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Martin Häner holte mit der deutschen U 21 Gold bei der WM © imago

Die DHB-Herren verpassen bei der EM zwar das historische Titel-Triple. Der Ärger hält sich beim jungen Team aber in Grenzen.

Amsterdam - Vor einem Monat erst feierte Martin Häner "den größten Triumph meiner Laufbahn". Weltmeister!

Der Berliner war Kapitän der deutschen Hockey-Junioren, die bei der U-21-Weltmeisterschaft in Singapur den Titel gewannen.

Am Sonntag stand er mit einem Trostbier in der Hand nach der 3:5 (3:2)-Finalniederlage bei der Europameisterschaft gegen England in Amsterdam im Schatten der Haupttribüne und musste eingestehen:

"Der Sprung von den Junioren in den A-Kader ist riesig."

Ärger ja, Depression nein

Allzu tief schien bei den deutschen Hockeyherren die Enttäuschung nach dem verpassten Titel-Triple aber nicht zu sitzen. Ärger ja, aber kein Grund zu tiefer Depression.

Dafür ist eine EM in einem nacholympischen Jahr sportlich dann doch nicht wichtig genug. Und außerdem trat im Grunde das ein, was Bundestrainer Markus Weise bereits vorher wusste:

"Wir haben eigentlich so gespielt, wie ich es erwartet habe."

Acht Spieler unter 23

Seine Rasselbande auf internationaler Ausbildungsfahrt sollte bei den kontinentalen Titelkämpfen vor allem Erfahrungen sammeln.

Das Team hatte mit der Olympiasieger-Mannschaft von Peking nur noch wenig gemeinsam. Acht Spieler im Kader mit dem gerade 21 gewordenen "Benjamin" Häner waren 23 Jahre oder jünger. Etablierte Leistungsträger wie Timo Wess, Tibor Weißenborn oder Sebastian Biederlack haben aufgehört oder machen eine Pause.

"Das ist im deutschen Hockey leider so", sagte Weise, "wenn man eine Mannschaft zu Ende entwickelt hat, fällt sie auseinander und man fängt von vorne an."

Halbfinale auf höchstem Niveau

Auch das hat seinen Reiz für den Coach, nur darf man dann nicht sofort wieder Triumphe erwarten. "Uns hat hier die Konstanz gefehlt", sagte der 47-Jährige, "teilweise haben wir aber gezeigt, was mit dieser Mannschaft möglich ist."

Insbesondere das Halbfinale gegen Spanien war ein Spiel auf durchgängig höchstem Niveau. Im Finale gelang dies nur teilweise.

"Die Engländer haben verdient gewonnen, sie waren das ganze Turnier hindurch die beste Mannschaft", sagte Weise, "sie sind uns im Augenblick ein Stück voraus."

Ashley Jackson (9., 62.), Richard Mantell (54., 57.) und Barry Middleton (14.) trafen für die Briten. Dabei verwandelten sie drei von drei Strafecken, während Christopher Zeller (10., 26.) nur zwei von sechs deutschen Ecken nutzen konnte. Jan-Marco Montag brachte Deutschland sogar zwischenzeitlich in Führung (31.).

England plant für 2012

Die Briten sind bereits in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2012 in London. Der Verband hat dadurch große finanzielle Möglichkeiten und kann seine Spieler optimal fördern.

Deutsche Hockeyspieler müssen immer den schmalen Grat zwischen Ausbildung und Sport meistern. Ein Grund für die Rücktritte im besten Sportleralter von 26, 27 Jahren. Also muss der DHB immer wieder neue Generationen heranführen

"Unsere Mannschaft hat ein Riesenpotenzial", sagt Weise, "es wird interessant, ob sie eines Tages in der Lage sein wird, das konstant abzurufen."

Dazu könnte Amsterdam ein wichtiger Schritt gewesen sein.

"Man muss lernen, gegen Weltklasseleute zu spielen"

"Wir haben hier wichtige Erfahrungen gemacht", sagte Häner nach seinem ersten "großen" Turnier: "Man muss lernen, gegen Weltklasseleute wie Pol Amat aus Spanien oder Teun de Noijer zu spielen."

Er und die anderen Frischlinge saugen das alles auf. Bei der Champions Trophy Anfang Dezember in Melbourne folgt der nächste Ausbildungsschritt, bevor es im März zur WM nach Indien geht.

"Es kann gut sein, dass wir da richtig auf die Nase kriegen", sagt Weise, der aber auch hofft, dass zur Titelverteidigung die Olympiasieger Timo Wess und Florian Keller wieder zur Verfügung stehen.

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