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Domagoj Duvnjak erzielte im Halbfinale gegen Polen vier Treffer © getty

Im WM-Finale gegen Frankreichs Ausnahmeteam wird sich zeigen, ob Kroatiens Domagoj Duvnjak schon die ganz große Klasse hat.

Von Julian Meißner

München - Die Spiele der Kroaten bei der WM im eigenen Land werden im Grunde zweimal angepfiffen: Einmal wenn der Anwurf erfolgt, und einmal wenn die Ikone Ivano Balic das Feld betritt.

Der Lärmpegel bei letzterer Zeremonie übertrifft meist den gewöhnlichen Torjubel.

Doch Balic, der in guter Verfassung immer noch der beste Handballer der Welt ist, läuft körperlich angeschlagen seiner Form hinterher.

Der kroatische Fahnenträger der Olympischen Spiele in Peking quälte sich vor dem Turnier mit Rückenproblemen herum, dann kam noch eine Fußverletzung hinzu.

Deshalb spielt er bei der Heim-WM eigentlich nur, wenn es eng wird um die Auswahl von Trainer Lino Cervar. In der Startaufstellung stand er so gut wie nie.

Duvnjak tritt aus dem Schatten

Mühe hatte die überragend besetzte und erfahrene Mannschaft, die ohne Punktverlust durch das Turnier bis ins Finale marschierte, ohnehin kaum. Zuletzt bekam man sogar mehr und mehr den Eindruck, Balic würde eigentlich gar nicht mehr gebraucht.

Denn sein designierter Nachfolger und Vereinskollege bei RK Zagreb, der 20-jährige Domagoj Duvnjak, hat sich endgültig aus dem Schatten des Superstars gelöst.

Der Modellathlet (1,97m/98kg) hat trotz seines Alters schon über 40 Länderspiele absolviert, ist schnell, gewandt, hat einen erstklassigen Wurf und vor allem ein phänomenales Auge. Knapp vier Tore erzielt er als Spielmacher im Schnitt für sein Land bei dieser WM. Seine Wurfquote liegt bei 60 Prozent, einem hervorragenden Wert für einen Rückraumspieler.

Nation auf Gold programmiert

Und auch in Sachen pathetischer Rhetorik steht Duvnjak Balic in nichts nach. Er sagt: "Wir fürchten niemand. Auf dem Feld müssen wir unser Herz geben. Nur so können wir gewinnen."

Im Endspiel gegen Olympiasieger Frankreich am Sonntag (17.15 Uhr LIVE ) soll er nun vollenden, worauf das Handball-verrückte Kroatien schon seit geraumer Zeit wartet: Die Mannschaft, die ganze Nation ist auf Gold programmiert.

Doch den Kroaten, die ausgerechnet in Rechtsaußen Ivan Cupic, dem Ersatz für die unter mysteriösen Umständen zurückgetretene Legende Mirza Dzomba ihren besten Werfer haben, stellt sich ein mächtiger Gegner in den Weg.

Furchterregende Akteure

Olympiasieger Frankreich verfügt über die besten Einzelspieler der Welt, der Rückraum sucht trotz der Ermangelung eines hochkarätigen Linkshänders seinesgleichen.Welthandballer Nikola Karabatic, Chamberys Daniel Narcisse und Routinier Jerome Fernandez vom FC Barcelona bilden eine furchterregende Achse.

Ein Schauder läuft so manchem Handballer auch über den Rücken, wenn er über Zweikämpfe mit Didier Dinart nachdenkt.

Der beinhart spielende Abwehrchef von Ciudad Real setzte zwar im Halbfinale mit Hüftproblemen aus, kündigte aber an: "Ich werde spielen. Das ist sicher." Es klingt wie eine Drohung.

Freundschaftsspiel in der Hauptrunde

Und im Tor steht mit Thierry Omeyer und Daouda Karaboue das wohl stärkste Gespann des Turniers. Beide gehören der Statistik nach zu den Top Ten dieser WM. Auch auf den Außenpositionen kann man bei dem pfeilschnellen Michael Guigou (links) und Sprungwunder Luc Abalo kaum eine Schwäche erkennen.

Und dass die Kroaten im Vergleich mit den Franzosen zu Ende der Hauptrunde mit 22:19 die Nase vorne hatten?

"Das zählt nicht. Das Finale wird eine andere Nummer", sagt der französische Coach Claude Onesta, dessem Team auch vor der imposanten Kulisse von über 15.000 Fans nicht bange ist.

Kampfansage von Abati

"Wir werden das Finale nicht spielen um es zu spielen, sondern um es zu gewinnen", kündigte der nachnominierte Joel Abati, der einst für den SC Magdeburg auf Torjagd ging, an.

Die Gastgeber werden also alle Kräfte bündeln und die Energie des Publikums nutzen müssen, um die Franzosen zu schlagen.

Reifeprüfung unter des Meisters Augen

Wie viel Spielanteile Balic bekommen wird, hängt vor allem von der Performance Duvnjaks ab. Der Meister dürfte aber nicht böse sein, wenn sein Schüler über weite Strecken den Vorzug bekommt.

Denn eine Szene wiederholte sich in allen neun Spielen der Kroaten bei der Heim-WM: Duvnjak kehrt nach einer erfolgreichen Aktion auf die Bank zurück und holt sich einen Klaps von Balic ab.

In diesen Momenten wirkt Balic, weise lächelnd, mit seinen 29 Jahren wie ein alter Mann.

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