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Daniel Stephan gewann mit Deutschland bei den Olympischen Spielen 2004 Silber © getty

Daniel Stephan räumt dem DHB-Team gegen Mazedonien gute Chancen ein. Doch dafür muss ein Schlüsselspieler ausgeschaltet werden.

Von Matthias Becker

München/Varazdin - Für die deutsche Mannschaft geht die WM in Kroatien am Mittwoch endgültig in ihre heiße Phase.

Im vorletzten Vorrundenspiel der Gruppe C gegen Mazedonien (ab 17.15 Uhr LIVE) reicht dem Team von Bundestrainer Heiner Brand ein Sieg, um den vorzeitigen Einzug in die Hauptrunde klar zu machen.(DATENCENTER: Alle Tabellen)

Doch die Weltmeister sind gewarnt: Mazedonien besiegte zuletzt Vize-Weltmeister Polen (Polen patzt gegen Mazedonien), wobei Kiril Lazarov mit 13 Toren bester Mann auf dem Feld war.

Stephan ist optimistisch

"Mit Lazarov haben sie auf halbrechts einen überragenden Mann", benennt DSF-Experte Daniel Stephan im Interview mit Sport1.de die größte Stärke der Mazedonier.

Stephan traut dem DHB-Team eine weitere Steigerung zu, auch wenn er nicht an den ganz großen Wurf glaubt.

Sport1.de: Herr Stephan, nach drei Vorrundenspielen liegt die deutsche Mannschaft in der Gruppe C auf Platz eins. Wie zufrieden sind Sie mit den Auftritten des DHB-Teams bislang?

Daniel Stephan: Es war ein holpriger Start ins Turnier, aber eine Mannschaft muss sich auch immer erst finden. Das erste Spiel ist immer schwierig und mit einem Unentschieden gegen Russland kann man leben - auch wenn bei fünf Toren Vorsprung acht Minuten vor Schluss eigentlich nichts mehr passieren darf.

Sport1.de: Aber das Potenzial ist da, oder?

Stephan: Das zweite Spiel gegen Tunesien war schon besser, da wurde die Nervosität abgelegt. Das Algerien-Spiel sollte man gar nicht bewerten, das kann kein Maßstab sein. Wir sind im Turnier angekommen, es gibt aber auf jeden Fall noch Steigerungspotenzial. Vor allem die technischen Fehler müssen weniger werden. Aber ich denke schon, dass wir mit einem positiven Punktekonto in die Hauptrunde gehen können.

Sport1.de: Heiner Brand hat einige junge Spieler eingebaut. Kann man mit deren Leistung zufrieden sein?

Stephan: Martin Strobel musste gleich im ersten Spiel volle Verantwortung übernehmen und spielte da ein bisschen verkrampft. Gegen Tunesien hat er das Spiel schon wesentlich besser gestaltet. Michael Müller macht einen guten Eindruck, gibt Holger Glandorf Verschnaufpausen und entwickelt sehr viel Zug zum Tor. Damit kann man zufrieden sein. Schade nur, dass Christian Sprenger sich verletzt hat.

Sport1.de: Jetzt geht es ins vorentscheidende Gruppenspiel gegen Mazedonien. Wie sehen sie die Sieg-Chancen?

Stephan: Mazedonien hat im Spiel gegen Polen ein Highlight gesetzt und überragend gespielt. Mit Lazarov haben sie auf halbrechts einen überragenden Mann. Es wird wichtig sein, seine Kreise zu stören. Aber wir sind stark genug, haben eine starke Deckung mit sehr guten Torhütern. Nur den Gegenstoß müssen wir noch etwas verbessern.

Sport1.de: Liegt Mazedonien dem deutschen Team denn besser als die letzten Gegner?

Stephan: Sie spielen europäischer als die bisherigen Gegner. Es kommt uns zu Gute, dass sie keine zu offensive Deckung spielen. Sie spielen zwar etwas unorthodox und attackieren aus der 6:0-Abwehr heraus manchmal schon bei neun oder zehn Metern, aber wir sollten besser zurecht kommen als gegen Tunesien.

Sport1.de: Kann man einen Spieler wie Lazarov überhaupt ausschalten?

Stephan: Der Bundestrainer wird zwar mit der 6:0-Deckung anfangen. Ich glaube aber schon, das Torsten Jansen etwas offensiver gegen Lazarov decken wird. Aber es darf auch nicht zu offensiv werden, weil der Mittelmann auch gut die Lücken nutzen kann.

Sport1.de: Am Donnerstag steht dann die Neuauflage des WM-Finales gegen Polen an. Erwartet uns ein ähnlich heißes Spiel wie in den vergangenen Aufeinandertreffen?

Stephan: Auf jeden Fall. Das wird ein ganz heißes Spiel. Es geht ja auch darum, wer mit wie viel Punkten in die Hauptrunde einzieht. Bogdan Wenta wird seine Truppe sicherlich heiß machen. Es wird viel darauf ankommen, ob Kryzstof Lijewski wieder spielen kann, er ist in überragender Form

Sport1.de: Was wird der Schlüssel zum Erfolg sein?

Stephan: Da trifft das individuelle Spiel der Polen auf den Teamgeist Deutschlands. Und ich hoffe, das die Mannschaftsleistung letztlich entscheidend ist.

Sport1.de: Frankreich, Kroatien oder auch Schweden haben im Turnierverlauf schon Ausrufezeichen gesetzt. Wer sind für Sie die Top-Favoriten auf den Titel?

Stephan: Ich habe vor dem Turnier gesagt, dass Kroatien und Frankreich im Finale stehen werden - und daran halte ich auch fest. Auch wenn die Kroaten etwas holprig gestartet sind und das Auftaktspiel eigentlich hätten verlieren müssen. Aber auch Schweden macht einen sehr guten Eindruck und bräuchten ja einen "Big Point", um sich wieder in der Weltspitze zu etablieren.

Sport1.de: Wie weit kann Deutschland denn kommen?

Stephan: Das hohe Ziel ist das Halbfinale und das ist auch möglich, wenn alle an ihre Leistungsgrenze kommen. Aber das wird kein Selbstläufer und sehr schwierig. Wir können auch gut spielen und trotzdem nicht das Halbfinale erreichen. Dann sollte man nicht zu enttäuscht sein.

Sport1.de: Wie ist die Stimmung in Kroatien, gerade im Vergleich zur WM 2007?

Stephan: Diese Vergleiche hinken etwas, natürlich waren in Deutschland viel mehr Fans in den Hallen. Aber die Hallen sind fast alle neu und sehr schön und es ist ganz gut besucht. Die kroatischen Fans sind eher auf der Seite der Deutschen, aber es sind auch sehr viele mazedonische Fans hier. Das wird ein Hexenkessel.

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