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Heiß aufs Endspiel gegen England: Routinier Christopher Zeller © imago

Im EM-Finale winkt Deutschland ein noch nie dagewesener Dreifach-Triumph. Doch der Bundestrainer schielt schon gen Olympia.

Amsterdam - 2008 in Peking hatten sich die deutschen Hockey-Herren nach zwei Unentschieden in der Vorrunde in einer Tiefgarage getroffen.

Hatten sich an die Köpfe geworfen, was alles nicht stimmt und dabei ein Mannschaftsgefühl entwickelt. Am Ende stand der Olympiasieg.

Jetzt bei der EM in Amsterdam haben sie sich wieder nach der Vorrunde zusammengesetzt, erneut erfolgreich:

Nach dem 2:1 (0:0)-Halbfinalsieg gegen Spanien greift der Weltmeister und Olympiasieger am Sonntag (15.30 Uhr) im Endspiel gegen England nach dem noch nie dagewesenen Dreifach-Triumph.

Ein gewisser Schlendrian

Offenbar muss es immer mal so richtig rappeln in dieser Mannschaft, die über herausragende Könner verfügt, aber eben teilweise auch unter einem gewissen Schlendrian leidet. (Der deutsche Kader)

"Wir haben besprochen, was nicht klappt, dass die Einstellung nicht stimmte und dass jeder bereit sein muss, die Schweinewege in der Defensive zu machen", erzählte Christopher Zeller.

Er hatte mit seinem Strafeckentor in der 61. Minute die Partie gegen Spanien entschieden: "Wir haben es geschafft, dass jeder für jeden kämpft."

Führung dank Menke

Der Gladbacher Christoph Menke (48.) hatte die deutsche Mannschaft in Führung geschossen. Eduard Tubau (58.) glich für die starken Spanier aus. Nur drei Minuten später aber war Philipp Zeller bei der ersten Ecke für Deutschland in der Partie wieder zu Stelle.

"Es war cool, dass wir gleich wieder zurückgekommen sind und nicht nach dem Ausgleich auseinandergefallen sind", freute sich Bundestrainer Markus Weise.

Am Donnerstag hatte er seinen Spielern noch ein Video gezeigt, auf dem zu sehen war, dass auf dem Platz nicht genug miteinander geredet wurde.

"Eine echte Teamleistung"

"Danach haben wir uns gesagt, wir fangen jetzt mal an Hockey zu spielen", erklärte Moritz Fürste.

Auch Weise hatte seine Freude an dem gänzlich anderen Auftritt seiner Mannschaft gegenüber der Vorrunde.

"Das war eine echte Teamleistung", so der 47-Jährige, kritisierte aber auch: "Man hat in der Vorrunde gesehen, dass wir erst gut wurden, als wir mussten. Mit solch einer Einstellung kann man nicht in das Finale gehen."

England die große Überraschung

Mit 4:4 hatte sich das Team in den Gruppenspielen von England nach 2:4-Rückstand getrennt. Die Briten sind die große Überraschung der Titelkämpfe.

Mit 2:1 (1:1, 1:0) nach Golden Goal setzten sie sich verdient im Halbfinale gegen Gastgeber und Titelverteidiger Niederlande durch. Golden Goal gegen Titelverteidiger Niederlande

"Es ist ein Vorteil für uns, dass wir hier schon mal gegen sie gespielt haben", meint der Bundestrainer, der am Samstag seine Finaltaktik austüftelte. "Ich erwarte einen langen Kampf, mal sehen, wer sich am Ende durchsetzt."

Triple ist Weise wurscht

Der Titel wäre natürlich eine schöne Sache, der historische Aspekt des noch nie geschafften Triples interessiert Weise gar nicht so sehr.

Die Gedanken des Bundestrainers gehen bereits Richtung 2012 in London, wo der Deutsche Olympische Sportbund erneut eine Medaille erwartet, am liebsten die goldene.

Das Team in Amsterdam hat nicht weniger als acht Spieler in seinen Reihen, die 23 Jahre oder jünger sind.

"In der Mannschaft ist ein Riesenpotenzial", sagt Weise, "das Endspiel jetzt ist extrem wichtig, weil es für die jungen Spieler eine Bewährungssituation ist. Das wird ein wichtiger Fingerzeig für die Zukunft, wer seine Leistung unter diesen Bedingungen stabil hinkriegt."

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