Die Antwort auf die Trainerfrage beim DHB ist eine, die sich halbherzig und mutlos liest. Aber es gibt keine bessere.

Menschen, die sehr lange in einem wichtigen Job sind, machen am Ende oft einen großen Fehler.

Sie verwachsen in Gedanken so sehr mit ihrer Position, dass sie sich am Ende für unverzichtbar halten. Man kann es die Helmut-Kohl- oder die Bahnchef-Mehdorn-Krankheit nennen.

Heiner Brand ist auch schon sehr lange in seinem Job als Bundestrainer, Gesicht und Schnauzbart der Handball-Nation.

Man kann ihm aber nicht vorwerfen, der Krankheit verfallen zu sein.

Er wollte nach der enttäuschenden WM abtreten. Abhalten mussten ihn davon andere: Verband, Liga, Spieler, alte Weggefährten.

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Ist das mutlos? Ist das ein hilfloses Klammern an einen Mann, dessen Zeit abgelaufen ist?

Aus der unbestimmten Angst davor, dass auf eine so prägende Figur doch wohl nur ein großes Nichts, bestenfalls ein schlechterer Bundestrainer mit einem weniger schönen Schnauzbart folgen kann?

Der Gedanke scheint immer mehr um sich zu greifen nach der langen Hängepartie um Brands Zukunft und der nun präsentierten Lösung:

Brand bleibt, aber nur bis zum Sommer und bis dahin wird noch weitergehangen - auf die Gefahr hin, dass Brand nun als "Lame Duck", als lahme Ente, dasteht.

Es ist eine Lösung die nicht schön aussieht für die Freunde von Parolen wie "klarer Schnitt", "ganz oder gar nicht" oder "Ein bisschen schwanger gibt es nicht".

Aber bei genauerer Betrachtung: Hätte es wirklich eine bessere gegeben als die, dass Brand nun noch ein bisschen Bundestrainer ist?

Die EM-Qualifikation und die letzte Chance auf Olympia beginnt in vier Wochen. Bis dahin hätte ein neuer Trainer keine Gelegenheit gehabt, etwas zu bewirken ? und wäre nur Gefahr gelaufen, sich direkt den ersten Stempel des Gescheiterten abzuholen.

Gehabt hätte davon niemand etwas.

Von der stattdessen vereinbarten Lösung haben nun alle etwas: Brand bekommt die Chance, in der EM-Qualifikation die Schmach von Schweden zu tilgen und sich entweder einen besseren Abgang zu verschaffen - was, nebenbei gesagt, hochverdient wäre. Oder er kann tatsächlich einen erfolgreichen Neuanfang gestalten, an dem er weiter teilhaben kann.

Zugleich kann er bis Juni besser abklopfen, ob die von ihm geforderte Unterstützung der Liga für seine Strukturreformen nur aus netten Worten oder auch aus hilfreichen Taten besteht.

Der Verband kann derweil ohne schlechtes Gewissen die Zeit nach dem Bundestrainer Brand planen.

Mit dem Gedanken, dass die nahe ist, muss sich die Handball-Nation nun aber wirklich ernsthaft befassen.

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