vergrößernverkleinern
Moritz Fürste ist einer von drei Weltmeistern von 2006 im deutschen Team © imago

Die Hockey-Herren verpassen in Neu Delhi den WM-Hattrick. Der deutsche Kapitän holt zur Kampfansage für Olympia in London aus.

Neu Delhi - Spät in der indischen Nacht sprach Max Müller die Kampfansage für Olympia 2012 in London aus: "Ich habe als Kapitän nach der EM und der Champions Trophy jetzt drei Endspiele verloren, das reicht mir langsam."

Die Enttäuschung der deutschen Hockey-Herren über die 1:2 (0:1)-Niederlage im Endspiel der Weltmeisterschaft in Neu Delhi gegen Australien wich mit jedem Glas Bier der Freude über Silber und dem festen Willen, bei Olympia in London wieder ganz oben auf dem Treppchen zu stehen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Diesmal hat es für das mit durchschnittlich 22 Jahren jüngste Team der WM halt noch nicht gereicht.

Freie Schussbahn

Der Traum vom ersten WM-Hattrick nach den Erfolgen 2002 und 2006 zerplatzte nach den australischen Toren von Eddie Ockenden (6.) und Eckenspezialist Luke Doerner (63.).

Der Hamburger Moritz Fürste (48.) konnte in dem dramatischen und hochklassigen Finale zwar zwischenzeitlich ausgleichen, doch die große Chance, mehr zu erreichen, vergaben Fürste (53.) und Müller (62.), die zwei Strafecken nicht nutzen konnten.

"Ich habe freie Schussbahn, das muss ich machen", sagte Müller. Aber spätestens, wenn die Vizeweltmeister in ihren Heimatklubs gefeiert werden und ihre Medaillen zeigen, wird auch der letzte Frust vergessen sein.

Tanzen auf dem Tresen

Nach dem Schlusspfiff hatten die Spieler zunächst fassungslos auf dem Kunstrasen gelegen, einige mit Tränen in den Augen. Mit einem großen Banner "Danke Indien" verabschiedete sich das Team schließlich von den einheimischen Fans, die fast alle die deutsche Mannschaft unterstützt hatten.

Mit den Silbermedaillen um den Hals wurde schließlich im Hotel gefeiert. Bundestrainer Markus Weise und Müller trugen Turbane mit schwarz-rot-goldenen Fähnchen, Benjamin

Weß hatte einen Ghettoblaster organisiert, und die Spieler tanzten zur Verwunderung der Inder auf dem Tresen.

Mannschaft mit Perspektive

"Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft, in ihr steckt unheimlich viel Potenzial", sagte Bundestrainer Weise, "bei unserem momentanen Stand haben wir das Optimale herausgeholt." (Halbfinale: Sieg über den Europameister)

Dass die Chance gegen die starken Australier, die allgemein als Turnierfavorit galten, überhaupt da war, spricht für die Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes und eröffnet glänzende Perspektiven.

"Die Mannschaft kann sich noch weiterentwickeln, wenn andere Spieler dazukommen", sagte Weise.

Quäntchen Glück fehlt

Mittelfeldmann Tobias Hauke hatte die Enttäuschung schnell verwunden: "Es war eine bärenstarke Mannschaftsleistung, die wir hier hingelegt haben. Wir haben wirklich alles richtig gemacht, hatten aber das kleine Quäntchen Glück nicht, das man braucht."

Der erst 18 Jahre alte Hamburger Florian Fuchs hatte sich auch relativ schnell mit Platz zwei angefreundet: "Zuerst ist die Enttäuschung natürlich groß, aber wenn man zurückblickt, wird sich das ändern, denn wir haben ein gutes Spiel gemacht. Insgesamt war es stark."

Nur drei "Titelverteidiger" dabei

Fuchs gehört bereits zu den Neuen im Team, die Hoffnungen auf London machen. Nur drei Weltmeister von 2006 waren in Indien noch dabei, den Olympiasieg in Peking hatten acht Spieler der aktuellen WM-Mannschaft miterlebt.

Aus beruflichen Gründen fehlte außerdem Stürmerstar Christopher Zeller, der in London wieder spielen will.

Weitere Junioren-Weltmeister von 2009 werden neben dem bereits in Indien überragenden Martin Häner nachrücken.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel