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Das deutsche Hockeyteam holte in Peking die Goldmedaille © getty

In Hamburg testet Bundestrainer Markus Weise die Junioren. Gesucht werden Spieler für Olympia 2012 in London.

Hamburg - London 2012 hat schon begonnen, der Olympiasieg von Peking ist Geschichte.

Mit einem neuen Team hat sich die deutsche Hockey-Nationalmannschaft sechs Wochen nach dem Triumph von Peking beim Vier-Nationen-Turnier in Hamburg präsentiert und war damit gleich wieder erfolgreich.

Durch einen unerwartet klaren 6:1 (1:0)-Erfolg am Sonntag über Pakistan konnte der Weltmeister auch bei seinem ersten Auftritt nach Peking schon wieder die Konkurrenz distanzieren.

Finalsieg gegen Pakistan

Nur sechs "Goldjungs" standen noch im Kader, dennoch spielte das Team von Bundestrainer Markus Weise nach dem 1:1 gegen Malysia und dem 3:1 gegen Belgien am Sonntag gegen Rekordweltmeister Pakistan um den Turniersieg und zeigte dabei seine beste Leistung.

Tore von Martin Häner (34.), Christoph Menke (38.), Jan Philipp Rabente (46.), Tobias Lietz (52., 60) und Sebastian Biederlack (70. ) bedeuteten den eigentlich unerwarteten Turniersieg. Pakistan traf erst zwei Minuten vor Schluss zum 1:5.

Erfolg nur sekundär

"Der Turniersieg ist natürlich schön, aber mir kam es hier gar nicht in erster Linie auf den sportlichen Erfolg an", sagte Weise, "ich hatte die Gelegenheit, die kleinen Scheißer anzugucken und mit den Spielern Gespräche zu führen."

Die "kleinen Scheißer" sind die Spieler aus dem Kader der Mannschaft, die in diesem Jahr Platz drei bei der U-21-EM belegte. Neun von ihnen durften in der Hansestadt in der A-Mannschaft auflaufen. Die Jahrgänge 1987 und 1988 haben sich präsentiert, die Zukunft des Deutschen Hockey-Bundes (DHB).

Je früher, desto besser

Und Weise war nicht unzufrieden mit ihnen. "Sie haben sich entwickelt und in der zweiten Halbzeit gegen Belgien ihren Respekt abgelegt", sagte der Coach, "da sind sie effektiver geworden und waren nicht mehr so vorsichtig."

Seit der U 16 sind diese Jungs im Fokus des Bundestrainers. Die Entwicklung neuer Nationalspieler ist ein steter Prozess beim DHB, der auf eine optimale Ausbildung der Jugendlichen angewiesen ist. "Je früher wir die Toptalente steuern, desto besser", sagt Weise.

Kein Schaulaufen möglich

Nur sechs Olympiasieger waren in Hamburg im Kader. Verletzungen, Urlaub und berufliche Verpflichtungen verhinderten das ursprünglich geplante Schaulaufen der möglichen "Mannschaft des Jahres" vor eigenem Publikum. "Wir haben dafür volles Verständnis", sagte DHB-Sportdirektor Rainer Nittel, "die Jungs haben sich im letzten Jahr bis an die Grenze der Belastbarkeit engagiert."

250 Tage musste ein Olympiasieger für die Nationalmannschaft opfern. Das geht nur mit genauer Planung des sonstigen Privat- und Berufslebens und auch nur für eine begrenzte Zeit. Mittelfeldspieler Tibor Weißenborn hat bereits seinen Rücktritt erklärt.

Mannschaftskapitän Timo Weß will ein Jahr Pause machen, Weise rechnet allerdings nicht mit seiner Rückkehr, und auch Sebastian Biederlack will "ein halbes Jahr in sich hineinhorchen", bevor er über seine weitere Nationalmannschafts-Karriere entscheidet. Keiner von ihnen ist älter als 27 Jahre.

"Geht nicht um Medaillen"

Also steht wieder ein Um- und Neuaufbau an. Etwas, das Weise ohnehin am meisten Spaß macht. "Mir geht es nicht um Medaillen, ich bekomme ja auch keine. Meine Befriedigung besteht darin, ein Team zu formen", sagt der junge Vater.

Gespräche mit den Nationalmannschafts-Kandidaten standen in Hamburg an und werden sich noch bis Jahresbeginn hinziehen.

Die Spieler sollen sich für die "Nati" verpflichten. Die jungen bis 2012, die erfahrenen mindestens bis zur WM 2010 in Indien. "Bis zum Zentrallehrgang im Frühjahr wird klar sein, wie der Kader aussieht", meint der Bundestrainer, "dann wird sich auch eine neue Hierarchie gebildet haben." Dann kann London kommen.

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