vergrößernverkleinern
Natascha Keller ist mit 396 Länderspielen Rekordnationalspielerin © dpa Picture Alliance

Natascha Keller bereitet der DHB-Auswahl mit ihrem Treffer den Weg zum EM-Finale und sich den krönenden Abschluss 2012.

Mönchengladbach - Da lag sie nun, alle Viere ausgestreckt auf dem Kunstrasen und genoss für Sekunden allein das große Glück.

Dann kamen auch schon die Mitspielerinnen herangestürmt und jubelten mit Natascha Keller über ihren Siegtreffer in der 62. Minute zum 2:1 (1:1) im EM-Halbfinale Donnerstagnacht gegen Spanien (BERICHT: DHB-Damen buchen Finale und Olympia).

Die "alte Dame" des deutschen Hockeys hatte ihr Team nicht nur ins Finale der Titelkämpfe in Mönchengladbach am Samstag (15.30 Uhr) gegen die Niederlande geschossen, fast wichtiger noch war das damit verbundene direkte Ticket zu den Olympischen Spielen 2012 in London.

"Die Erleichterung ist riesengroß. Wir hatten uns für die Heim-EM einiges vorgenommen. Die Olympia-Quali ist geschafft, jetzt wollen wir auch das Finale gegen die Holländerinnen gewinnen", sagte Keller: "Beim Tor hatte ich Glück, dass der Ball ein zweites Mal vor meinen Schläger sprang, der musste dann einfach rein."

Hoffmann besorgt Führung

Eileen Hoffmann (11.) hatte Deutschland im Halbfinale früh in Führung gebracht, die Beatriz Perez (21.) bei einem der wenigen spanischen Gegenangriffe ausgleichen konnte.

Danach berannte das Team von Bundestrainer Michael Behrmann ununterbrochen das gegnerische Tor, scheiterte aber auch bei klarsten Chancen entweder am eigenen Unvermögen oder der Torfrau. Bis Keller kam.

396. Länderspiel für Keller

Natascha, Spross der wohl berühmtesten deutschen Hockeyfamilie, wird - keine Verletzungen vorausgesetzt - in London ihre fünften Olympischen Spiele bestreiten. 2004 gewann sie die Goldmedaille in Athen, 1999 war sie Welthockeyspielerin des Jahres. Gegen Spanien bestritt die Rekordnationalspielerin ihr 396. Länderspiel.

In der britischen Hauptstadt wird die Tochter von Olympiasieger Carsten Keller und Schwester von Olympiasieger Andreas Keller 35 Jahre alt sein, es könnte das würdige Ende einer großen Karriere sein.

Und wenn alles beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) mit rechten Dingen zugeht, muss sie eine der Kandidatinnen als Fahnenträgerin bei der Eröffnungszeremonie sein.

"Niederlande nicht unverwundbar"

"Im ersten Moment überwiegt die Freude über die Olympia-Qualifikation", sagte Keller nach ihrem Tor acht Minuten vor Schluss der einseitigen und trotzdem spannenden Partie, "ich freue mich auch, dass wir hier die EM gewinnen können."

Vor eigenem Publikum, das wäre doch was. Die Mannschaft glaubt jedenfalls, dass es möglich ist gegen den Olympiasieger und Titelverteidiger Niederlande.

"Sie sind nicht mehr so stark wie bei Olympia", sagt Kapitänin Fanny Rinne, "sie sind nicht unverwundbar."

Behrmann ist überzeugt

Es ist keine Paarung mit Seltenheitswert: Bereits zum vierten Mal in Folge machen die beiden Erzrivalen den kontinentalen Titel unter sich aus.

Rekord-Europameister Niederlande gewann 2005 im irischen Dublin und feierte vier Jahre später im heimischen Amsterdam den letzten seiner sieben EM-Titel. Dazwischen triumphierte Deutschland 2007 in Manchester zum bislang einzigen Mal.

Gegen den Lieblingsgegner wird auch Vorzeigefrau Keller in ihrem 397. Länderspiel wieder eine entscheidende Rolle spielen. Der Bundestrainer ist jedenfalls von den Qualitäten seiner Stürmerin überzeugt.

"Taschi ist ein Vorbild und eine große Persönlichkeit. Sie verfügt über sehr viel Erfahrung, hat eine große Spielübersicht und kann mit ihrer individuellen Klasse eine Partie jederzeit entscheiden", weiß Behrmann.

EM-Gold, Olympiamedaille und dann Schluss

Die Stürmerin präsentiert sich in Mönchengladbach wie aus dem Jungbrunnen gezogen. Schnell, spielfreudig und wenn der Eindruck nicht täuscht, auch fitter als zuletzt. Nach dem Frust der verpassten Medaillen bei Olympia 2008 und der WM 2010 stand die Weltklassestürmerin kurz vor dem Rücktritt, besann sich dann aber nach Rücksprache mit Behrmann doch noch.

"Sie will noch mal nach London", sagte der Bundestrainer, "wenn sie Freude hat, ist sie super wichtig für unser Spiel." Behrmann räumt "Taschi" deshalb die eine oder andere Freiheit ein. Beweisen muss sie schließlich niemandem mehr irgendetwas. "Man muss immer wieder ihre Motivation hoch halten", sagt der Hamburger.

Dies versucht der Coach noch einmal am Samstag und dann in London. Denn Olympia "ist mein letztes großes internationales Ziel, danach ist definitiv Schluss", sagt Keller. "EM-Gold und eine Olympiamedaille wären sicherlich die Krönung meiner sportlichen Laufbahn."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel