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Oskar Deecke erzielte in der 61. Minute das vorentscheidende 2:0 © getty

Nach der Wasserschlacht gegen England steht die DHB-Auswahl im Finale der Heim-EM. Der Bundestrainer erlebt ein Novum.

Mönchengladbach - Als der Countdown heruntergezählt war, schwappte "LaOla" durch den Mönchengladbacher Hockey-Park.

Die Zuschauer, die am Freitagabend trotz sintflutartiger Regenfälle und einer einstündigen Unterbrechung bis kurz vor Mitternacht ausgeharrt hatten, durften letztlich gemeinsam mit der Männer-Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) den Einzug ins EM-Finale ausgelassen feiern.

Zuvor hatte sich das Team von Bundestrainer Markus Weise in der Runde der letzten Vier verdient mit 3:0 gegen Titelverteidiger England durchgesetzt. (BERICHT: Finale! DHB-Team schaltet Titelverteidiger aus)

Novum für den Bundestrainer

"Ein solches Halbfinale habe ich noch nicht erlebt. Es war lang, es war hart, aber wir sind froh, dass wir das Spiel heute beenden konnten", sagte der sichtliche erleichterte Bundestrainer und fügte hinzu: "Eine Verlegung auf Samstagabend wäre mit Blick auf das Endspiel ein extremer Nachteil für uns gewesen."

Der Hamburger Moritz Fürste jubelte: "Jetzt haben wir unser Traumfinale gegen die Niederlande. Das sind die Spiele, die den Reiz ausmachen."

Unterbrechung wegen Wolkenbruch

In der Neuauflage des EM-Finales von 2009 in Amsterdam, damals hatte Olympia-Gastgeber England den Titel gewonnen, glückte Deutschland nach Toren von Philipp Zeller (16.), Oskar Deecke (61.) und Oliver Korn (68.) die Revanche. (BERICHT: Mit "Taschis" Freiheiten zum Olympiaticket)

Allerdings hatte Weises Team lange auf den Triumph warten müssen: Beim Spielstand von 1:0 für Deutschland musste die Partie in der 47. Minute unterbrochen werden, Wasserlachen bremsten die Kugel, die Verhältnisse waren absolut irregulär.

Absurde Trockenlegungsmaßnahmen

Erst ab 23.10 Uhr, nach 62 Minuten Pause, wurden die verbleibenden 23:11 Minuten zu Ende gespielt. "Beide Mannschaften wollten das Spiel noch am Freitag beenden", sagte Kapitän Max Müller, "es wäre sonst ein zu großer Nachteil im Finale gewesen."

Fortsetzung um 18.00 Uhr am Samstag lautete die Alternative, unmöglich für die Teams. Also wurden die rund 5.000 Zuschauer in der Pause Zeuge teilweise absurder Trockenlegungsmaßnahmen der freiwilligen Helfer.

Erinnerungen an 1974

Mit Biertischen befreiten freiwillige Helfer das Spielfeld von den Wassermassen, die zeitweise Erinnerungen an die legendäre Wasserschlacht zwischen Deutschland und Polen bei der Fußball-WM 1974 in Frankfurt hervorriefen. Auch Schrubber und Schieber kamen zum Einsatz.

Nur professionelle Trockner-Walzen gab es nicht. Dabei sind die Probleme im Hockey-Park bekannt. "Jeder weiß, dass dieser Platz leicht überflutet", sagte der englische Trainer Jason Lee. Schon bei der Champions Trophy vor einem Jahr gab es deswegen eine längere Pause.

Der Platz ist sechs Jahre alt, regelmäßig trampeln tausende Besucher von Konzerten darauf herum und sorgen für zusätzliche Verdichtung des Grundes.

Niederlande bezwingt Überraschungsteam

Während draußen der Kampf gegen die Wassermassen geführt wurde, unterhielten sich in der Kabine die deutschen Spieler mit kleinen Spielchen oder scherzten rum. "Wir können ganz gut zwischen Anspannung und Entspannung wechseln", sagte Müller, "als es weiter ging, waren wir wieder voll konzentriert."

Auf dem Weg zum siebten kontinentalen Titel trifft Rekordchampion Deutschland im Finale am Sonntag (15.30 Uhr) auf den Erzrivalen Niederlande. Der WM-Dritte mühte sich in einem stimmungsvollen Halbfinale gegen Überraschungsteam Belgien zu einem 4:2-Arbeitssieg.

Witthaus baut auf Heimvorteil

Bondscoach Paul van Ass erwartet eine starke deutsche Mannschaft: "Sie haben bislang im Turnier einen sehr guten Eindruck hinterlassen, und sie haben den Heimvorteil." Auf den setzt auch Rekord-Nationalspieler Matthias Witthaus: "Holland ist gut drauf, es ist ein Fifty-Fifty-Spiel. Die Unterstützung der Fans könnte am Ende den Ausschlag geben."

Dabei sprechen die jüngsten Ergebnisse für die Niederlande, viermal in Folge musste sich die DHB-Auswahl zuletzt geschlagen geben.

Als Mutmacher kann allerdings die EM-Statistik herhalten: Alle fünf Finalspiele, in denen sich die beiden Teams gegenüber standen, konnte Deutschland zu seinen Gunsten entscheiden - zuletzt 1999 im italienischen Padua.

Olympia-Ticket vergolden

Die "Oranjes" gewannen den letzten ihrer drei EM-Titel 2007 in Manchester, Olympiasieger Deutschland war zuletzt 2003 in Barcelona Europameister geworden.

Hoffnungen, dass der Titel nach acht Jahren wieder nach Deutschland kommt, macht vor allem Torwart Max Weinhold. Der Keeper präsentierte sich wieder in Extraklasse und gab der ohnehin starken Verteidigung zusätzliche Sicherheit.

"Unser Torwart war hervorragend, er fühlt sich sehr gut", sagte Weise, "das könnte auch gegen Holland den Unterschied ausmachen." Auch Abwehrchef Müller geht voller Optimismus in die Partie gegen den alten Rivalen: "Sie können sich auf einen unangenehmen Nachmittag mit wenig Platz zum Atmen einstellen."

Mit der direkten Qualifikation für die Sommerspiele in London 2012 hat Deutschland das Minimalziel erreicht, mit dem EM-Titel im eigenen Land könnte man das Olympia-Ticket vergolden.

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