Der sportliche Offenbarungseid stellt auch die Perspektive dieses Teams und die des Trainers in Frage. Es muss sich etwas ändern.

Schon vor dem letzten deutschen WM-Spiel besteht traurige Gewissheit. Mit dem Verpassen der Olympia-Qualifikation hat die Nationalmannschaft einen sportlichen Offenbarungseid abgeleistet und dem deutschen Handball einen massiven Imageverlust beschert.

Auch wenn die DHB-Auswahl über Umwege noch den Weg nach London findet, diese WM ist der schwerste Rückschlag in Heiner Brands Amtszeit.

Allerdings läge in der Zuschauerrolle 2012 auch eine Chance. Spätestens dann liegt auf der Hand, was Brand seit Jahren predigt: Es muss sich etwas ändern im deutschen Handball. Vielleicht nicht sofort und radikal, aber langfristig und grundlegend.

Kernproblem ist - so paradox es klingt - die starke Liga, in der junge Talente auf den Schlüsselpositionen kaum zum Einsatz kommen, und die mangelhafte Zusammenarbeit zwischen ihren Vertretern und dem Verband. Zum Beispiel, was die Möglichkeit einer Quotierung angeht.

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Es ist nicht schwer zu erklären, warum die DHB-Junioren konstant in der Weltspitze mitmischen, während die A-Nationalmannschaft beim dritten Turnier in Folge ein Bild des Jammers abgibt: Ohne Spielpraxis auf höchstem Niveau keine Weiterentwicklung.

Auch die wichtigste Position im deutschen Handball, die des Bundestrainers, wird nun hinterfragt werden. Vor allem von Brand selbst.

Natürlich war jede Titelhoffnung im Vorfeld pure Utopie. Es ist jedoch auch offensichtlich, dass das Gesamtkonstrukt aus Trainerteam und Spielern bei der WM nicht in der Lage war, das Optimum aus den vorhandenen Möglichkeiten zu machen.

Dass die Auswahl in Schweden aus den Besten besteht, die man derzeit hat, daran ist kaum zu rütteln. Dennoch muss man sich fragen, ob mit diesem Team die Perspektive besteht, wieder ganz oben anzugreifen. Zunächst einmal muss man eine gehörige Bruchlandung verarbeiten.

Brand, die Ikone seiner Sportart schlechthin, hat jüngst geäußert, ganz von vorne anzufangen, das brauche er nicht unbedingt noch einmal.

1997 trat er seinen Dienst beim DHB an, die WM-Qualifikation hatte man gerade verpasst. Viel rosiger sieht die Lage nun auch nicht aus.

In der jetzigen Situation ist alles zu hinterfragen.

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