-WM eingesetzt: Die Torkamera © getty

Die plötzliche Einführung der Torlinientechnik sorgt für Wirbel. Die Meinungen sind geteilt - und es ändert sich noch mehr.

Doha - Regel-Revolution im Handball: Die "klammheimliche" Einführung der Torlinientechnik hat am Auftakt-Wochenende der WM in Katar für mächtig Wirbel gesorgt.

Schiedsrichter und Funktionäre sind voll des Lobes über das neue Hilfsmittel - doch die Spieler sind skeptisch.

Sie wurden vom Einsatz des Videobeweises vollkommen überrascht (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Lichtlein wundert sich

"Es war schon komisch. Wir wussten gar nicht, dass es so etwas gibt, als es plötzlich dieses Time-out gab", sagte Nationaltorwart Carsten Lichtlein, der im Spiel gegen Polen als erster deutscher WM-Keeper "Opfer" der neuen Technik geworden war.

Erst nach kurzer Unterbrechung und genauer Betrachtung der Videobilder gab der eigens dafür abgestellte IHF-Delegierte via Funk das Signal an die Schiedsrichter: Der Ball war mit vollem Umfang hinter der Linie - Tor für Polen.

Heinevetter skeptisch

"Obwohl in diesem Fall der Gegner profitiert hat, finde ich das eine gute Sache", sagte Lichtlein.

Sein Torhüterkollege Silvio Heinevetter ist dagegen noch nicht überzeugt. "Die Neuerung ist interessant, aber gewöhnungsbedürftig", sagte der Berliner.

Bei den Fußballern, wo ein einziger Treffer häufig Spiele entscheide, habe eine solche Regel eine viel größere Bedeutung. "Ich brauche sie nicht", so Heinevetter.

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Drei Kameras messen

Drei Kameras, die an der Querlatte jedes Tores angebracht sind, wachen bei den Spielen von Doha über die Torlinien. Sie sollen die Arbeit der Referees erleichtern.

Entwickelt wurde das System, das bisher nur vereinzelt bei Europacupspielen zum Einsatz kam, von der französischen Firma "Vision Sport".

Schiedsrichter begeistert

Für den Weltverband IHF gilt es zunächst als Testballon für kommende Großereignisse. Die Handball-Funktionäre haben die hitzigen Diskussionen im Fußball genauestens verfolgt.

Die beiden deutschen WM-Schiedsrichter Lars Geipel und Markus Helbig sind von ihrem neuen Hilfsmittel unterdessen begeistert.

"Ich finde das sehr gut. Die Technik ist eine absolute Hilfe für uns Schiedsrichter und im Sinne der Gerechtigkeit. Man vermeidet damit unnötige Diskussionen und verändert, das ist wichtig, nicht den Geist des Spiels", sagte Geipel.

Die neue Regel werde das Verhältnis zwischen Spielern, Trainern und Offiziellen nachhaltig verbessern.

Videobeweis nicht nur bei Tor

Neben seiner Macht über die Torlinie ist der IHF-Supervisor noch mit weiteren Rechten ausgestattet.

Mit Blick auf seinen Monitor darf er bei Zeitstrafen und Platzverweisen einschreiten, die an den falschen Spieler vergeben wurden, oder Vergehen ahnden, die die Unparteiischen übersehen haben - allerdings nur so lange, bis der Ball wieder freigegeben ist.

Lob vom DHB

Beim Deutschen Handballbund (DHB) wird die Innovation begrüßt.

"Das ist auf jeden Fall ein Fortschritt für den Handball, gerade für große Turniere, wo es um einen Weltmeister- oder Europameistertitel oder vielleicht sogar um den Olympiasieg geht", sagte DHB-Vize Bob Hanning.

Und Bundestrainer Dagur Sigurdsson meinte: "Ich finde die Regel absolut top."

Die Mannschaften haben allerdings keine Möglichkeit, Einfluss zu nehmen oder eine Überprüfung zu beantragen wie beispielsweise im Tennis.

Keine Einführung in Deutschland

Trotz der vielen positiven Rückmeldungen: Im deutschen Liga-Alltag wird die neue Regel erst mal nicht zum Einsatz kommen.

"So wie die Technik hier verwendet wird, finde ich sie sehr gut", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann zwar: "Für den flächendeckenden Einsatz in 1. und 2. Liga ist sie derzeit aber zu teuer."

Die Zahlen aus dem Fußball schrecken ab: Die Bundesligisten müssen für die Neuerung, die ab der kommenden Saison gilt, jeweils 250.000 Euro berappen.

Im Handball würde die Technik, so Bohmann, "rund 5000 Euro" kosten. Pro Spiel.

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