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Hannah Krüger holte mit den DHB-Frauen 2013 den EM-Titel © getty

Auftakt-Torschützin Hannah Krüger spricht bei SPORT1 über den WM-Start, Turnierziele und die Hockey-Begeisterung in Den Haag.

Von Jonas Nohe

München - Die Freude war groß, aber nur von kurzer Dauer.

Mit drei beherzten Luftsprüngen feierte Hannah Krüger im Auftaktspiel der deutschen Hockey-Frauen bei der WM im niederländischen Den Haag gegen China ihren sehenswerten Führungstreffer (Service zur WM: SPORT1 erklärt Hockey).

Im direkten Gegenzug trafen die Chinesinnen allerdings postwendend zum 1:1-Endstand - und verpassten dem deutschen Team damit einen ersten kleinen Dämpfer (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Gegen Südafrika unter Zugzwang

Gegen Außenseiter Südafrika (Di., ab 10.25 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, LIVESTREAM u. LIVE-TICKER) muss für Krüger und Co. jetzt unbedingt ein Sieg her.

Trotzdem blickt die 25-Jährige vom Münchner SC den kommenden Aufgaben optimistisch entgegen.

Bei SPORT1 spricht sie über die Lehren aus dem Auftaktspiel, ihre Ziele bei der WM und die riesige Hockey-Begeisterung am Spielort Den Haag.

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SPORT1: Frau Krüger, Ihre Teamkollegin Tina Bachmann hat die Chinesinnen als "destruktiv spielende Mannschaft" bezeichnet. War das vielleicht der unangenehmste Gegner zum Auftakt in eine WM?

Hannah Krüger: Es war bestimmt kein einfacher Gegner, weil wir sehr viel selbst machen mussten. Es hing sehr von uns ab, das Spiel und das Tempo zu gestalten. Manchmal kann es auch einfacher sein, erst mal zu reagieren. Aber unangenehmer wäre es denke ich gewesen, direkt gegen eine Mannschaft zu spielen, die man unbedingt schlagen muss, wenn man ins Halbfinale will.

SPORT1: Trotzdem sind Sie durch Ihr sehenswertes Tor nach einer Strafecke zehn Minuten vor Schluss in Führung gegangen, haben aber postwendend den Ausgleich kassiert. Gab es da eine Art "Spannungsloch", wie es Philipp Crone in seiner SPORT1-Kolumne beschrieben hat?

Krüger: Es war in der Phase direkt danach auf jeden Fall aufgeregter als direkt vor dem Tor und es war dann einfach Unordnung drin. Ob das am Spannungsloch liegt, weiß ich nicht. Aber vielleicht führt die Erleichterung nach so einem Tor schon dazu, dass man erst mal einen Schritt weniger macht. Wir haben daraus gelernt und uns vorgenommen, in Zukunft nach einem eigenen Tor direkt noch mal nachzulegen. Das ist schon ein bisschen Kopfsache.

[kaltura id="0_cs77ronk" class="full_size" title="DHB-Frauen mit Auftakt-Remis gegen China"]

SPORT1: Wie schätzen Sie nach diesem kleinen Dämpfer zum Auftakt Ihre Chancen aufs Halbfinale ein?

Krüger: An der Ausgangslage hat sich eigentlich nicht viel verändert. Um ins Halbfinale zu kommen, müssen wir Südafrika, die USA und England schlagen. Wenn man Argentinien mal als Favoriten nimmt, den man ärgern möchte und vielleicht auch kann, dann ist nicht viel passiert. Es ist einfach eine unglaublich offene Gruppe, wo jeder jeden schlagen kann.

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SPORT1: Am Dienstagmorgen geht es jetzt zunächst gegen die Südafrikanerinnen, die zum Auftakt deutlich gegen Argentinien verloren haben. Können Sie es den deutschen Herren nachmachen, die gegen Südafrika mit 4:0 gewonnen haben?

Krüger: Das hoffen wir natürlich, aber aus der Vergangenheit wissen wir auch, dass wir nicht immer alles so machen wie unsere Herren (lacht). Wir sind super motiviert, wissen, was wir noch drauflegen müssen und wir haben auch noch Luft nach oben. Wir werden uns im Turnierverlauf und auch schon zum nächsten Spiel noch steigern. Südafrika ist eine Mannschaft, die mitspielt - und ich glaube, das kommt uns jetzt nach diesem destruktiven Spiel der Chinesinnen entgegen.

SPORT1: Spielbeginn ist schon um 10.30 Uhr. Ist das für Sie ungewohnt und wie sieht die Spielvorbereitung aus, wenn man so früh ran muss?

Krüger: Es gibt Turniere, bei denen man noch früher ran muss. Von daher ist 10.30 Uhr schon in Ordnung. Um 7.30 Uhr geht es los mit Aktivierung und Morgenbespaßung, wir werden uns im Park gegenüber von unserem Athletiktrainer und Motivator in die Gänge bringen lassen. Dann gibt es ganz normal Frühstück, noch mal ein bisschen Pause, Besprechung und dann geht's los.

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SPORT1: Bei der EM letztes Jahr haben Sie den Titel geholt, bei Ihrer ersten WM-Teilnahme 2010 reichte es "nur" zum undankbaren 4. Platz. Haben Sie also noch so etwas wie eine offene Rechnung mit Weltmeisterschaften?

Krüger: Eine offene Rechnung würde ich nicht sagen. Klar ist der vierte Platz der undankbarste, wenn man erst mal im Halbfinale steht. Aber ich war damals noch sehr jung und sehr, sehr glücklich, überhaupt dabei zu sein. Aber klar wollen wir diesmal mehr. Wir wollen jetzt erst mal ins Halbfinale und wenn man dann dort ist, gibt man sich natürlich nicht mit Platz vier zufrieden.

SPORT1: Für Sie persönlich ist es das dritte große Turnier, Sie haben inzwischen auch Ihr 100. Länderspiel absolviert und gehören damit schon zu den Erfahreneren im Kader. Sehen Sie sich selbst als Führungsspielerin?

Krüger: Wir haben da eine relativ flache Hierarchie in unserer Mannschaft. Meine Position im Mittelfeld bringt es auch so ein bisschen mit, dass man automatisch eine Führungsrolle inne hat. Wenn mir etwas auffällt, dann darf ich meine Meinung auch kund tun. Aber wir haben da schon noch andere mit mehr Erfahrung, die das Boot steuern.

SPORT1: Die WM der Frauen und Herren finden anders als in vielen Sportarten zeitgleich am selben Ort statt. Gibt es da Berührungspunkte und wie verfolgen Sie zum Beispiel die Spiele der deutschen Herren?

Krüger: Soweit es möglich ist, schauen wir natürlich die Spiele der Herren an. Wir sind auch im gleichen Hotel, man sieht sich beim Essen und man kennt sich ja auch aus den Vereinen, da gibt es viele Überschneidungspunkte. Für uns Damen ist es immer cool, wenn das Herrenereignis am selben Ort ist, weil natürlich das Herren-Hockey noch ein bisschen mehr zieht. Es ist insgesamt unglaublich, was die Hockey-WM hier für eine Präsenz hat, das wäre in Deutschland nicht denkbar. Aber in Den Haag sieht man bis jetzt nichts von der Fußball-WM. Da hängen überall Hockeyspieler und einen Fußballer habe ich hier noch auf keinem Plakat gesehen. Das ist wirklich außergewöhnlich und ein genialer Ort, um diese Weltmeisterschaft zu spielen.

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