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Karabatic spielt für Montpellier HB und wurde 2007 zum Welthandballer des Jahres gewählt © getty

Frankreich feiert dank einer Karabatic-Gala den vierten Titel in Folge. Die tapferen Dänen trauern einer verpassten Chance nach.

Aus Schweden berichtet Julian Meißner

Malmö - Natürlich ließ er lange auf sich warten.

Nikola Karabatic war gefragt nach einem epischen Finale, dem er seinen Stempel aufgedrückt hatte wie es nur wenige Spieler verstehen.

Zehn Tore schenkte der Franzose den Dänen in Malmö ein und warf sein Team zum nächsten Titel. Schon zuvor war er zum wertvollsten Spieler des Turniers ernannt worden.

Wie um die Bestätigung dafür zu liefern, zeigte Karabatic im Endspiel eine Leistung, die sein Teamkollege Bertrand Gille als "außerirdisch" bezeichnete (344273Bilder und Video). Die "L'Equipe" titelte folgerichtig: "Die Außerirdischen."

"Das ist unfassbar schön"

Ein Karabatic in dieser Form war auch notwendig gegen einen ebenbürtigen Gegner (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News).

"Ich wusste: Wenn wir Weltmeister werden wollen, muss ich eine gute WM spielen", meinte der 26-Jährige angesichts der Ausfälle von Daniel Narcisse und Guillaume Gille: "Ich kann es noch nicht fassen. Vier Titel in einer Reihe - das ist unfassbar, so schön."

Kapitän Jerome Fernandez, der in der Verlängerung das Spiel an sich riss, sagte: "Ich bin sehr stolz auf meine Jungs, insbesondere auf die jungen Spieler."

Dänen lassen sich nicht abschütteln

Aufgrund des Fehlens der Leistungsträger Gille und Narcisse sprangen im Rückraum die Nachwuchskräfte Xavier Barachet und William Accambray in die Bresche.

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"Ich bin sehr glücklich, in der besten Mannschaft der Welt zu spielen", so Accambray, Karabatic? 22-jähriger Vereinskollege aus Montpellier.

Einig waren sich die Franzosen in der Beurteilung des Gegners. Schon lange hatte kein Team sie so sehr unter Druck gesetzt wie die Dänen, die sich über die gesamte Spielzeit einfach nicht abschütteln ließen.

Beste WM-Ergebnis seit 1967

Es fehlte nicht viel dazu, dass sie die Franzosen tatsächlich entthront hätten.

Vor allem Torhüter Niklas Landin und WM-Torschützenkönig Mikkel Hansen ließen die über den Öresund angereisten Fans lange vom ersten dänischen WM-Titel träumen.

"Wir hatten die Chance zu gewinnen", ärgerte sich Hamburgs Hans Lindberg im Gespräch mit SPORT1: "In der Verlängerung hatten wir das Momentum auf unserer Seite. Doch wir werfen zwei doofe Bälle weg, und dann wird es natürlich schwer gegen Frankreich."

Und Lars Christiansen meinte: "Wir sind jetzt sehr enttäuscht, aber morgen werden wir uns freuen." Für die Dänen bedeutet die Silbermedaille das beste WM-Ergebnis seit dem verlorenen Finale 1967.

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Alles hatte normal begonnen...

Dass die Partie überhaupt so eng werden würde, war lange nicht abzusehen.

Alles hatte so normal begonnen, schon die erste Spielminute schien die Kräfteverhältnisse schnell gerade zu rücken.

Didier Dinart und Bertrand Gille nahmen den bemitleidenswerten Kasper Söndergaard in die Mangel, der Däne krachte auf den Hallenboden. Die französische Abwehr zwang dem Gegner gleich in dessen erstem Angriff ein Zeitspiel auf.

Und vorne stieg Fernandez gemütlich hoch, schaute in der Luft nach Abspieloptionen und hämmerte den Ball dann über den Innenpfosten ins Tor. Kurz: Es lief für Frankreich.

Kaltschnäuzigkeit der "Equipe tricolore"

Doch obwohl der Titelverteidiger die Partie die meiste Zeit im Griff hatte, blieben die Dänen in Schlagdistanz und drehten rechtzeitig auf, um sich in die Verlängerung zu retten.

Dann jedoch zeigte sich wieder einmal die Kaltschnäuzigkeit der "Equipe tricolore".

Während die Dänen leicht hektisch wurden, spielten die Franzosen einfach weiter ihr Spiel - im Vertrauen darauf, dass es schon reichen würde.

"Jetzt wird gefeiert"

Während vorne Fernandez das Ruder übernahm, steigerte sich hinten Thierry Omeyer, der in Halbzeit zwei einen kleinen Durchhänger hatte, im rechten Moment.

"Ich habe probiert, nach vorn zu schauen. Am Ende hatte ich zwei Paraden - das reichte zum Sieg", meinte der Kieler Keeper zu seiner Schwächephase und widmete sich der Abendplanung.

"Wir haben diesen Monat fast kein Bier getrunken", bekannte Omeyer grinsend: "Jetzt wird gefeiert, das haben wir uns verdient."

Routine im Feiern

Wenig später drückte an gleicher Stelle die Pressedame des französischen Verbandes Karabatic eine Flasche Heineken in die Hand.

Zu wild sollte die Feier aber nicht werden, versprachen die Spieler unisono. Schon Montagfrüh ging der Flieger heim nach Paris.

"Les Bleus" haben einen Termin bei der Sportministerin, dann werden sie auf den Champs Elysees von den Fans gefeiert. Routine eben.

Bertrand Gille dachte schon einen Schritt weiter. Hamburgs Kreisläufer meinte: "Beim nächsten Wettbewerb wollen wir wieder voll da sein." Dass sein Team unersättlich ist, dürfte mittlerweile wirklich jeder verstanden haben.

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