vergrößernverkleinern
Auch auf ihn setzt das deutsche Team: Christoph Menke vom Gladbacher HTC © getty

Die deutsche Auswahl tritt mit einem neu formierten Team bei der WM in Indien an. Trainer Weise gibt Halbfinale als Ziel aus.

Neu Delhi - Deutschland ist Olympiasieger, Titelverteidiger und Weltranglisten-Erster - und startet doch nur als ambitionierter Außenseiter in die 12. Hockey-Weltmeisterschaft.

"Unser Ziel ist das Halbfinale", sagt Bundestrainer Markus Weise vor den am Sonntag (Alle Spiele, ab 12.05 Uhr live auf dsf.de) im indischen Neu Delhi beginnenden Titelkämpfen. "Das können wir schaffen, aber nicht garantieren. Es wird jedenfalls sehr hart." (Interview mit Markus Weise)

Wieder einmal nämlich musste Weise einen Umbruch verkraften.

Von der Mannschaft, die 2006 in Mönchengladbach den Titel gewann, sind nur noch drei Spieler dabei.

Erfahrung fehlt im Vergleich zu Top-Teams

Und aus dem Olympiasieger-Team von Peking sind auch nur noch neun Akteure "am Stock".

Rücktritte, studienbedingte Pausen oder berufliche Belastungen sind dauerhafte Begleiterscheinungen bei der steten Aufbauarbeit des Bundestrainers.

"Im Vergleich zur Olympiasiegermannschaft fehlt uns vor allem die Erfahrung", erklärt Weise, "gegenüber den anderen Top-Teams haben wir im Schnitt 40 Länderspiele weniger."

Schlüsselpartie zum Auftakt

Schon die Auftaktpartie seines Teams am Montag (ab 14.05 Uhr live auf dsf.de) gegen Südkorea ist so etwas wie eine Schlüsselpartie für das erhoffte Erreichen des Semifinals.

"Die Niederlande und Korea sind natürlich die stärksten Gegner in der Gruppe, aber auch Neuseeland ist nicht zu unterschätzen", sagt Weise, "Argentinien kann ich noch nicht einschätzen."

Nur der fünfte Vorrundengegner Kanada wird allgemein als "Kanonenfutter" eingeschätzt.

Australien gilt als Topfavorit

Der absolute Topfavorit spielt in Gruppe B und heißt Australien.

Die "Kookaburras" haben mit ihrem Hochgeschwindigkeitshockey im Dezember die Champions Trophy gewonnen und dabei im Finale gegen Deutschland einen 1:3-Rückstand zu einem 5:3 gedreht.

"Nach dem Auftritt bei der Trophy kann es keinen anderen Favoriten als die "Aussies" geben", so Weise.

Deutschland kann Geschichte schreiben

Dabei könnte Deutschland mit einem erneuten Titelgewinn Hockey-Geschichte schreiben. Noch nie wurde eine Nation dreimal in Folge Weltmeister bei den Herren.

Und so ein ganz klein wenig im Hinterkopf haben Weises "junge Wilde" dieses Ziel auch.

"Bei Olympia war die Mannschaft am Zenit ihrer Entwicklung angekommen. Jetzt ist es für dieses Team das erste große Turnier", sagt der 22 Jahre alte Mannschaftskapitän Max Müller.

Und weiter: "in Peking waren wir eingespielter und hatten mehr Spieler im Kader, die ein Spiel allein entscheiden konnten. Doch der jetzige Kader hält unglaublich eng zusammen."

Große Sicherheitsbedenken

Neben der sportlichen Herausforderung standen vor Turnierbeginn auch immer die Fragen nach der Sicherheit im Vordergrund.

Es gab und gibt Terrorwarnungen, nicht nur gegen die Hockey-WM, auch gegen die Commonwealth Games später im Jahr.

"Wir stehen mit der Deutschen Botschaft und deren Sicherheitsberatern im engen Kontakt und werden immer aktuell mit den neuesten Informationen versorgt", erklärt Rainer Nittel.

Und der Sportdirektor des Deutschen Hockey Bundes ergänzt, "dies hat sich bereits bewährt und hat unser absolutes Vertrauen."

"Wir haben keine Angst"

Weise geht das Thema ohnehin mit einem gewissen pragmatischen Fatalismus an und hat den auch seinen Spielern vermittelt.

"Wir haben keine Angst. Außerdem bin ich der Überzeugung, dass es keinen absolut sicheren Ort auf dieser Welt gibt", meint der 48-Jährige.

"Es kann einen auch im Berufsverkehr oder einem Vorortzug treffen. Wenn jemand dich unbedingt in die Luft sprengen will, dann schafft er das auch."

Wenig Ablenkung zwischen den Spielen

Die Sicherheitskräfte in Neu Delhi schotten die Teams jedenfalls absolut ab. Die Unterkunft in einem Fünf-Sterne-Hotel ist ebenso gesichert wie der Bereich um und im Stadion.

Das kann aber auch zu einer Art Lagerkoller führen, denn Tripps auf eigene Faust durch die Millionen-Metropole sind für die Spieler tabu.

"Es wird eine der größten Herausforderungen, dass keine Langeweile aufkommt", weiß der Bundestrainer, "das Freizeitprogramm findet überwiegend im Spieleraum im Hotel statt."

Die deutschen Vorrunden-Spiele (alle live auf dsf.de):

Montag, 1. März, 14.05 Uhr: Deutschland - SüdkoreaMittwoch, 3. März, 12.05 Uhr: Deutschland - KanadaFreitag, 5. März, 16.05 Uhr: Deutschland - ArgentinienSonntag, 7. März, 16.05 Uhr: Deutschland - NiederlandeDienstag, 9. März, 12.05 Uhr: Deutschland - Neuseeland.

Das deutsche Aufgebot:

Tor: Tim Jessulat (Club an der Alster), Max Weinhold (Rot-Weiß Köln)

Abwehr: Linus Butt (Crefelder HTC), Martin Häner (Berliner HC), Tobias Hauke (Rot-Weiß Köln), Jan-Marco Montag (Rot-Weiß Köln), Maximilian Müller (Nürnberger HTC), Florian Woesch (Nürnberger HTC)

Mittelfeld: Moritz Fürste (UHC Hamburg), Christoph Menke (Gladbacher HTC), Jan Philipp Rabente (Uhlenhorst Mülheim), Benjamin Weß (Rot-Weiß Köln)

Sturm: Oskar Deecke (Crefelder HTC), Florian Fuchs (UHC Hamburg), Oliver Korn (Düsseldorfer HC), Philip Witte (UHC Hamburg), Matthias Witthaus (Athletico Terrassa), Martin Zwicker (Berliner HC)

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel