DSF-Experte Bob Hanning, Manager der Füchse Berlin, analysiert für Sport1.de die WM. Er hat die Tops und Flops der Titelkämpfe.

Liebe Handball-Freunde,

der Handball-Boom geht weiter. Vor dem Turnier hätte ich die Leistung der deutschen Mannschaft nicht für möglich gehalten. Ich war vor der WM der Mannschaft gegenüber sehr kritisch, aber inzwischen bin ich, vor allem was die Zukunft angeht, viel beruhigter.

Mit dem Erreichten können wir wirklich zufrieden sein, auch wenn vielleicht im Nachhinein mehr drin gewesen wäre. Aber aufgrund der Verletzungen war Größeres einfach nicht möglich. Dennoch, wir sind auf einem guten Weg. Auch wenn wir noch nicht an den Franzosen dran sind, haben wir wieder die Weltspitze erreicht. Das macht Mut auf mehr.

Wenn ich dann sehe, wie sich bei uns, den Füchsen, der Kartenverkauf in der letzten Woche angebahnt hat, kann ich nur sagen: Danke Deutschland. Sportarten definieren sich über ihre Nationalteams, und unsere ist ein absolutes Aushängeschild.

Die WM hatte Überraschungen, Tops und Flops zu bieten. Meine Flops dieser WM sind:

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Flops: Spanien, Russland und Kroatien

Für mich ist Spanien ganz klar der Super-Flop. Der Trainerwechsel so kurz vor der WM ist nicht aufgegangen. Der Trainer hat der Mannschaft ein neues Abwehrsystem verpasst, einzig, um sich damit durch irgendetwas Neues einzubringen. Es hat nichts gebracht, Spanien ist früh ausgeschieden. Das zeigt, dass blinder Aktionismus einfach nichts bringt.

Zu dem haben mich auch die Russen enttäuscht. Die schwimmen im eigenen Saft, nachdem sie das Traineramt an Nikolaj Tchigarew, den ehemaligen Assistenztrainer von Wladimir Maximov, übergeben haben.

Der Kader besteht fast nur aus Spielern von Medwedi Tschechow. 18 Spieler stehen von dem Verein im Kader. Viele von ihnen dürfen den Verein und das Land nicht verlassen ¬- Diktatur sei Dank. Die Politik hat eingegriffen, aber genauso funktioniert der Sport nicht und das ist auch gut so.

Eventuell ist es ein wenig provokativ, aber ich sehe auch Kroatien als flop. Die Kroaten hatten im Finale gegen Frankreich nichts entgegen zu setzen und verloren. Sie waren der Top-Favorit und sind am Ende doch gescheitert. Sie hatten eine Party-Stimmung im Rücken und konnten diese einfach nicht nutzen.

Und noch am Rande. Das Abhängen der Serbischen Fahne vor einem Spiel darf einfach nicht passieren. Politik hat im Sport nichts zu suchen.

Tops: Brasilien

Die großen Überraschungen der WM sind dieses Jahr, aus meiner Sicht, leider, ausgeblieben. Einzig Brasilien kann als Überraschung angesehen werden.

Der Star dieses Turnier ist der Kroate Domagoj Duvnjak. Auch seinen Landsmann Igor Vori hätte ich gerne genannt, aber seine Reaktion gegen den Schiedsrichter im Finale und der folgenden Roten Karte, darf einem Top-Spieler nicht unterlaufen.

Ein weiterer Star ist ganz klar der Mazedonier Kiril Lazarov. Er hat nicht nur den Torrekord mit 92 Toren (WM-STATISTIK: Die Besten der Besten) übertroffen, sondern er hat mir auch aufgrund seiner Art und Weise, wie er die Mannschaft getragen hat, imponiert.

Ich denke, es ist an dieser Stelle auch mehr als angebracht den neuen Weltmeister Frankreich als Top dieser WM zu nennen. Die haben wirklich klasse Handball gespielt und sind zu Recht Weltmeister geworden.

Am Ende war es eine tolle WM, mit einer überzeugenden deutschen Mannschaft, mit einer tollen Atmosphäre in den Hallen und einem verdienten Weltmeister.

Ihr Bob Hanning

Bob Hanning, 39, nimmt während der WM bei Sport1.de kein Blatt vor den Mund. Hanning führte die Füchse Berlin als Geschäftsführer in die Handball-Bundesliga. Er war unter Heiner Brand Assistent bei der Nationalmannschaft und trainierte unter anderem den HSV in der Bundesliga. Für das DSF ist er als Co-Kommentator während der WM 2009 im Einsatz. Weitere Informationen zum Sport1.de-Experten finden Sie unter www.bob-hanning.de.

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