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Moritz Fürste gewann 2006 bei der Heim-WM in Gladbach Gold mit dem DHB-Team © imago

Bei der EM in Amsterdam geht Deutschland als Mitfavorit ins Turnier. Moritz Fürste gibt bei Sport1.de ein weiteres Ziel vor.

Von Rainer Nachtwey

München - Bevor die deutsche Hockey-Nationalmannschaft zur EM in Amsterdam (22. bis 30. August) aufbrach, musste Moritz Fürste erst noch seinem Beruf in einer Werbeagentur nachgehen.

"Das ist eben unser tägliches Leben", sagt der 24 Jahre alte Nationalspieler bei Sport1.de.

"Ich bin froh, dass ich nicht extra Urlaub nehmen muss. Für die Hockeyaktivitäten bekomm ich von meinem Arbeitgeber frei."

In den Niederlanden peilt Fürste mit seinen Nationalmannschaftskollegen den Titel an. Denn der fehlt dem Olympiasieger von Peking 2008 und Weltmeister 2006 noch in seiner Sammlung.

Im Interview der Woche spricht er über die Gruppengegner, die Rivalität zu den Niederländern und die Damenmannschaft.

Sport1.de: Herr Fürste, wann haben Sie sich das letzte Mal Ihre Goldmedaille von Peking angeschaut?

Moritz Fürste: Erst vor ein paar Tagen. Ich war bei einem Hockey-Camp in London und habe dort die Medaille präsentiert, damit man mit der Medaille und mir Fotos machen konnte.

Sport1.de: Sie haben die Medaille nicht ausgepackt, um sich in Hinblick auf die EM zu motivieren?

Fürste: Nein, es ist im Sport fatal, wenn man versucht aktuelle Ereignisse mit den vorherigen zu vergleichen. Es sind neue Mannschaften und deshalb auch neue Turniere.

Sport1.de: Im Kader sind zehn Olympiasieger. Ist der Hunger auf Erfolge noch da?

Fürste: Auf jeden Fall. Das ist in etwa nur die Hälfte des Kaders. Für viele von uns ist es überhaupt das erste Turnier. Und auch bei uns Olympiasiegern ist der Hunger noch da, weil nur drei vorher schon einmal Europameister geworden sind. Das heißt den anderen Olympiasiegern fehlt dieser Titel. Und den würden wir sicher noch gerne zum Olympiasieg hinzufügen.

Sport1.de: Als Olympiasieger kann nur der Titel das Ziel sein?

Fürste: Ja. Wir haben zwar ein kleines Zwischenziel, nämlich uns für die WM zu qualifizieren. Dafür müssen wir das Halbfinale erreichen. Aber wir haben vor zwölf Monaten olympisches Gold geholt, deshalb müssen wir den Anspruch haben, um den Titel mitzuspielen.

Sport1.de: Wie ist die Stimmung in der Mannschaft?

Fürste: Die Stimmung ist sehr gut. Wir haben die Generalprobe zum Glück verloren, schließlich soll man Generalproben ja immer verlieren. Die Vorfreude auf die EM ist sehr groß. Wir haben ständigen Kontakt untereinander.

Sport1.de: Wie schätzen Sie Ihre Gruppe mit England, Österreich und Belgien ein?

Fürste: Ich denke, dass es die schwierigere Gruppe ist. Belgien und England sind durchaus zwei Gegner, die für uns an einem schlechten Tag zum Problem werden können.

Sport1.de: Österreich ist nicht unbedingt als Hockey-Nation bekannt. Gibt es eine Art ?Großer-Bruder-kleiner-Bruder?-Kampf wie beim Fußball zu den Österreichern?

Fürste: Überhaupt nicht. Ich habe noch gar nicht gegen Österreich gespielt. Insofern ist das Neuland für mich. Aber ich glaube - ohne jetzt überheblich wirken zu wollen -, dass ein Sieg gegen Österreich Pflicht ist.

Sport1.de: Also reicht nichts an die Rivalität Deutschland-Niederlande heran?

Fürste: Ja, genau. Inzwischen ist auch Belgien ein großer Rivale. Unser ganz klares Ziel ist daher auch, die Belgier im ersten Spiel zu schlagen. Mit denen verbindet uns eine große Konkurrenz. Wir stehen uns auch nicht besonders nahe, wenn ich es freundlich ausdrücke.

Sport1.de: Ein Sieg, eine Niederlage gegen Belgien in der Vorbereitung. Was zählen diese Ergebnisse?

Fürste: Nein, auf keinen Fall. Das erste Spiel haben wir 2:1 gewonnen, aber das hätte genauso gut 10:1 oder 10:4 ausgehen können. Bei der 1:2-Niederlage haben wir ohne unsere zwei Top-Stürmer Christopher Zeller und Matthias Witthaus gespielt und grausam bei Ecken ausgesehen. Das waren zwei Spiele noch zum Einspielen, ernst nehmen kann man die nicht.

Sport1.de: In der zweiten Gruppe sind Niederlande und Spanien die klaren Favoriten. Sehen Sie Außenseiterchancen für Polen und Frankreich?

Fürste: Holland und Spanien gehen meiner Meinung nach ganz klar durch. Polen und Frankreich können gegen die beiden vielleicht mal ein Spiel eng gestalten, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie konstant genug sind. Sie müssten einen der beiden schlagen und dann auch noch das andere Spiel gewinnen.

Sport1.de: Gleichzeitig findet die EM der Damen statt. Haben Sie Kontakt zu der Damenmannschaft während der EM? Schauen Sie sich die Spiele an?

Fürste: Im Fernsehen werden wir uns sicher die Spiele der Damen ansehen und an den freien Tagen gehen wir vielleicht auch ins Stadion. Aber wir wohnen 30 Kilometer entfernt. Kontakt haben wir auf jeden Fall, weil wir im selben Hotel wohnen und dann tauscht man sich aus. Die meisten kennen sich eh recht gut, spielen zum Teil im selben Verein.

Sport1.de: Wie schätzen Sie die Chancen der Damen-Mannschaft ein? (zum Kader der Damen)

Fürste: Sie haben bei der Champions Trophy Platz vier erreicht. Aber mit Australien und Argentinien sind zwei Nicht-Europäer vor ihnen gelandet. Ich glaube, dass sie ins Finale kommen können. Als Ziel gilt für sie auch erstmal, sich für die WM zu qualifizieren. Aber sie sind Titelverteidiger und haben vor zwei Jahren in Manchester bewiesen, dass sie an einem guten Tag auch die Holländerinnen schlagen können.

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