DSF-Experte Bob Hanning, Manager der Füchse Berlin, analysiert für Sport1.de die deutschen Partien bei der WM. Heute: das Hauptrundenspiel gegen Norwegen.

Liebe Handball-Freunde,

nun haben wir also den zweiten Matchball vergeben. In der Schlussphase hatten wir gegen Norwegen wie auch schon gegen die Serben die Chance, den Halbfinaleinzug perfekt zu machen, haben sie aber leider nicht genutzt.

Zu den Schiedsrichtern muss man ganz klar sagen: Das ging überhaupt nicht, nicht nur was die letzte Szene angeht.

[image id="f8d1371d-6677-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Man kann Spiele verpfeifen und man kann latent in eine Richtung pfeifen. Und die beiden haben latent schlecht und latent gegen uns gepfiffen. Kristian Kjelling konnte unzählige Schritte machen, die Rote Karte von Tiedtke war übertrieben und das mehrmalige Zurückpfeifen am Schluss ist schlicht nicht zu erklären.

Diese Entscheidungen und die schlechte Chancenverwertung haben uns das Genick gebrochen.

Was den Bundestrainer angeht: So erbost habe ich Heiner Brand in den vier Jahren, in denen ich mit ihm gearbeitet habe, noch nie gesehen. Er ist wirklich an die Grenze gegangen.

Ein Kompliment hat Silvio Heinevetter verdient, das habe ich aber auch nicht anders erwartet. 41 Prozent gehaltene Bälle sind ein Top-Wert.

Eine Katastrophe ist dagegen die neuerliche Verletzung von Michael Kraus. Man braucht keine medizinische Ausbildung um zu sehen, dass bei ihm etwas am Bandapparat kaputt ist.

Danach war im Rückraum Holger Glandorf auf sich allein gestellt, zumal Pascal Hens ja mit Oberschenkelproblemen draußen saß. Und Martin Strobel hat leider in der Endphase zu wenig Torgefahr ausgestrahlt.

Nun haben wir ein echtes Endspiel gegen Dänemark und damit einen dritten Matchball. Warum sollten wir den nicht nutzen? Vielleicht kommt aus der Mannschaft in dieser schwierigen Situation ja eine Trotzreaktion.

Wenn wir ins Halbfinale wollen, müssen wir aber unsere Quote vom Siebenmeterpunkt endlich verbessern. 15 von 25 Strafwürfen zu verwandeln ist einfach zu wenig - und Kaltschnäuzigkeit vom Punkt war früher eine unserer großen Stärken.

Ihr Bob Hanning

Bob Hanning, 39, nimmt während der WM bei Sport1.de kein Blatt vor den Mund. Hanning führte die Füchse Berlin als Geschäftsführer in die Handball-Bundesliga. Er war unter Heiner Brand Assistent bei der Nationalmannschaft und trainierte unter anderem den HSV in der Bundesliga. Für das DSF ist er als Co-Kommentator während der WM 2009 im Einsatz. Weitere Informationen zum Sport1.de-Experten finden Sie unterwww.bob-hanning.de.

Zum Forum - jetzt mitdiskutierenZurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel