Philipp Crone sieht die DHB-Herren bei der WM auf einem guten Weg. Auch der Punktverlust der Frauen ist für ihn kein Beinbruch.

Die deutschen Teams sind mit unterschiedlichem Erfolg in die Hockey-Weltmeisterschaften im niederländischen Den Haag gestartet.

Während die Herren mit dem deutlichen 4:0 gegen Südafrika einen Auftakt nach Maß hinlegten, ließen die DHB-Frauen beim 1:1 gegen China direkt Punkte liegen.

SPORT1-Experte Philipp Crone analysiert die Auftaktpartien der deutschen Teams und blickt voraus auf die kommenden Aufgaben.

(SPORT1 überträgt 32 Spiele der Hockey-WM live im Free-TV und berichtet dazu über alle Partien der DHB-Teams im LIVE-TICKER und in der SPORT1-App)

Philipp Crone über...

...den klaren Auftaktsieg der Männer gegen Südafrika:

Das erste Turnierspiel ist immer schwierig. Das haben wir bei Australien und Belgien gesehen, die haben sich schwer getan. Das ist oft so bei Turnieren. Klar, der Gegner ist der nominell schwächste in der Gruppe, aber man muss erst einmal gut ins Turnier starten und es ist auch ein gutes Ergebnis für das Torverhältnis, das wird vielleicht noch mal wichtig. Da war vieles gut und das 4:0 ist ein super Ergebnis. Man kann wirklich sagen: Ein gelungener Start in das Turnier.

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...die mäßige Chancenauswertung:

Es würde mich wundern bei der kurzen Vorbereitung, wenn bei der deutschen Mannschaft im ersten Spiel schon alles klappt. Du musst dich auch steigern können. Und wenn das der Bereich der Chancenverwertung ist, dann ist das auch gut. Das bedeutet nämlich, dass man sich schon jetzt viele Chancen herausarbeitet, die Spielanlage stimmt also. Es sind ja auch die äußeren Faktoren, die eine Rolle spielen am Anfang. Stadion neu, Platz neu, darauf muss man sich zu Beginn eines Turniers stärker konzentrieren als sonst - das führt dann auch mal dazu, dass vielleicht in manchen Momenten ein paar Konzentrationsprozentpunkte fehlen. Das wird am Dienstag gegen Argentinien aber schon anders sein.

...den Effekt eines solchen überzeugenden Auftaktsieges:

Bei einer Gruppe mit sechs Mannschaften kannst du dir auf dem Weg ins Halbfinale nur einen Ausrutscher leisten. Und wenn du gegen die Niederlande spielst, musst du den fast einkalkulieren. Ein Punktverlust oder eine Niederlage gegen Südafrika wäre da schon ein klarer Fehlstart gewesen.

...die deutschen Titelchancen:

Ich habe die Niederländer gesehen, die Argentinier, die Belgier. Alles gute Mannschaften, die aber zumindest in ihren ersten Spielen nicht unschlagbar wirken. Die Chancen aufs Halbfinale sind sehr gut. Argentinien ist stärker als Südafrika, aber die kann Deutschland auf jeden Fall schlagen. Die Mannschaft ist gut gestartet, alles was ich gesehen habe - eben bis auf die Chancenverwertung - war auf einem sehr guten Niveau. Mit dem Wissen, dass sie sich steigern werden, ist das Halbfinale drin. Und dann willst du auch gewinnen. Und diese Mannschaft, mit dieser Erfahrung, die ist in den entscheidenden Momenten voll da.

...den kommenden Turniergegner Argentinien:

Argentinien ist nicht immer bei allen großen Turnieren dabei, wie etwa bei der Champions Trophy der sechs weltbesten Mannschaften. Man sieht sie nicht so oft, deswegen sind die Südamerikaner eine kleine Unbekannte. Was ich gesehen habe, war das - wie man es von den Argentiniern kennt - technisch stark. Allerdings haben sie taktisch eine Variante durchgespielt. Und sie haben eine gute Ecke. Argentinien ist eine Mannschaft, die sehr davon lebt, dass sie gute Aktionen hat und sich in solchen Phasen stark steigern kann. Da muss die deutsche Mannschaft sehen, dass sie diesen Flow nicht zustande kommen lässt. Aber nach dem, was ich gesehen habe, werden die das gut hinkriegen.

...das Remis der DHB-Frauen gegen China:

Das was ich gesehen habe, war sehr stark. Sehr mutig, sehr offensiv. Das Gegentor ist so ein typisches direkt nach der eigenen Führung. Die Sportpsychologen begründen diese Unordnung nach der Erleichterung und Freude des Führungstores gerne mit dem Begriff "Spannungsloch", das ist ein Klassiker. Aber die deutschen Frauen haben bis zum Schluss Chancen herausgespielt, hatten noch zwei Strafecken. Das macht Hoffnung, das war gut. China ist eine sehr unangenehme Mannschaft, die werden auch noch gegen andere punkten. Das 1:1 ist kein Beinbruch. Wenn sie darauf aufbauen, haben sie gute Chancen auf das Halbfinale.

Philipp Crone, 37, ist Weltmeister von 2002 sowie 2006 und gewann 2004 in Athen die olympische Bronzemedaille. Mit 349 Länderspielen war er bis 2012 Rekordnationalspieler. 2007 beendete Philipp Crone seine aktive Karriere. Bei den Weltmeisterschaften in Den Haag begleitet er an der Seite von Holger Pfandt die Übertragung der Spiele der Herren. Das Duo Pfandt/Crone war auf SPORT1 bereits bei den Übertragungen der Hockey World League im Januar zu hören.

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