SPORT1-Experte Bob Hanning findet nach der Klatsche gegen Frankreich klare Worte. Er bemängelt fehlende Führungsqualitäten .

Liebe Handball-Freunde,

Spanien war ärgerlich - Frankreich war ernüchternd. Mir haben Heiner Brand und Martin Heuberger leid getan.

Viele werden nun wieder in irgendwelche Entscheidungen des Trainergespanns etwas hineininterpretieren wollen. Aber: Das was auf dem Feld stattfindet, ist entscheidend. Das war überhaupt nichts!

Mir hat Körpersprache und Leidenschaft gefehlt. Mehr gibt es zum Spiel selbst auch nicht zu sagen. Jedes Wort wäre ohnehin überflüssig.

Wer auf internationalem Niveau nur zwei Gegenstoßtore wirft, hat einfach kein besseres Resultat verdient.

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Gerade bin ich im Mannschaftshotel in Schweden. Die Mannschaft hält in diesem Moment eine Krisensitzung ab, Trainer und Betreuer haben den Raum vor 20 Minuten verlassen.

Ich hoffe, dass das Team noch lange über das Geschehene sprechen wird. Dieser Auftritt war nicht in Ordnung. Und ist erst Recht nicht zu entschuldigen.

Man kann gegen Frankreich verlieren, gar keine Frage - auch deutlich. Diese Mannschaft spielt einfach in einer anderen Galaxie als das DHB-Team.

Die Art und Weise der Niederlage ist aber ernüchternd und wirft Fragen auf. Wenn man sportlichen Erfolg haben will, ist das entscheidende Wort "Führung".

Diese ist bei der deutschen Mannschaft schlichtweg nicht existent.

Handeln kommt von Hand und nicht von Mund. Deshalb finde ich es gut, jetzt erstmal keine Interviews zu geben, sondern sich auf den Sport zu konzentrieren.

Viele wird es wundern, nach einem der bittersten handballerischen Offenbarungseide den wir je gesehen haben, aber: Wir haben noch alle Möglichkeiten!

Allerdings nur, wenn die Spieler endlich Führungsqualitäten entwickeln.

Selbst in meiner B-Jugend haben wir in Kenji Hövels einen Spieler, der in Stresssituationen Verantwortung übernimmt, und wie ein Fels in der Brandung sein Team durch harte Zeiten führt.

Das hat bei der deutschen Mannschaft komplett gefehlt. Ich habe da auch keine speziellen Spieler im Auge. Soetwas muss sich aus einer Mannschaft heraus entwickeln. Es ist auch nicht Aufgabe der Trainer, die Mannschaft für das Spiel gegen Tunesien wieder aufzurichten.

Die Spieler müssen diese Menschen, die seit 20 Jahren tagtäglich an der Seitenlinie stehen, durch eine gute Leistung belohnen.

Bis zum nächsten Mal,

Ihr Bob Hanning

Bob Hanning, 42, nimmt während der WM bei SPORT1 kein Blatt vor den Mund. Hanning führte die Füchse Berlin als Geschäftsführer in die Handball-Bundesliga. Er war unter Heiner Brand Assistent bei der Nationalmannschaft und trainierte unter anderem den HSV in der Bundesliga. Für SPORT1 ist er als Co-Kommentator während der WM 2011 im Einsatz. Weitere Informationen zum SPORT1-Experten finden Sie unter www.bob-hanning.de.

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