Die Schiedsrichter bei der WM erzürnen nicht nur Heiner Brand. Es gäbe Ansatzpunkte, damit die Referees öfter richtig liegen.

Die vergangenen Tage müssen selbst dem eingefleischtesten Handball-Fan die Zornesröte ins Gesicht getrieben haben. Selbst der sonst so besonnene Bundestrainer war bekanntlich ob nicht nachvollziehbarer Schiedsrichterentscheidungen ganz dicht davor, sich zu vergessen (Bob Hanning: Heiner ist an die Grenze gegangen) .

Denn was bei der Weltmeisterschaft in Kroatien teilweise von der Spielleiter-Zunft geboten wurde, war schlicht haarsträubend.

Zur Entschuldigung der Herren in schwarz muss gesagt werden: Der Handballsport ist aufgrund seiner komplexen Spielstruktur anfällig für Fehlentscheidungen.

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Und da sich die Spiele auf Spitzenniveau zumeist in den letzten Minuten entscheiden, wirken Grenzfälle, bei denen den Schiedsrichtern offensichtlich angesichts des laxen Regelwerks ein zu großer Ermessensspielraum zuteil wird, in dieser Phase besonders schwer (Aus der Traum: Deutschland verpasst das Halbfinale) .

Nur absolute Top-Gespanne sind zudem in der Lage, dem Druck in den Hallen unter ohrenbetäubendem Lärm standzuhalten.

Von diesen Spitzenmännern an der Pfeife gibt es anscheinend gerade einmal eine Handvoll, weshalb bei den Titelkämpfen auch weniger erfahrenen Schiedsrichter wichtige Partien zu leiten haben. Die Folge ist, dass oftmals keine klare Linie zu erkennen ist. Nur eines scheint in Stein gemeißelt: Gastgeber wie Kroatien heute oder Deutschland 2007 werden bevorteilt.

Der Weltverband könnte dieses Problem zumindest entschärfen, indem er Grauzonen aus dem Regelwerk entfernt und den Gespannen ihren Job damit erleichtert. Seit Jahren versuchen Experten, die IHF in diese Richtung zu bewegen.

Oder man orientiert sich an anderen Sportarten, investiert mehr in die Schiedsrichter und ihre Ausbildung und schickt Profis an den Start.

Nur ist der Verband träge, steht Neuerungen traditionell skeptisch gegenüber. Hinzu kommt, dass der Korpus IHF nicht nur eine Problemzone sein Eigen nennt.

Ein - um es vorsichtig zu formulieren - eigenwilliger Präsident, ein ernsthafter Konflikt mit der WADA und damit auch dem IOC sowie Beschuldigungen über Korruption und verschobene Spiele: All das beschäftigt den Verband offenbar zu sehr, als dass er sich auf das Wesentliche konzentrieren könnte, nämlich sich um den Sport zu sorgen.

Doch wenn das nächste Großturnier eine ähnlich frappierende Außenwirkung hat und die Negativmeldungen aus den Reihen der IHF-Funktionärsriege nicht abreißen, muss man die Seriösität des Sportes ernsthaft in Frage stellen.

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