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Holger Glandorf (M.) war mit neun Treffern bester deutscher Werfer © getty

Dank einer Leistungssteigerung in Halbzeit zwei zieht Deutschland in die WM-Hauptrunde ein. Vor allem ein Nachnominierter glänzt.

Varazdin - Die Weltmeister lagen sich glücklich in den Armen, die kleine Fankolonie feierte lautstark und der Bundestrainer lobte sich sogar selbst:

Mit dem bislang besten Turnierauftritt und einem 33:23 (13:14) über Mazedonien hat Titelverteidiger Deutschland bei der WM in Kroatien das erste Etappenziel erreicht und steht vorzeitig in der Hauptrunde.

"Die Erleichterung ist natürlich sehr groß. Es wäre kein angenehmes Gefühl gewesen, wenn wir das letzte Gruppenspiel unbedingt hätten gewinnen müssen", sagte Bundestrainer Heiner Brand.

Nun geht seine Mannschaft ungeschlagen und mit 7:1 Punkten in die Neuauflage des WM-Finals im letzten Vorrundenspiel gegen Polen (6:2) am Donnerstag (ab 17.15 Uhr LIVE).

Dabei steht im direkten Duell nicht nur der Gruppensieg auf dem Spiel, sondern auch die ersten Punkte für die Hauptrunde, denn die Zähler gegen die ebenfalls bereits qualifizierten Polen werden mitgenommen.(DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Dritter Sieg im vierten Spiel

Den dritten Sieg im vierten Spiel in Varazdin hatte die spielerisch zunächst erneut nicht überzeugende deutsche Mannschaft diesmal vor allem "Last-Minute-Ersatz" Christian Schöne (8) und Holger Glandorf (9) zu verdanken. Michael Kraus traf zudem siebenmal.

Schöne war erst vier Stunden vor der Partie in Varazdin eingetroffen, ihn hatte Heiner Brand nach dem Ausfall seiner beiden Rechtsaußen Christian Sprenger (Innenbandriss) und Stefan Schröder (Grippe) kurzfristig einfliegen lassen.

"Ein bisschen Druck ist jetzt weg

"Da habe ich nicht die schlechteste Entscheidung getroffen", meinte Brand grinsend.

Auch Schöne selbst strahlte über das ganze Gesicht. "Vor 24 Stunden saß ich noch auf dem Sofa und jetzt bin ich im WM-Turnier", sagte der Göppinger. Auch für den Rechtsaußen zählte schon kurz nach der Glanzvorstellung nur Polen.

"Ein bisschen Druck ist jetzt weg. Aber wir müssen die Polen schlagen, damit wir eine realistische Chance in der Hauptrunde haben. Wir müssen wieder Vollgas geben, denn gegen uns sind die Polen immer besonders heiß", meinte Torwart Johannes Bitter und Holger Glandorf merkte ganz bescheiden an: "Ich komme immer besser in Schwung."

Kraus erstmals von Beginn an

Mit Schlossbesichtigung, Stadtspaziergang und Massagen hatten sich die Deutschen am Ruhetag auf ihr erstes Entscheidungsspiel im kroatischen Varazdin eingestimmt. 57385(DIASHOW: Schlossbesuch der Handball-Könige)

Spielmacher Kraus lief dann nach seinem überstandenden Muskelfaserriss erstmals bei dieser WM in der Startformation auf.

Einen Spezialauftrag hatte die deutsche Abwehr um Oliver Roggisch: Denn auf Halbrechts wartete in Kiril Lazarov der bislang beste Torschütze des Turniers, allein beim Überraschungserfolg gegen Polen hatte er in 16 Versuchen 13 Mal getroffen.

Schwacher Beginn der deutschen Mannschaft

Doch während Lazarov nach 15 Minuten schon fünf Tore geworfen hatte, leistete sich die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) wie schon in den vorangegangenen Partien vor allem aus dem Rückraum zu viele Fehlwürfe.

Von konzentriertem Positionsangriff, wie Heiner Brand ihn immer wieder fordert, war zunächst nicht viel zu sehen. Glücklicherweise behielten Schöne, Glandorf und Torsten Jansen bei schönen Einzelaktionen aber die Nerven. Der bislang beste deutsche Torschütze Pascal Hens blieb dagegen blass, musste bis zur 51. auf seinen ersten Treffer warten.

Erst in der 24. Minute brachte Kraus mit seinem Treffer zum 12:11 Deutschland erstmals in Führung. Im Anschluss hatte die die Brand-Sieben dann im zunehmend hektischen Spiel noch Glück, als die Mazedonier eine Überzahl nach der anderen beinahe leichtfertig verspielten, ohne sich absetzen zu können.

Lazarov verliert die Nerven

Die Deutschen kamen gut eingestellt aus der Pause, zeigten sich in der Abwehr verbessert und auch Johannes Bitter hielt am Ende überragend.

So wurde Schöne immer wieder bei schnellen Gegenstößen auf den Weg geschickt und der Linkshänder verwandelte eiskalt. Auch seine Nebenleute waren im Abschluss nun wesentlich sicherer.

Doch so richtig Ruhe kehrte im Deutschen Spiel erst in den letzten zehn Minuten ein. Die Mazedonier schwächten sich dann allerdings selbst, als der bis dahin insgesamt neunmal erfolgreiche Lazarov die Nerven verlor und nach einem Ellbogenschlag gegen Klein (46.) die Rote Karte sah.

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