DSF-Experte Bob Hanning, Manager der Füchse Berlin, analysiert für Sport1.de die deutschen Partien bei der WM. Heute: das Gruppenspiel gegen Mazedonien.

Liebe Handball-Freunde,

ich bin mal gespannt, was die Kritiker der deutschen Mannschaft nach dem Sieg gegen Mazedonien wieder zu meckern haben.

Für mich war das eine sehr ordentliche Leistung. Schon zur Pause hätten wir geführt, wenn Johannes Bitter da bereits seine WM-Form gehabt hätte.

Es war klar, dass es gegen die Mazedonier mit zunehmender Spieldauer immer einfacher wird. Ihr Spiel ist sehr stark auf Kiril Lazarov ausgerichtet. Und je mehr Spiele sie machen, desto schneller schwinden ihre Kräfte. Das war nur eine Frage der Zeit und der Geduld.

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Deshalb bin ich auch froh, dass wir die Mazedonier so spät in der Vorrunde bekommen haben. Es war zu erwarten, dass die Anzeige - vor allem bei Lazarov - irgendwann auf Reserve geht.

Die Rote Karte war da schon die Frustration der Chancenlosigkeit.

Im Gegensatz zu den Olympischen Spielen merkt man, dass die deutsche Mannschaft wieder Spiele gewinnen will. Egal was ist, der Zusammenhalt ist wieder da. Alle versuchen gemeinsam, ein großes Ziel zu erreichen. Bei Olympia standen viele da und haben erstmal geguckt, was der andere so macht.

Die Nominierung von Christian Schöne, Stefan Schröders Grippe "sei Dank", ist voll aufgegangen. Das kann noch ein wichtiger Faktor werden.

Außerdem wird auch Michael Kraus jetzt von Spiel zu Spiel besser. Da brauchen wir uns keine Gedanken zu machen. Jetzt ist er bei achtzig Prozent, in der Hauptrunde ist er dann bei hundert, weil er jetzt seine Spielpraxis bekommt.

Wie sich so eine WM für den Handball auswirkt, merken wir übrigens gerade bei uns in Berlin. Wir hatten an einem Tag einen Kartenumsatz von 300 Tickets. Das ist für einen einzelnen Tag Rekord.

Und das wird auch nicht abreißen und zeigt, wie wichtig die Nationalmannschaft für eine Sportart ist und wie wichtig die Präsenz im Fernsehen ist. Wir haben die stärkste Liga der Welt bei uns vor der Haustür.

Das Spiel gegen Polen steht jetzt unter einem ganz anderen Stern, wobei der Druck trotz des feststehenden Weiterkommens riesig sein wird.

Dieses Spiel entscheidet über das Halbfinale, das ist die wichtigste Partie überhaupt, auch wenn die Hauptrunde schon erreicht ist.

Ein Sieg gegen Polen ist der Schlüssel zu einer Sensation. Denn nichts anderes wäre das Erreichen des Halbfinales mit einer Mannschaft im Umbruch.

Ihr Bob Hanning

Bob Hanning, 39, nimmt während der WM bei Sport1.de kein Blatt vor den Mund. Hanning führte die Füchse Berlin als Geschäftsführer in die Handball-Bundesliga. Er war unter Heiner Brand Assistent bei der Nationalmannschaft und trainierte unter anderem den HSV in der Bundesliga. Für das DSF ist er als Co-Kommentator während der WM 2009 im Einsatz. Weitere Informationen zum Sport1.de-Experten finden Sie unter www.bob-hanning.de.

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