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Lars Kaufmann (M.) blickt trotz einiger Unruhen zuversichtlich auf die WM © getty

Vor dem WM-Auftakt gegen Russland herrscht Unruhe im deutschen Team. Lars Kaufmann gibt sich bei Sport1.de unbeeindruckt.

Von Julian Meißner

München - Vor dem Start in das Unternehmen Titelverteidigung rumort es bei Weltmeister Deutschland.

Zum einen bereitet Bundestrainer Heiner Brand die Verletzung von Spielmacher und Hoffnungsträger Michael Kraus weiter Kopfschmerzen.

Der Lemgoer Mittelmann droht mit seiner Muskelverletzung in der Wade für die gesamte Vorrunde auszufallen, wurde aber von Brand in den 15er-Kader berufen (Startschuss zur Vorrunde: Kraus im Kader) .

Beim Auftaktspiel gegen Rekord-Olympiasieger Russland (Samstag, 17.15 Uhr LIVE) fällt "Mimi" auf jeden Fall aus, wie der DHB nach einem abschließenden Test am Samstagmorgen mitteilte. Sein Vereinskollege, der erst 22-jährige Martin Strobel, muss die Fäden im Rückraum ziehen.

Nur zu fünfzig Prozent belastbar

"Ein Spiel käme für mich noch zu früh. Ich habe hier nur zu fünfzig Prozent belastet und fühle mich noch nicht richtig sicher", sagte Kraus, der am vergangenen Sonntag einen Muskelfaserriss in der linken Wade erlitten hatte.

Eine solche Verletzung brauche ihre Zeit. Man wolle auf keinen Fall zu früh beginnen, aber insgesamt habe es schon recht vielversprechend ausgesehen, meinte DHB-Mannschaftsarzt Berthold Hallmaier.

Möglicherweise steht Kraus Bundestrainer Heiner Brand im zweiten Vorrundenspiel am Sonntag gegen Tunesien zur Verfügung.

Ausrüster sorgen für Streit

"Das ist jetzt ein bisschen schwierig in der Gesamtzusammensetzung", kommentierte Brand am Freitag.

Zum anderen sorgt ein Bericht der Zeitung "Handelsblatt" für Wirbel, nachdem es zu einem Streit zwischen einigen Nationalspielern und dem Deutschen Handball-Bund gekommen ist.

Dabei soll es um Ausrüsterfragen und die Abtretung von Persönlichkeitsrechten gehen.

Der Verband habe die Spieler mit der Unterschrift eines Dokuments dazu verpflichten wollen, sich zu bestimmten Pflichten gegenüber Sponsoren und Ausrüstern des DHB zu bekennen.

Gütschow rät von Unterschrift ab

Das Blatt zitiert den namhaften Spielerberater Wolfgang Gütschow: "Nach Prüfung muss ich meinen Mandanten aus rein juristischen Gründen von einer Unterzeichnung der vorgelegten Version abraten."

Gütschow hat mit Pascal Hens, Sebastian Preiß, Michael Müller, Carsten Lichtlein, Jens Tiedtke und Stefan Schröder gleich sechs Nationalspieler unter seinen Fittichen.

In dem Papier, das laut "Handelsblatt" noch keiner der Spieler unterschrieben hat, geht es unter anderem um die freie Schuhwahl, mit deren Umgang einst die Kollegen des Deutschen Fußball-Bundes für Negativ-Schlagzeilen sorgten.

Auftaktsieg als Basis

"Das schlägt mit Sicherheit auf die Stimmung", meinte Gütschows Kollege Jochen Bergener, der unter anderem dem angeschlagenen Kraus, Holger Glandorf und Oliver Roggisch beratend zur Seite steht. "Das ist der Versuch, die Spieler zu gängeln", wettert Bergener.

Die deutschen Handball-Fans hoffen natürlich, dass sich die Spieler dennoch auf das Wesentliche konzentrieren und sich mit einem Auftaktsieg wichtige Punkte für den Einzug in die Hauptrunde sichern. Zumal ein erster Erfolg dem unerfahrenen Team Selbstvertrauen einflößen würde.

"Müssen voll powern"

"Viel wird davon abhängen, wie wir in das Turnier hinein kommen", sagte auch Lars Kaufmann zu Sport1.de. Einige der Vorrundengegner würden zudem unterschätzt.

"Wir müssen voll powern, um in die Hauptrunde zu kommen", so der Lemgoer, dessen Wechsel nach der Saison von Lemgo zu Frisch Auf Göppingen erst kurz vor Turnierstart bekannt wurde.

"Wir sind junge, ehrgeizige Spieler und wollen jedes Spiel gewinnen", betont Kaufmann: "Chancen, um die vorderen Plätze mitzuspielen, sind auf jeden Fall da. Es sind einige neue Gesichter dabei, aber alle haben sich gut eingelebt und integriert."

Tschigarew löst Maximow ab

Bei Gegner Russland sitzt ein neuer Trainer auf der Bank: Nikolaj Tschigarew löste nach den Olympischen Spielen von Peking Urgestein Wladimir Maximow ab, dessen Assistent er über lange Jahre war.

"Dennoch habe ich den Eindruck, dass sich nicht viel geändert hat", sagt Sport1.de-Analyst und DSF-Experte Bob Hanning. Nach wie vor nährt sich die "Sbornaja" zu großen Teilen aus dem Kader des Abonnement-Meisters Medwedi Tschechow.

Ein Kilogramm Currywurst

Eine besondere Motivation für das Turnier erhielt der deutsche Bundestrainer aus seiner oberbergischen Heimat. Sollte sein Team den Titel erfolgreich verteidigen, erhält Brand von einem Gummersbacher Unternehmer lebenslang monatlich ein Kilogramm Currywurst.

Auch wenn es gut gemeint ist: Heiner Brand hat derzeit wirklich andere Sorgen.

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