vergrößernverkleinern
Markus Weise trainiert seit November 2006 die deutsche Hockey-Nationalmannschaft © imago

Im Interview spricht Hockey-Bundestrainer Markus Weise über die Terrorangst bei der WM in Indien und das Potenzial seines Teams.

München - Die deutschen Hockey-Herren wollen bei der Weltmeisterschaft in Indien vom 28. Februar bis 13. März (Alle Spiele ab So., 12.05 Uhr live auf dsf.de) ihren Titel verteidigen.

Bei einem erneuten Triumph würde das 18-köpfige Team von Bundestrainer Markus Weise als erste Mannschaft in der Geschichte drei WM-Siege in Folge feiern.

Erstes Ziel für die junge deutsche Mannschaft, in dem nur noch drei Weltmeister von 2006 stehen, ist allerdings das Erreichen des Halbfinales.

Neben der sportlichen Situation sorgte in den letzten Wochen auch die Angst vor Terroranschlägen für Diskussionen. Für Weise und sein Team kam eine Absage der Teilnahme aber nie in Frage.

Im Interview spricht Weise über die Terrorgefahr, das Potenzial seines Teams und er blickt voraus aufs nächste olympische Turnier.

Frage: Herr Weise, nach den Terroranschlägen in den letzten Wochen und Terrorwarnungen gegen die Hockey-WM und die Commonwealth Games gab es zuletzt Bedenken bezüglich der Sicherheit bei der WM. Mit welchen Gefühlen reisen Sie und die Mannschaft nach Neu Delhi?

Markus Weise: Wir haben keine Angst. Wir werden auch über die Deutsche Botschaft immer mit den neuesten Informationen versorgt. Außerdem bin ich der Überzeugung, dass es keinen absolut sicheren Ort auf dieser Welt gibt. Es kann einen auch im Berufsverkehr oder einem Vorortzug treffen. Wenn jemand dich unbedingt in die Luft sprengen will, dann schafft er das auch.

Frage: Indien ist aber mit europäischen Maßstäben nicht zu messen. Was erwartet die Spieler?

Weise: Wir wohnen in einem Super-Hotel, fünf Sterne. Das hat absoluten Weltstandard. Draußen treffen aber die meisten Klischees tatsächlich zu. Die einzige Verkehrsregel heißt, es muss fließen. Da laufen Fußgänger auf der Straße rum, das sind oft die ärmeren Leute. Und ab und an liegt da auch eine Kuh rum, die niemand anfassen darf. Beim Essen darf es keine Experimente geben und schon gar nicht beim Wasser. Duschen mit offenem Mund ist verboten. Die deutsche Botschaft wird den Jungs auch noch einen Einführungsvortrag über Land und Leute und die Sicherheit halten.

Frage: Das Leben wird sich also nur zwischen Hockeystadion und Hotel abspielen?

Weise: Ja, das ist eine der größten Herausforderungen bei diesem Turnier, dass keine Langeweile aufkommt. Das Freizeitprogramm findet im Spielraum statt. Natürlich gibt es aber eine organisierte Stadtrundfahrt, und wir besuchen auch Alt-Delhi und das Tadsch Mahal.

Frage: In Philipp Zeller und seinem Bruder Christopher fehlen ausbildungsbedingt zwei absolute Leistungsträger. Wie bewerten Sie das Potenzial ihrer Mannschaft?

Weise: Im Vergleich zur Olympasieger-Mannschaft fehlt uns vor allem die Erfahrung. Da erwarte ich in erster Linie Probleme im Eckenabwehrbereich. Im Vergleich zu den anderen Top-Teams fehlen uns im Schnitt 40 Länderspiele.

Frage: Was ist unter diesen Voraussetzungen das sportliche Ziel?

Weise: Die Mannschaft kann ein sehr gutes Turnier spielen. Das Ziel ist das Erreichen des Halbfinales. Das können wir schaffen, aber nicht garantieren. Es wird jedenfalls sehr hart. Holland und Korea sind natürlich die stärksten Gegner, aber auch Neuseeland ist nicht zu unterschätzen, die werden eine gute Rolle spielen. Argentinien kann ich noch nicht einschätzen.

Frage: Bei der Champions Trophy im Dezember überzeugte der erst 18 Jahre alte Stürmer Florian Fuchs. Kann er schon einen Christopher Zeller ersetzen?

Weise: Da muss man mal die Kirche im Dorf lassen. Ich bin sehr froh, wenn er ein ordentliches Turnier spielt. Ein sehr talentierter Junge, sehr zielstrebig. Wichtig ist aber vor allem, dass er schon mal die Erfahrung bei einem großen Turnier sammelt. Für Olympia 2012 ist er sicherlich ein großer Kandidat.

Frage: Olympia ist für den Deutschen Hockey-Bund ja immer das wichtigste Ereignis. Ist die Mannschaft jetzt bereits die Kerngruppe für London?

Weise: Nein. Bis 2012 wird noch einiges passieren. Mir ist noch nie eine Nominierung so einfach gemacht worden wie diesmal. Da war kein Konkurrenzkampf um die Plätze, Das sind hier buchstäblich die letzten 18. Das will ich vor 2012 wieder ändern. Das ist auch wichtig für die arrivierten Spieler, dass sie wissen, sie können nicht zwei Jahre Dienst nach Vorschrift machen. Diesmal waren einige gedanklich noch U21-Spieler, andere wollten in der Halle spielen, es gab berufliche Gründe und Verletzungen. Einige waren auch einfach nicht heiß genug. Es gibt welche, die sagen, nominiere mich und dann strenge ich mich an. Aber so geht das nicht. Es muss genau andersherum sein.

Frage: Erstmals wird bei einer WM den Teams die Möglichkeit gegeben, einen TV-Beweis bei strittigen Schiedsrichterentscheidungen einzufordern. Wie sind Ihre Erfahrungen nach der Premiere bei der Champions Trophy?

Weise: Das war für die Schiris eine harte Nummer, weil es auch im Stadion gezeigt wurde. Und in 80 Prozent der Fälle hatten die Spieler recht. Leider hat es teilweise lange gedauert, bis eine Entscheidung kam. Ich weiß nicht, was man im Fußball immer noch dagegen hat. Es geht nicht darum, die Schiedsrichter zu schützen, sondern darum, ob der Ball im Tor ist. Wir haben die Hilfsmittel, in Bundesligastadien stehen 20.000 Kameras, und in anderen Sportarten wie Eishockey und Football nutzt man es ja auch.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel